Aktualisiert am 01.04.2020 - 16:31 UhrLesedauer: 2 Minuten

Was uns das Provisionsverbot unserer Nachbarländer lehrt Dramatische Unterversorgung in England, steigende Einnahmen in Schweden

Das Provisionsverbot hat nicht nur gute Seiten, sondern auch Nebenwirkung, meint Management-Berater Christian Mylius in einem Gastbeitrag auf Cash Online. Vor allem würde die Beratung oft zu kurz kommen, da Kunden häufig nicht bereit seien, dafür zu bezahlen. In der Folge würden die Menschen nicht mehr genug vorsorgen oder lediglich ohne Beratung im Internet kaufen.

In Großbritannien sei die Situation besonders dramatisch: Hier drohe eine Vorsorge-Unterversorgung der Bevölkerung. Für die Niederlande zeichnet Mylius ein nicht ganz so düsteres Bild. Das läge allerdings vor allem an dem ausgeprägten staatlichen Rentensystem.

Die Skandinavier hingegen hätten einen anderen Weg beschritten, so Mylius weiter. Statt staatlicher Eingriffe habe die Branche freiwillig konstruktive Maßnahmen vorgeschlagen und umgesetzt. Transparenz und flexible Geschäftsmodelle hätten sich zudem als geschäftsförderlich erwiesen. So stiegen in Finnland die Bruttobeitragseinnahmen seit 2007 jährlich um zirka 5,1 Prozent und in Schweden um 7,3 Prozent. In Großbritannien hingegen seien die Zahlen um 15,6 Prozent zurückgegangen.

Was bedeuten diese Erkenntnisse für die Provisionsdiskussion in Deutschland?

Mylius: „Die Erfahrung zeigt, dass der Weg der staatlichen Regulierung nicht mehr umkehrbar ist, wenn er einmal eingeschlagen wurde. Wenn der Gesetzgeber dann mit einem großen Wurf übers Ziel hinausschießt, sind die Auswirkungen massiv – auch auf die Kunden.“

Die Versicherer seien auf jeden Fall gut beraten, wenn sie den Trend nach Transparenz, Nettotarifen und Online-Angeboten nicht verschlafen. Auch ihre Vertriebspartner sollten sie qualitativ und technisch unterstützen.

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