Nach monatelangen Negativschlagzeilen ist nun bekannt geworden, dass sich das Insurtech Wefox eine Finanzierung in Höhe von insgesamt 151 Millionen Euro gesichert hat. Das hat das Unternehmen zum Wochenbeginn bekannt gegeben.
Die Finanzierung gliedert sich in zwei Komponenten: Eine Kapitalerhöhung von 76 Millionen Euro, die hauptsächlich von bestehenden Investoren getragen wurde, sowie eine Refinanzierung einer bestehenden Kreditlinie über 75 Millionen Euro durch den „Searchlight Opportunities Fund II“ des gleichnamigen Beteiligungsinvestors zusammen. Schon Ende 2024 hatte mehrere Medien davon berichtet, dass das angeschlagene Insurtech frisches Kapital erhalten soll.
Sanierung soll abgeschlossen sein
Wefox stellt die Maßnahme in einen Zusammenhang mit dem Abschluss der Restrukturierung des Unternehmens, die einer radikalen Schrumpfkur des einst mit über vier Milliarden Euro bewerteten Start-ups unter dem neuen Vorstandschef Joachim Müller gleichkam. Das Unternehmen beschränkt sich nur noch auf sogenannte Kernmärkte. Auch das Versicherungsgeschäft in Deutschland wurde längst abgewickelt.
Im Rahmen der Sanierung hatte das Unternehmen zuletzt seine Liechtensteiner Tochtergesellschaft und seine italienischen Gesellschaften verkauft. Mit dem neuen Geld sollen vor allem die Marktpositionen in Österreich, den Niederlanden und der Schweiz gestärkt und der internationale Ausbau der eigenen Vertriebsplattformen vorangetrieben werden. Wohl auch dank der Erlöse befindet sich das Unternehmen nach eigener Darstellung mittlerweile auf dem Weg zur Profitabilität für das Gesamtjahr 2025. Zahlen für 2024 sind weiterhin nicht bekannt. 2023 lag der Verlust noch bei dramatischen 141 Millionen Euro.
„Wir sind davon überzeugt, dass wir mit unserem attraktiven Angebot und unserem intelligenten, wenig kapitalintensiven Geschäftsmodell für unsere Kunden, Geschäftspartner und Investoren einen Mehrwert schaffen werden“, sagt Wefox-Chef Müller einer Unternehmensmitteilung zufolge.
Kapitalspritze gilt als Erfolg für Müller
Das „Handelsblatt“ bewertet in einem aktuellen Bericht die Finanzierungsrunde als großen Erfolg für Müller. Hätte der Ex-Allianz-Manager die Investoren nicht von einer neuen Finanzierungsrunde überzeugen könne, wäre ihm demnach „wohl nicht viel anderes übriggeblieben, als das strauchelnde Unternehmen abzuwickeln“.
Laut des Berichts haben vor allem die Beteiligungsinvestoren Target Global und Chrysalis nochmal kräftig Geld investiert und sich im Gegenzug Sonderrechte gesichert. Bestätigt wurde die Darstellung von beiden Unternehmen bisher nicht.
Teicke-Abgang endgültig bestätigt
Dafür bestätigte Wefox die Berichte der vergangenen Woche über den endgültigen Abgang des Gründers und gefallen Ex-Vorstandsvorsitzenden Julian Teicke aus dem Verwaltungsrat. Mit ihm verließen auch die Co-Gründer Fabian Wesemann und Dario Fazlic sowie Nikolaus Frei das Gremium der Wefox Holding. Dafür traten Prateek Puri, Partner bei Searchlight Capital Partners, und Müller dem Verwaltungsrat bei. Da Wefox eine Aktiengesellschaft nach Schweizer Recht ist, kann Müller als operativer Chef auch Mitglied in dem Gremium sein, das auch Kontrollfunktion wahrnimmt.
Wefox war tief gefallen
Wefox galt einst als Star unter den europäischen Insurtechs, sammelte über eine Milliarde Dollar an Kapital ein. Doch statt versprochener digitaler Innovationen wuchs Wefox vor allem durch den Zukauf von Maklervertrieben.
Nach dem Rücktritt von Teicke, der in einem Bericht des „Manager Magazin“ als Manipulator und Trickser bezeichnet worden war, übernahm zunächst der Brite Mark Hartigan das Ruder, und verkaufte etliche Firmenbestandteile, musste sich jedoch gegen Vorwürfe wehren, er wolle sich über einen Verkauf persönlich bereichern. Diese Phase war begleitet von einem offenen Streit unter den Investoren. Zeitweilig kursierten gar Gerüchte über eine drohende Insolvenz.

