Henning Padberg, Portfoliomanager des Nordea Global Climate and Environment Fund, ist nicht nur ein Experte für nachhaltige Investments – er lebt diese Philosophie auch privat. Auf einem Hof, eine Dreiviertelstunde von Kopenhagen entfernt, hält er Hühner, baut Gemüse an und verbringt viel Zeit in der Natur. „Zwei Kinder und um die 15 Hühner, bei uns ist immer was los“, erzählt er lachend. Um die 15 Hühner? „Schwankt immer ein bisschen, je nachdem wie viele Küken wir haben“, erklärt er die Volatilität der Hennen.

Doch als erfahrener Fondsmanager sieht Padberg durchaus Parallelen zwischen Hühnerzucht und Portfoliomanagement. Die wichtigste Lektion ist zugleich die offenkundigste: „Nicht alle Eier in ein Nest legen.“ Diversifikation ist alles, in der Landwirtschaft wie an der Börse. Überraschender ist da schon seine zweite These: „Man braucht immer frisches Blut, also neue Ideen.“ Schließlich hält kein Aktienportfolio ewig, ohne es anzupassen. Erst recht nicht in der Welt der Nachhaltigkeit.

„ESG gab es damals noch nicht in der Komplexität wie heute“

Padberg hat deutsche Wurzeln, arbeitet jedoch schon viele Jahre bei Nordea Asset Management. Der Vermögensverwalter ist Teil der größten skandinavischen Bankengruppe und verwaltet ein Vermögen von mehr als 250 Milliarden Euro. Der Fokus liegt auf aktiven Fonds, die verstärkt auf Nachhaltigkeit setzen. Ein Paradebeispiel dafür ist der Global Climate and Environment Fund, den Henning Padberg seit 2009 neben Thomas Sørensen mitverantwortet und der - mittlerweile auf 8,9 Milliarden Euro angewachsen - einer der größten Artikel 9 Fonds gemäß EU-Offenlegungsverordnung ist.

Seitdem hat er den Wandel vom Nischenprodukt zum Mainstream-Investmentvehikel miterlebt. „ESG gab es damals noch nicht in der Komplexität wie heute. Wir haben eher nach Effizienz- und Sparsamkeitsthemen gesucht“, erinnert er sich. Der Fokus lag in den 2010er-Jahren stark auf erneuerbaren Energien – doch schnell wurde klar, dass das als Investmentthema nicht breit genug aufgestellt war. „Heute investieren wir in Ressourceneffizienz, Umweltschutz und saubere Energien, wobei Letzteres der kleinste Teil ist.“

Die Krux mit den „grünen“ Aktien

Eine Herausforderung für den Bereich sieht Padberg darin, die hohen Erwartungen an Rendite und Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen. „Viele Produkte können nicht mithalten, was die Schwankungen angeht. Wenn man zu sehr auf enge Themen setzt, kann man dem nicht entfliehen.“ Padberg selbst nennt keine konkreten Namen. Gemeint sein könnte aber etwa den Absturz des iShares Global Clean Energy. [MB1] Um das zu vermeiden wählt der Däne einen anderen Ansatz: Ein breites Universum schaffen, das Klumpenrisiken vermeidet und somit in jeder Marktphase Chancen bietet.

Dafür braucht es viel Research, ein umfangreiches Know-how über das komplexe Zusammenspiel der Märkte und den Mut zu einer genauen Titelauswahl. Denn nicht alles, was grün glänzt, ist auch ein gutes Investment. „Wenn ein Bereich zu stark von Subventionen und Regulierung abhängt, sind wir sehr vorsichtig", betont Padberg. Wasserstoff zum Beispiel – zweifellos zukunftsträchtig, aber Stand heute kaum profitabel. „Für die Unternehmen wäre es einfach noch nicht rentabel, jetzt massiv in Wasserstoff zu investieren. Da ist die Payback-Zeit viel zu lang."

Top-Positionen des Nordea 1 - Global Climate and Environment Fund
Top-Positionen des Nordea 1 - Global Climate and Environment Fund © DAS INVESTMENT

Auch Bereiche wie Lithium-Recycling sieht Padberg noch nicht als Investment-Case: „In zehn, zwanzig Jahren wird das sicher ein großer Markt sein, wenn die Akkus der ersten Generation Elektroautos in den Recyclinganlagen ankommen. Aber aktuell ist die Aussicht gering, damit nennenswert Geld zu verdienen. Für uns und die Unternehmen macht das keinen Sinn.“

Geduld ist eine Tugend

Nachhaltigkeit braucht eben einen langen Atem. Deshalb setzt Padberg auf etablierte Unternehmen, die ökonomisch rentabel sind und gleichzeitig von der grünen Transformation profitieren. Der Austausch mit dem Management ist ihm dabei wichtig - aber er scheut sich auch nicht, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. „Die meisten Firmen sind völlig ok damit, wenn man direkt ist. Einige Großunternehmen blocken aber auch schon mal ab.“

Doch meistens stoßen Padberg und sein Team auf offene Ohren. Ein Beispiel ist der US-Entsorger Republic Services, bei dem sie 2019 Defizite im ESG-Profil ansprachen. „Sie waren im Branchenvergleich Nachzügler beim Thema Nachhaltigkeit. Durch unseren Dialog und Verbesserungsvorschläge hat sich da viel getan", erzählt Padberg. Die Investments in Recycling und Deponiegasgewinnung wurden hochgefahren. „Mittlerweile ist Republic Services bei den ESG-Ratingagenturen deutlich besser gesehen. Und auch der Aktienkurs hat sich entsprechend entwickelt – Nachhaltigkeit zahlt sich eben aus."

 

Balancierte Unternehmenskultur

Die Denke prägt auch die Kultur bei Nordea AM, die Padberg mit „balanciert“ beschreibt. Balance zwischen Beruf und Privatleben, zwischen Rendite und Nachhaltigkeit, zwischen Innovation und Tradition. Ein „Sweet Spot", der sich in der Philosophie des Fonds spiegelt: Solide Erträge erzielen und dabei Gutes für Umwelt und Gesellschaft erreichen. Kein Widerspruch, sondern gelebte Harmonie - auf dem Hof und im Portfolio.

„Am Ende geht es darum, als langfristig orientierter Investor die richtigen Unternehmen auszuwählen", fasst Padberg zusammen. „Firmen, die wirtschaftlich erfolgreich sind, aber auch einen positiven Beitrag für Umwelt und Gesellschaft leisten." Mit dieser Strategie ist der Global Climate and Environment Fund gut gefahren: Seit Auflage hat er eine durchschnittliche Jahresrendite von 10,51 Prozent erzielt und dabei den Vergleichsindex geschlagen.

Nach mehr als vier Jahren mit A-Rating hat Scope den Nordea Global Climate and Environment Fund zuletzt herabgestuft. So lag er über fünf Jahre mit 13,1 Prozent pro Jahr über dem Durchschnitt der Peergroup Aktien Ökologie Welt mit 10,6 Prozent, über drei Jahre blieb er jedoch mit 5,1 Prozent gegenüber 5,2 Prozent leicht zurück. Die Risikokennzahlen des Fonds waren dabei insgesamt leicht erhöht. Doch Padberg ist vom langfristigen Potenzial überzeugt, schließlich stecke die Wirtschaft derzeit mitten in der Transformation.

Am Ende sind es vielleicht gerade seine Erfahrungen als Landwirt, die Padberg prägen. Denn wer den Wert von Beständigkeit und Bodenhaftung verinnerlicht hat, der kann auch in stürmischen Börsenzeiten die Ruhe bewahren und seinen Kurs halten.