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Elmar Peters und Stephan Scheeren (r.), Fondsmanager bei Flossbach von Storch Foto: Flossbach von Storch
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Flossbach von Storch-Fondsmanager im Interview

„Was Stiftungen hilft, hilft auch vielen Privatanlegern“

Herr Peters, ohne Aktien geht es nicht. Diese Ansicht scheint mittlerweile Konsens. Zu Recht?

Elmar Peters: Ich würde es etwas anders formulieren: Wer langfristig ordentliche Renditen erzielen will, sollte auf Aktien nicht verzichten, eben weil sie ein ganz wichtiger Baustein sind für ein breit aufgestelltes Vermögen. Das galt im Übrigen schon immer, bekommt in einer Welt ohne Zinsen aber eine ganz andere Relevanz.

Anders gefragt: Rennen nicht heute alle den Aktienkursen hinterher – und droht deshalb die nächste Blase an den Börsen, wie zur Jahrtausendwende?

Stephan Scheeren: Schaut man sich die Bewertung des Gesamtmarktes, also auf Ebene der großen Indizes an, dann sind Aktien in den vergangenen Jahren zwar deutlich teurer geworden – sie sind aber nach wie vor weit entfernt von dem Hype damals. Was nicht heißt, dass es nicht auch zu Enttäuschungen kommen kann. Dann nämlich, wenn die hohen Erwartungen an bestimmte Unternehmen oder Branchen eben nicht erfüllt werden. Umso wichtiger ist, sich jedes einzelne Unternehmen sehr genau anzuschauen. Der überliegende Index hilft als „Verallgemeinerungs-Instrument“ nur begrenzt. Er spiegelt nicht ausreichend wider, was unter seiner Oberfläche passiert.

Dann greifen wir doch ganz gezielt die Tech-Branche heraus. Ist da nicht mittlerweile sehr viel Erwartung eingepreist?

Scheeren: In dem ein oder anderen Fall ist das sicherlich so. Aber: Anders als zur Jahrtausendwende sind es diesmal nicht nur Klicks und euphorisierende Adhoc-Mitteilungen, die die Kurse der großen Technologie-Konzerne treiben, sondern deren langfristiges Umsatz- und Ertragspotenzial. Bert Flossbach hat kürzlich gesagt, dass die Zukunft heute einfach teurer ist als in der Vergangenheit. Das trifft es sehr gut, wie ich finde.

Peters: Und macht die Bewertung der Bewertung deutlich schwieriger. Was ist übertrieben – und was bildet die ambitionierten Erwartungen einigermaßen präzise gut ab, untertreibt vielleicht sogar? Gut möglich, dass das ein oder andere Unternehmen, das heute sehr ambitioniert bewertet erscheint, in fünf Jahren selbst die optimistischsten Erwartungen übertroffen hat.

Und wie gehen Sie damit um?

Scheeren: Wir versuchen eine Balance zu finden zwischen Unternehmen mit besonders guten Wachstumsperspektiven, aber vergleichsweise hoch bewerteten Aktien, und Unternehmen mit stabilen Erträgen, die im Idealfall auch attraktive Dividenden zahlen, aber einem bescheideneren Wachstumspotenzial und entsprechend niedrigerer Bewertung. Die Mischung macht’s. Letztlich geht es um nachhaltig erfolgreiche Unternehmen. Nicht mehr, nicht weniger.

Nachhaltigkeit ist das Stichwort: Welche Rolle spielt das Thema ESG bei Ihren Anlageentscheidungen?

Peters: Nachhaltigkeit ist seit jeher Teil unseres Investmentprozesses. Wichtig ist uns vor allem die gute Unternehmensführung, also das „G“. Sie ist unseres Erachtens die Voraussetzung für einen verantwortungsvollen Umgang auch mit ökologischen und sozialen Themen.

Scheeren: Außerdem sollen die Foundation Fonds einen breiten Wertekonsens abbilden; wir investieren also nicht in Unternehmen, deren Geschäftsmodell diesen Werten widerspricht.

Sie haben neben der defensiven Variante des Fonds nun auch eine offensive Variante aufgelegt – warum? Und wo liegen die Unterschiede?

Scheeren: Die Unterschiede liegen im Wesentlichen in den maximalen Gewichtungen der einzelnen Anlageklassen. Bezogen auf Aktien etwa beträgt die Höchstgrenze des Foundation Fonds Defensive 35 Prozent des Fondsvermögens, beim Growth sind es 75 Prozent. Anleger können sich also je nach Risikotragfähigkeit entscheiden, welche Aktienallokation besser zu ihnen passt. Anlagephilosophie und Investmentprozess sind aber bei beiden Fonds identisch.

Und warum zusätzlich die offensivere Variante?

Peters: Stiftungen, jedenfalls viele von ihnen, sind darauf angewiesen, laufende Erträge zu erwirtschaften, um ihren Stiftungszweck zu erfüllen. In einer Welt ohne Zinsen helfen da Aktien mehr als Anleihen – über die Dividenden. Und weil viele Stiftungen nicht nur laufende Erträge benötigen, sondern obendrein auch einen sehr langen Anlagehorizont haben, sie also Kursschwankungen aussitzen können, ist es unseres Erachtens nur folgerichtig, ihnen die Möglichkeit zu geben, sich in noch größerem Umfang an erstklassigen Unternehmen zu beteiligen.

Dann könnten Sie sich doch die defensivere Variante, die überwiegend auf Anleihen setzt, sparen…

Scheeren: Nein, denn nicht jeder Anleger darf, kann und will sich den Schwankungen des Aktienmarktes in größerem Umfang aussetzen. Wobei klar ist, dass die Renditeerwartungen bei defensiveren Anlagestrategien nach vorne schauend nicht in den Himmel wachsen sollten.

Anders gefragt: Sind Anleihen, zumindest wenn sie einen größeren Anteil ausmachen, in Zukunft nicht ein Risiko für die Fonds?

Peters: Anleihen sind und bleiben ein fester Bestandteil gemischter Portfolios. Unser Blick auf sie ist aber ein anderer.

Was konkret meinen Sie damit?

Peters: Wer auskömmliche Renditen am Anleihemarkt erzielen will, muss heute opportunistisch vorgehen, sehr viel aktiver sein als früher. Auf Gelegenheiten warten – sie dann auch nutzen. Das klassische Kaufen und Halten bis zur Fälligkeit funktioniert nicht mehr. Anleihen liefern auch keine regelmäßigen Erträge mehr, zumindest nicht in der Größenordnung, wie viele Anleger sie brauchen oder sich wünschen würden. All das bedeutet aber nicht, dass sich am Anleihemarkt nicht auch interessante Gelegenheiten ergeben.

Sind die Fonds eigentlich nur für Stiftungen?

Scheeren: Nein, was für Stiftungen gilt, gilt genauso für viele Privatanleger: Auch sie wünschen sich regelmäßige Erträge. Und eine Anlagestrategie, die nicht nur langfristig ausgerichtet ist, sondern auch nachhaltig.

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