Das wirft die Frage auf, wie sich Low Volatility in Zukunft voraussichtlich entwickelt. Auch hier verweisen wir auf unsere frühere Studie. Nach der Coronakrise mit ihren außergewöhnlichen geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen werden wir wohl so bald keinen neuen Aufschwung erleben – denn der liegt gerade hinter uns. Wichtig ist, wie lange die Expansionsphase noch anhält. Natürlich sind Low-Volatility-Strategien in Sektoren untergewichtet, die in der Expansionsphase oft gut abgeschnitten haben, etwa im Energie- und im Grundstoffsektor. Da die Expansionsphase aber schon einige Zeit dauert und der nächste Aufschwung wohl noch auf sich warten lassen wird, spricht aus unserer Sicht zurzeit eher viel für niedrigvolatile Aktien.

Grafik 5: Faktorperformance in unterschiedlichen Zyklusphasen

Die Konjunkturanalyse liefert uns wichtige Erkenntnisse. Außerdem schätzen wir Risiken ab, indem wir spekulative Übertreibungen analysieren. Sie sind ein wichtiger Proxy dafür, ob Investoren Risiken ohne entsprechende Ertragsaussichten akzeptieren. Grafik 6 zeigt drei Beispiele für irrationale Übertreibungen und möglicherweise höhere Risiken aus den letzten 18 Monaten.

Von Anfang Oktober 2020 bis Mai 2021 hat der Bitcoin um 450 Prozent an Wert zugelegt, obwohl er nicht als legitime Alternative zu klassischen Währungen gilt. Die bei Privatanlegern beliebte Plattform Robinhood, bekannt für Meme-Aktien, war eines der Unternehmen, deren Aktienkurs 2021 Jahr von spekulationswütigen Privatanlegern nach oben getrieben wurde. Der Kurs stieg von 38 US-Dollar beim Börsengang auf 70 US-Dollar, um dann immer weiter einzubrechen. Außerdem gab es – gemessen am Volumen wie an der Anzahl – nach den beiden sehr schwachen Jahren 2018 und 2019 in den Jahren 2020 und 2021 wieder sehr viel mehr Börsengänge.

Wegen der reichlich vorhandenen Liquidität scheinen viele Investoren große Wetten eingehen zu wollen, ohne dabei die Risiken zu beachten. Zwar gehören Spekulation und Risiko zu Aktien dazu, aber letztlich geht es beim Investieren mehr um die Fundamentaldaten und das Geschäftsmodell der Unternehmen. Ob eine Anlage auf Dauer stabil ist, hängt letztlich von den Gewinnen und der Rentabilität ab.

Grafik 6: Jüngste Anzeichen für spekulative Übertreibungen

Fazit

Die jüngsten Mindererträge niedrigvolatiler Strategien weckten Zweifel an diesem Konzept. Aber dazu gibt es aus unserer Sicht keinen Grund. Die Mindererträge sind typisch für die Aufschwungphase des Marktzyklus und daher keineswegs unerwartet.

Risiko ist mehr als die Standardabweichung der Erträge. Die stabileren, weniger konjunktursensitiven Fundamentaldaten niedrigvolatiler Aktien können bei fallenden Kursen das Portfolio stabilisieren. Niedrigvolatile Aktien sind jetzt sehr viel günstiger bewertet als volatilere Titel. Der Anlagestil bietet daher eine Sicherheitsmarge und interessante Einstiegszeitpunkte. Die Analyse früherer Marktzyklen zeigt, dass niedrigvolatile Aktien im weiteren Verlauf des Zyklus Mehrertrag erwirtschaften.

Wir glauben, dass aktiv gemanagte Low-Volatility-Strategien viel zu einer geringeren Portfoliovolatilität und höheren Erträgen beitragen können. Mehr denn je kann aktives Management etwas gegen Marktvolatilität ausrichten – mit fundamentalen und quantitativen Analysen, um anhand bewährter Kriterien wie Bewertung und Qualität vielfältige Anlageideen zu finden.

Beim vorstehenden Text handelt es sich um eine leicht gekürzte Fassung. Den vollständigen Beitrag finden Sie hier.