Logistikzentrum von Amazon in Leipzig Foto: imago images/Robert Michael

Investment-Stratege Robert Almeida

Was kommt nach der Pandemie?

Zu Jahresbeginn prognostizieren Volkswirte und Strategen stets die Entwicklung für Wirtschaft und Märkte. Doch 2020 waren viele Vorhersagen schon Ende Februar überholt: Corona hat alles auf den Kopf gestellt – unser Leben, die Märkte und die Prognosen für 2020. Um fair zu sein: Die Gründe dafür waren biologischer, nicht finanzieller Natur, und das Leben ist nun einmal voller Überraschungen. Neu war nicht so sehr, dass die Prognosen nicht stimmten – sondern wie schnell nichts mehr so war wie vorher.

Auch jetzt füllt sich der Posteingang wieder mit Marktprognosen. Dieses Jahr ist man sich weitgehend einig: Trotz immer mehr Covid-19-Infektionen, stationärer Behandlungen und Todesfällen sowie der Entdeckung neuer Mutationen, die die Herdenimmunität in immer weitere Ferne rücken lassen, sind Investoren und Auguren recht optimistisch. Für sie zählt nicht das Heute, sondern das Morgen, ebenso wie für die Märkte.

Wegen des unerwartet schleppenden Beginns der Impfungen mag uns Corona zwar noch länger erhalten bleiben, doch irgendwann wird die Pandemie wohl vorbei sein. Wegen der Kombination aus aufgestauter Nachfrage und äußerst expansiver Geld- und Fiskalpolitik rechnet man an den Märkten daher mit einem hohen Wirtschafts- und Gewinnwachstum. Das ist plausibel. Noch wichtiger ist aber, dass es sich auch in den Kursen zeigt.

Entscheidend ist aber, was nach 2021 passiert. Schauen wir, was die enorme Geldmengenexpansion an den Märkten bewirkt. Die folgende Abbildung zeigt die Entwicklung zweier sehr verschiedener Gruppen von Assetklassen vom Märztief bis zum Ende 2020. Die dunkelblaue Linie steht für risikobehaftete Wertpapiere wie Aktien und Anleihen, die hellblaue für die sogenannten sicheren Häfen. Sie legen meist dann zu, wenn die Investoren risikoscheuer werden.

Abbildung: Liquidität hilft allen Assetklassen

Grafik: MFS >> vergrößern

Die Wertentwicklung der beiden Gruppen von Assets war 2020 sehr ungewöhnlich. Assetklassen wie Aktien, für die eine hohe Volatilität meist ungünstig ist, sind in der Regel negativ mit Assetklassen korreliert, die wie US-Staatsanleihen und Gold von einer hohen Volatilität profitieren. Doch 2020 legten beide Gruppen stark zu. Das hatte viel mit der überschüssigen Liquidität zu tun, die sich ein Ventil suchen musste. Indem die Notenbanken die Finanzmärkte mit Geld überschwemmten, entfernten sich die Assetpreise noch stärker von den Fundamentaldaten.

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