Foto: Deutsche Börse

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Was ist denn da los? Dax gewinnt 14 Prozent, ShortDax verliert 23 Prozent

So war das aber nicht gedacht: In den vergangenen zwölf Monaten legte der Dax um 13,9 Prozent zu. Nach der Milchmädchen-Methode müsste also der Short-Dax, der täglich die Dax-Entwicklung umgekehrt abbildet, um 13,9 Prozent gefallen sein. Ist er aber nicht. Stattdessen beträgt sein Verlust stattliche 23,1 Prozent (siehe Chart). Und das, obwohl der Indexanbieter Deutsche Börse täglich die doppelte Geldmarktverzinsung draufpackt.

Grund dafür sind die Tücken der Prozentrechnung. Zwar macht die Short-Variante aus einem täglichen Prozentgewinn einen ebenso hohen Verlust und umgekehrt. Er verwendet dafür aber stets den Schlussstand vom Vorabend. Je nach Richtung verzerrt dieser Effekt das Ergebnis.

Fällt beispielsweise der Original-Index einige Tage in Folge, verringert sich auch täglich die Basis für den nächsten Verlust. Beim Short-Index wird sie immer größer, weshalb auch seine absoluten Gewinne steigen. Die Tabelle zeigt, wie sich der Short-Index schneller empor bewegt als sein Original fällt. Kommt dann die Kehrtwende (in der Mitte der Tabelle), beziehen sich die neuen Gewinne (beim Original) und Verluste (beim Short-Index) auf die neu erreichten Niveaus. Anschließend hat das Original sein Ursprungsniveau nach 15 Tagen wieder erreicht. Der Short-Index ist dann aber in die Verlustzone gerutscht.

Noch verrückter geht es bei doppelt gehebelten Short-ETFs zu, wie es sie seit kurzem auch in Deutschland gibt. Einen extremen Fall schildern die Betreiber des Blogs „Benzinga“: Sie fanden einen Zwei-Jahres-Zeitraum, in dem der Aktienindex S&P 500 um 30 Prozent gefallen war. Für einen Short-ETF wäre das eigentlich gut gewesen. Trotzdem verlor der doppelt gehebelte Powershares Ultra Short ETF 15 Prozent.

22 Short-ETFs werden derzeit an der Deutschen Börse gehandelt. Und für kurzfristige Absicherungsmanöver sind sie zweifellos feine und einfache Instrumente. Für langfristige Positionen sind sie jedoch nicht geeignet.

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