Foto: Mike Nottebrock / Pixelio; <br> Screenshot

Foto: Mike Nottebrock / Pixelio;
Screenshot "Skatbank Dax Cash Konto"

Was ist denn da los? Skatbank aus Thüringen reizt mit 7 Prozent fürs Festgeld

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Im ostthüringischen Altenburg, knapp 36.000 Einwohner, wird alles auf eine Karte gesetzt. Die Stadt im Dreieck Leipzig-Chemnitz-Gera ist die Geburtsstadt des Skatspiels. Es gibt Spielkartenhersteller, den historischen Skatbrunnen, und seit 2001 hat das Internationale Skatgericht seinen Sitz in Altenburg. Skat ist ein Schulfach, schon ab erster Klasse wird gereizt und gedroschen.

Natürlich gibt es auch eine Skatbank, eine Niederlassung der hiesigen Volks- und Raiffeisenbank, sie ist zugleich Namenspatronin der Skatbank-Arena. Seit zwei Jahren am Markt, bedient die Bank derzeit rund 5.000 Kunden. Kleine Probleme gab es bisher nur bei der Gründung: „Die Bankenaufsicht tat sich mit dem Namen schwer“, sagt Volker Becker, Leiter der Niederlassung. „Die meinten, da könne ja jeder kommen und auch noch eine Mau-Mau-Bank gründen.“ Das Institut ist eine Bank, keine lockere Stammtisch-runde und schon gar keine Zockerbude. Mit diesem Vorwurf sieht sie sich jedoch konfrontiert, seit das ZDF-Verbrauchermagazin „Wiso“ Anfang September über das „Skatbank Dax Cash Konto“ berichtete. Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe von DAS INVESTMENT (November 2009). 
 
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Mit „bis zu 7 Prozent Zinsen“ wirbt die Bank für ihr Geldmarktkonto. Rund 750.000 Euro haben Sparer eingezahlt. Verbraucherschützer stören sich an den 7 Prozent, und auch Volker Becker selbst nennt die Zahl „höchst utopisch“; liegt doch der gängige Zinssatz für Tagesgeld selten über 2 Prozent.

Die Berechnung des Geldmarktkontos wird so akribisch wie ein Skatblock geführt: Jeweils freitags notiert und speichert die Bank die Wochen-Performance des Dax, maximal eine 7, mindestens jedoch eine 0,5. Der Zins fürs Konto errechnet sich dann aus dem Schnitt der Wertentwicklungen der einzelnen Wochen. Damit Kunden der Skat-Bank am Jahresende auf einen Zins von 7 Prozent kommen, müsste der Dax also in jeder der 52 Wochen eines Jahres um mindestens 7 Prozent steigen. Das hieße fürs laufende Jahr, hat „Wiso“ nachgerechnet, dass der Dax Ende des Jahres bei utopischen 160.000 Punkten stünde. Bisher ist der Index nur in drei Kalenderwochen um 7 oder mehr Prozent gestiegen.

„Wiso war nur auf Krawall aus, der Beitrag war eine Beleidigung unserer Kunden, die können lesen und rechnen“, sagt Becker. Das ist richtig, aber etwas frech sind die von der Skatbank und der Finanzbranche generell gerne verwendeten Bis-zu-Rechnungen trotzdem. Sie rücken die Branche in die Nähe der Billigflieger mit ihren Ab-nach-Angeboten.

Statt 7 gibt es 2,17 Prozent

Das „bis zu 7 Prozent“ suggeriert zumindest eine Möglichkeit, deren Erreichen nahezu unmöglich ist. Derzeit liegt der Zinssatz des Skat-Kontos bei einem Mittelwert von 2,17 Prozent, und das ist – für täglich verfügbares Kapital – sehr ordentlich und den einigen starken Wochen des Dax geschuldet. Beschwerden gab es nach der Wiso-Sendung nicht. Vielmehr folgte eine Online-Kontoeröffnung aus Hongkong. „Ein bisschen Spiel muss sein“, so Becker in der Tradition der Stadt. Daher will die Skatbank das Angebot auch kommendes Jahr fortsetzen. „Sollten dann die Zinsen erhöht werden, steigt auch unsere Mindestverzinsung, die 7 Prozent oben werden aber bleiben“, so Becker.

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