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Vermögensverwalter fragt sich Was können Notenbanken überhaupt noch tun?

Fed-Präsident Colin-Powell
Fed-Präsident Colin-Powell: Notenbanken werden zu politischen Erfüllungsgehilfen, kritisiert Vermögensverwalter Uwe Zimmer. | Foto: imago images / ZUMA Wire

Vorbei die Zeiten, als noch jedes Wort der Notenbank-Chefs auf die Goldwaage gelegt wurde. Als es eigene Greenspan-Lauscher gab, die nur darauf schauten, was der Boss der Fed wie sagte, um daraus Rückschlüsse auf die Absichten der Notenbank zu ziehen. Ein falsches Wort konnte die Märkte in Aufruhr versetzen, ein richtiges sie beruhigen. Das ist vorbei.

Uwe Zimmer, Foto: Z-Invest

Heute gelten die Notenbanken bestenfalls noch als ein etwas widerspenstiges Anhängsel der Politik. Bestenfalls, denn meistens gelten sie nur als willfährige Erfüllungsgehilfen der Politik. Und Politiker wollen immer eines: wiedergewählt werden. Da das am besten funktioniert, wenn alle Wähler reich und glücklich sind oder sich zumindest nicht allzu viele Gedanken über Geld und Stabilität und Inflation und andere Fremdwörter machen müssen, sollen auch die Notenbanken bitte möglichst geräuscharm liefern.

Und zwar Zufriedenheit und Glück in Form von Geld. Aber natürlich nicht Geld für jeden einzelnen, der das auch ausgeben könnte. Sondern in Form von Geld, das an die Banken gegeben wird, die es dann mit einem Aufgeld weitergeben sollen an Unternehmen, die dann investieren, was dann Arbeitsplätze schafft, was dann für die Menschen Einkommen bedeutet. Also ein etwas komplizierterer Weg, der aber eines verschleiert: dass die Notenbanken derzeit nicht viel anderes sind als Banknotendruckerpressen.

„Fed macht Zins-Trippelschritte“

Doch halt, jetzt könnten die Notenbanken ja auch anders entscheiden, unabhängig wie sie formal sind. Sie könnten den Geldsegen stoppen, die Märkte in Depression stürzen, Regierungen stürzen, die Kurse stürzen lassen.

Spätestens hier wird es unwahrscheinlich. Die Notenbanken sind kaum noch in der Lage, das Steuer wirklich herumzureißen. Die Ankündigung der Fed, im kommenden Jahr einige Zins-Trippelschritte zu gehen, hat niemanden überrascht. Im Gegenteil, die Märkte stiegen zunächst nach der Ankündigung – ein Zeichen der Ignoranz gegenüber den Beschlüssen der Notenbank.

Der scheidende Bundesbankpräsident Jens Weidmann geht, ohne eine Spur zu hinterlassen. Sein Mahnen im EZB-Rat verhallte. Der neue Mann, Joachim Nagel heißt er, wird womöglich einst mit einer ähnlichen Bilanz abtreten. Und das liegt nicht nur daran, dass die Bundesbank im EZB-Kollektiv nur einen begrenzten Einfluss hat. Es liegt an der selbstverordneten Zahnlosigkeit der Notenbankdrohungen. Wer nicht glaubhaft drohen kann, lässt es lieber. Das ist die Politik der Notenbanken heute.


Über den Autor:
Uwe Zimmer ist Geschäftsführer beim Vermögensverwalter Z-Invest aus Köln.

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