Zalando-Pakete auf dem Weg: Der Online-Händler steigt zum Dax-Kandidat auf, wenn die Deutsche Börse die Regeln ändert Foto: Claudio Schwarz / Unsplash.com

Was wäre, wenn

Wie ein Dax 40 die Index- und Anlagewelt verändert

Im Rahmen einer Reform der Dax-Auswahlindizes wurde eine Marktkonsultation gestartet. Der Indexanbieter reagiert damit auf verschiedene Kritikpunkte. Neben einer möglichen Vergrößerung des Dax werden folgende Ziele angestrebt: die Einführung strikterer Kriterien zur Auswahl der Indexmitglieder, eine Vereinfachung der Indexregeln, Harmonisierung des Regelwerks nach internationalen Standards und die Einführung von Qualitätskriterien.

Die Konsultation steht allen Marktteilnehmern vom 05. Oktober bis zum 04. November 2020 offen. Die Ergebnisse der Befragung sowie eine Ankündigung über mögliche Änderungen an der Index-Methodik sollen bis 23. November veröffentlicht werden. Änderungen der Indexregeln sollen frühestens für die Überprüfung im März 2021 wirksam werden.

Mit einer Erweiterung von 30 auf 40 Indexmitglieder würde dem Kritikpunkt, dass der Dax 30 die Unternehmenslandschaft in Deutschland nicht adäquat widerspiegelt, zwar optisch Rechnung getragen. Die Anzahl der Unternehmen im Dax würde um 33 Prozent ansteigen, der Anteil der neuen Unternehmen im Index würde jedoch nur 8 Prozent betragen. Effektiv würde sich aufgrund des hohen Gewichts von wenigen Großkonzernen (u.a. SAP, Linde, Siemens, Allianz) daher nur wenig ändern.

Auch würde sich die Sektor-Zusammensetzung nur unwesentlich verschieben. Ein höheres Gewicht von beispielsweise Technologieaktien im Dax kann damit aller Voraussicht nach nicht erreicht werden. Der Anteil von Chemie-, Auto- und Industriekonzernen unter den großen, deutschen, börsennotierten Aktiengesellschaften ist dafür zu hoch. Insgesamt würde der Anteil von Industrie- aber auch von Gesundheitsaktien ansteigen. Gleichzeitig würde sich die Anzahl der Unternehmen im M-Dax von 60 auf 50 Unternehmen verringern. Diese 10 Unternehmen stehen allerdings im M-Dax für ein Indexgewicht von über 30 Prozent. Der Einfluss auf den M-Dax wäre somit höher als auf den Dax. Wie ein Backtest der Deutschen Börse ab 2015 zeigt, wären die Auswirkungen auf die Kursentwicklung von Dax und M-Dax hingegen gering.

Generell wären das größere Volumen, die leicht höhere Diversifikation und der leicht steigende Anteil dynamisch wachsender Unternehmen für den Dax positiv und sollten den deutschen Leitindex leicht aufwerten. Die größeren Werte aus der zweiten Reihe können mehr Aufmerksamkeit erhalten. Für den M-Dax besteht allerdings das Risiko, dass er an Relevanz für Generalisten verliert, für Spezialisten sollte sich wenig ändern.

Zum anderen zeigten sich im Zuge der Wirecard-Insolvenz verschiedene Schwachstellen des Index. Diese sollen u.a. durch eine Anpassung der Anforderungen bezüglich der Vorlage testierter Geschäfts- und Zwischenberichte sowie höherer Compliance-Standards (Prüfungsausschuss) verbessert werden. Insgesamt sollen die neuen Regeln mehr Möglichkeiten schaffen, schneller auf mögliche Missstände zu reagieren, um zweifelhafte Aktien schneller aus dem Index entfernen zu können. Auch eine Frequenzerhöhung des Überprüfungszyklus könnte hilfreich sein. Dies ist positiv zu werten, führt allerdings auch zu mehr Veränderungen im Index.

Daneben werden im Rahmen der Konsultation verschiedene weitere Punkte abgefragt. Dazu zählt der Wegfall des Aufnahmekriteriums Börsenumsatz. Dieses soll durch eine Mindestliquidität ersetzt werden, die die meisten der großen Werten erfüllen sollten. Auch soll das Qualitätskriterium der Profitabilität, auf Ebene des EBITDA, im Dax eingeführt werden. Diese Kriterien würden den Index stärker an internationale Standards angleichen. Eine potenzielle Benachteiligung von neuen, innovativen und noch nicht Gewinn erzielenden Unternehmen ist dadurch jedoch möglich. Allerdings wird mit der EBITDA-Ebene sehr weit oben in der Gewinn- und Verlustrechnung angesetzt – das Kriterium kann als Qualitätskriterium daher begrüßt werden.

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