Grafik 2 zeigt Beispiele für solche Schocks – von der Savings-and-Loan-Krise in den frühen 1990ern bis zur Coronakrise Anfang 2020. Beide Male trennten sich Investoren generell von Aktien, statt in niedrigvolatilere Papiere umzuschichten. Der Ausverkauf risikoreicherer Aktien kam nicht überraschend, aber auch Papiere mit niedrigerem Beta boten nicht den erhofften Schutz. Man spricht auch von „Beta Compression“ – Beta-Angleichung. Die Ertragsdifferenz zwischen risikoarmen Aktien (links) und risikoreicheren (rechts) ging zurück. Ein solches Marktumfeld ist aber sehr selten und setzt meist recht ungewöhnliche Entwicklungen voraus.

Grafik 2: Die Erträge volatiler und niedrigvolatiler Aktien näherten sich bisweilen stark an

Derart geringe Ertragsdifferenzen scheinen uns nicht typisch für gewöhnliche Verlustphasen zu sein, und sie dürften auch nicht zur Regel werden. Niedrigvolatile Aktien haben gezeigt, dass sie Risiken mindern können. Auch wenn ein wahlloser Verkauf aller Arten von Aktien etwa 1990 und 2020 zu einer Annäherung der Betas – und entsprechend geringen aktiven Erträgen niedrigvolatiler Aktien – geführt hat, rechnen wir damit, dass sie im Laufe des aktuellen Marktzyklus wieder aufholen.

Sind niedrigvolatile Aktien fundamental betrachtet noch immer teuer?

Die hohe Nachfrage nach performancestarken Low-Volatility-Strategien hatte in den vergangenen zehn Jahren oft zu Bewertungsaufschlägen geführt. In letzter Zeit änderte sich das aber. Wie Grafik 3 zeigt, sind jetzt volatile Aktien deutlich teurer, gemessen am Kurs-Cashflow-Verhältnis ebenso wie am Kurs-Gewinn-Verhältnis (auf Basis von Vergangenheitsgewinnen). Die Bewertungen niedrigvolatiler Aktien könnten daher eine gewisse Sicherheitsmarge bieten. Die jüngsten Bewertungsänderungen lassen sich zumindest teilweise mit den Mehrerträgen von Wachstumstiteln, aber auch mit der Annäherung der Betas beim Ausverkauf im Jahr 2020 erklären. Obwohl der generelle Ausverkauf von Aktien vor niedrigvolatilen Titeln nicht haltmachte, erholten sie sich anschließend nicht so stark wie etwa Technologieaktien und zyklische Konsumwerte.

Grafik 3: Volatile Aktien sind jetzt deutlich höher bewertet als niedrigvolatile

Der Low-Volatility-Ansatz von MFS

In den vergangenen zehn Jahren wurde immer mehr in Low-Volatility-Strategien investiert. Das geschah in unterschiedlicher Form – passiv, rein quantitativ oder fundamental. Die Volatilitätsanomalie mag zwar als mathematische, statistische Anomalie gelten, doch hat der Mehrertrag niedrigvolatiler Aktien fundamentale Gründe. Befassen wir uns daher genauer mit unserer Anlagephilosophie. Wir wollen zeigen, weshalb eine zu starke Orientierung an einem Risikomodell oder ein passiver Ansatz nicht zielführend sind.