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Öffentliche vs. private Wasserversorgung Wasser – überall dringend benötigt

Organisiert vom Thames-Tideway-Tunnelprojekt säubern Mitarbeiterinnen des Sea-Life-Großaquariums in London das Themse-Ufer: Das Abwassersystem der britischen Metropole wurde 1875 fertiggestellt und wird 2025 durch ein neues Jahrhundertbauwerk ergänzt.
Organisiert vom Thames-Tideway-Tunnelprojekt säubern Mitarbeiterinnen des Sea-Life-Großaquariums in London das Themse-Ufer: Das Abwassersystem der britischen Metropole wurde 1875 fertiggestellt und wird 2025 durch ein neues Jahrhundertbauwerk ergänzt. | Foto: Imago Images / agefotostock

In den kommenden 25 Jahren sind weltweit Investitionen in die Wasser- und Abwasserinfrastruktur in einer Größenordnung von knapp 13 Billionen US-Dollar nötig. Das kann weder der öffentliche noch der private Sektor alleine leisten. Aber ihre gemeinsamen Anstrengungen müssen intelligent gemanagt werden und auf Langfristigkeit ausgerichtet sein. Denn die Erfahrung hat gezeigt, dass sonst keine der beteiligten Parteien etwas erreicht.

Damit bis 2050 ein universeller Zugang zu Wasser gewährleistet werden kann – das heißt, dass alle Haushalte Zugang zu sicheren Wasserquellen und sicheren sanitären Einrichtungen haben und die Abwasseraufbereitung städtischer Standard wird –, müssen nach Schätzungen von David Lloyd-Owen, Experte für die Wasserindustrie und Berater des Pictet Thematic Advisory Board, 8,8 Billionen US-Dollar für Infrastrukturinvestitionen in Entwicklungsländern und weitere 4,1 Billionen US-Dollar in Industrieländern bereitgestellt werden. 

 

Das entspricht einem Investitionsvolumen von rund 370 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Allerdings liegt die jährliche Investition in Wasser laut unserer Analyse bei gerade mal 287 Milliarden US-Dollar, die Landwirtschaft nicht mitgerechnet. Die Schätzungen für die beiden Bereiche variieren – die OECD kalkuliert beispielsweise, dass Investitionen in Höhe von 1 Billion US-Dollar pro Jahr erforderlich sind –, aber die Mehrheit ist sich einig, dass es eine erhebliche Kluft zwischen dem, was benötigt wird, und dem, was bereitgestellt wird, gibt.

Der Weg ist noch lang

Keine Frage, es wird Infrastruktur benötigt. Unsauberes Wasser ist jedes Jahr für 1,2 Millionen vorzeitige Todesfälle verantwortlich. Davon sind rund 6 Prozent in Ländern mit niedrigem Einkommen direkt auf unsichere Wasserquellen zurückzuführen, wie Our World in Data belegt. 2022 hatte nach UN-Angaben jeder vierte Mensch weltweit keinen Zugang zu sicherem Wasser und 43 Prozent hatten keinen Zugang zu sicheren sanitären Einrichtungen. Selbst in den Ländern mit hohem Einkommen hatten 6 Prozent beziehungsweise 9 Prozent keinen Zugang zu sicherem Wasser und sicheren sanitären Einrichtungen. Geht es in diesem langsamen Tempo weiter, werden 2030 immer noch 23 Prozent beziehungsweise 35 Prozent keinen Zugang zu sicherem Wasser und sicheren sanitären Einrichtungen haben. 

Grafik 1: Ungleiche Verteilung

Anteil der Bevölkerung mit Zugang zu Trinkwasserversorgung, nach Ländereinkommen, 2020

Ein Problem ist, dass viele der Trinkwassernetze in den Industrieländern noch aus dem 19. Jahrhundert stammen, als die ersten öffentlichen sanitären Einrichtungen gebaut wurden. London beispielsweise nutzt noch immer das gigantische, von Joseph Bazalgette konzipierte Abwassersystem, das 1875 fertiggestellt wurde. Es ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst, aber es wird den Anforderungen der Metropole nicht mehr gerecht. Deshalb wird es 2025 durch den Thames Tideway Tunnel ergänzt, einen 25 Kilometer langen Kanal, der teilweise unter dem Fluss verläuft und sich von einem Ende Londons zum anderen erstreckt. 

Fakt ist, es sind Investitionen erforderlich, egal ob öffentliche oder private. Somit dürften sowohl die Investitionsausgaben als auch die Wasserrechnungen weltweit steigen.

Öffentlich oder privat?

20 Prozent der Weltbevölkerung werden von privaten Betreibern versorgt, die restlichen 80 Prozent entweder von staatlichen Wasserversorgern oder überhaupt nicht. Die enormen Defizite bei der Bereitstellung und Qualität deuten jedoch darauf hin, dass die öffentliche Hand möglicherweise nicht der beste Anbieter dieses lebensnotwendigen öffentlichen Gutes ist.

Zum einen müssen staatliche Anbieter über die richtige Anreizstruktur und ein Kontrollsystem verfügen, was nicht immer der Fall ist. In zu vielen Ländern, wie in Indonesien und Kenia, ist die Bereitstellung für die Wohlhabenden gut, aber für alle anderen unzureichend. Das betrifft aber nicht nur staatliche Versorger in Entwicklungsländern. Die Flint-Wasserkrise 2014 bis 2017 im US-Bundesstaat Michigan, während der bis zu 12.000 Kinder hohen Bleimengen im Wasser ausgesetzt waren, war dem Versagen des Wasserwirtschaftsamtes der Stadt Detroit geschuldet. Dort wollte die Stadtverwaltung Geld sparen, mit dem Ergebnis, dass die sozialen Kosten und die Sanierungskosten letztendlich sehr viel höher waren.  

Darüber hinaus verursachen staatliche Stellen durch Subventionen Verzerrungen und beeinträchtigen die Fähigkeit, Wasser angemessen zu bepreisen. Mit diesem Problem hat der US-Bundesstaat Kalifornien zu kämpfen, wo die wasserintensive Landwirtschaft in einer wüstenähnlichen Umgebung florierte, dank einem künstlich niedrig gehaltenen Wasserpreis – was wiederum größtenteils auf die Lobby-Macht des Sektors zurückzuführen ist.

Auch im Privatsektor gibt es Pannen, wie zuletzt im Vereinigten Königreich, wo die privatisierten Wasserunternehmen von England und Wales ins Visier der Behörden gerieten, weil die Abwasserkanäle überliefen und das Wasser Flüsse und öffentliche Strände verschmutzte. 

Differenzierung notwendig

Das Vereinigte Königreich ist ein besonders interessanter Vergleichsmaßstab für die öffentliche und private Bereitstellung von Wasserdienstleistungen. Jede ihrer Nationen – England, Schottland, Wales und Nordirland – verfolgt einen anderen Ansatz. 1989 wurden die zehn Wasser- und Abwasserunternehmen in England und Wales privatisiert. Die neun englischen Unternehmen sind ein Mix aus börsennotierten Unternehmen, die von Private-Equity-Unternehmen und Tochtergesellschaften internationaler Unternehmen gehalten werden. Welsh Water ist ein gemeinnütziges Privatunternehmen. Es ist weiterhin ein staatliches Monopol in Nordirland und Schottland. Insgesamt haben die privaten Unternehmen bessere Leistungen erbracht, mit weniger Leckagen, fortschrittlicherer Abwasseraufbereitung und höherer Trinkwasserqualität. 

 

Ihre Investitionen in Infrastruktur seit der Privatisierung sind proportional größer als in den 1970er- und 1980er-Jahren, als die Branche noch staatlich war. Zugleich ist der Betrieb effizienter geworden. Beispielsweise würde ein Haushalt, der monatlich 10 Kubikmeter Wasser verbraucht, 82,7 US-Dollar pro Monat in Glasgow (Scottish Water) zahlen, während es in London (Thames Water) 39,4 US-Dollar und in Cardiff (Welsh Water) 53,3 US-Dollar sind, hat die Plattform Global Water Intelligence berechnet. Wasser ist in Nordirland „kostenlos“, das heißt, es wird über die allgemeine Besteuerung bezahlt. 

Einige der jüngsten Skandale, bei denen es um überlaufende Abwasserkanäle ging, sind ans Licht gekommen, weil die Überwachung in Großbritannien strenger ist als in anderen europäischen Ländern, in denen zum Beispiel die Wasserqualität an den Stränden nach starken Regenfällen mitunter mehrere Tage nicht gemessen wird. Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass britische Wasserunternehmen für weniger als 30 Prozent der Flussverschmutzung verantwortlich sind – die Hauptverursacher sind die Landwirtschaft und die Industrie.

Einige Defizite haben jedoch mit regulatorischen Unzulänglichkeiten zu tun. Generell sind die Regierungen mittlerweile viel besser darin, öffentlich-private Partnerschaften in der Wasserversorgung zu schließen und zu entwickeln. Während vor 30 Jahren viele Verträge schlecht ausgearbeitet waren und dann im Zwist ad acta wurden, hat die öffentliche Hand seitdem viele Präzedenzfälle für Rahmenvereinbarungen geschaffen, um sicherzustellen, dass ihre Ziele zu geringeren Kosten erreicht werden, als dies als staatliches Unternehmen möglich wäre. Es gibt jedoch immer noch Bereiche, in denen die Regulierungsbehörden Probleme haben, zum Beispiel, dass sie nicht mit der Funktionsweise von Private-Equity-Unternehmen vertraut sind, wie im Fall von Thames Water.

Das Richtige tun

Regulierte Monopole können auch in Testumgebungen hervorragende Ergebnisse liefern. In Manila und Phnom Penh hat der Privatsektor eine universelle und zuverlässige Wasserversorgung mit relativ geringen Verlusten durch Leckagen und Diebstahl bereitgestellt – 11,6 Prozent in Manila und 8,5 Prozent in Phnom Penh im Vergleich zu fast 25 Prozent in London (Quellen: Manila Water, 2022, PPWSA, Geschäftsbericht 2022, Thameswater, 2023).

Viele Beteiligungsverträge des privaten Sektors haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten auf die Entwicklung von Wasser- und Abwasseraufbereitungsanlagen und -netzen konzentriert, wobei der Schwerpunkt der Kommunen auf dem kundenseitigen Service lag. Dadurch konnten die Kosten für die Entwicklung neuer Anlagen drastisch gesenkt werden, berichtet die Weltbank.

Grafik 2: Die Welt hat Durst

Süßwasserverbrauch nach aggregierter Region, in Milliarden Kubikmeter, 1901–2020

Aber in letzter Konsequenz sind kostendeckende Wasser- und Abwassertarife, egal ob öffentliche oder private, das bevorzugte Modell, weil sie nachhaltig sind – obwohl gezielt Subventionen  eingesetzt werden können, wenn es Probleme mit der Bezahlbarkeit gibt. Entscheidend ist, dass Investoren kontinuierlich mit Wasserunternehmen zusammenarbeiten, um die Umweltverschmutzung zu reduzieren und Anreizsysteme festzulegen, wodurch wiederum das ökologische und finanzielle Ergebnis verbessert wird.

Sauberes Wasser und sichere sanitäre Einrichtungen sind lebensnotwendig. Ihre Bereitstellung muss effizient und mit maximalem Nutzen gemanagt werden. Das bedeutet oft, dass Unternehmen aus dem Privatsektor einbezogen werden, wenn auch mit der entsprechenden regulatorischen Aufsicht. Außerdem müssen Expertise und Kapazität aufgebaut werden. Es gilt, die effektivsten Wege zu entwickeln, wie der öffentliche und der private Sektor zum Wohle aller zusammenarbeiten können.

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