Ob es das endgültige Ende wird sich zeigen: Doch die lange als Erfolgsgeschichte verkaufte Liaison von Julian Teicke und dem von ihm gegründeten Insurtech Wefox dürfte einen weiteren negativen Eintrag bekommen. Laut eines aktuellen Berichts des „Manager Magazin“ werden Teicke, Wesemann und Fazlic den Verwaltungsrat von Wefox verlassen.
Neue Investoren streichen Gremiumsitze
Die beiden mittlerweile bei Wefox bestimmenden Investoren Target Global und Chrysalis hätten den Gründern in einer Klausel der Gesellschaftervereinbarung etliche Sonderrechte gestrichen, einschließlich ihrer Gremiumsitze. Beide Fonds wollen laut des Berichts zusammen weitere 50 Millionen Euro investieren und sicheren sich dafür bereits umfassende Sonderrechte. „Bei künftigen Finanzierungsrunden läuft nichts mehr ohne die beiden“, heißt es weiter.
Als Quelle nennt das Manager Magazin „Insider“. Eine Anfrage von DAS INVESTMENT an Wefox, ob der Sachverhalt des Abgangs von Teicke und den Co-Gründern zutrifft, beantwortete eine Sprecher ausweichend. Er schrieb: „Über die neue Finanzierung und allenfalls damit verbundene Zusammenhänge werden wir informieren, wenn sie finalisiert ist.“ Dabei müsste die Entscheidung längst gefallen sein, da die Hauptversammlung von Wefox bereits Ende Juni stattfand. Allerdings drangen bisher keinerlei Ergebnisse nach außen.
Von 4,5 Milliarden auf 500 Millionen Euro
Parallel zum schleichenden Rückzug von Teicke, der 2024 als Vorstandsvorsitzender gehen musste, haben sich die Zahlen bei Wefox entwickelt. Während der einstige Branchenliebling bis Ende 2023 rund 1,5 Milliarden Dollar bei Investoren einsammelte und die Bewertung auf 4,5 Milliarden Dollar hochtrieb, wird Wefox laut „Manager Magazin“-Recherchen in einer aktuellen Finanzierungsrunde über 80 Millionen Euro nur noch mit 500 Millionen Euro bewertet – eine Abwertung um rund 90 Prozent. Schon 2023 stand ein Verlust nach Steuern von 141 Millionen Euro in den Büchern.
Millionen-Abfindung trotz Scheiterns?
Pikant: Die scheidenden Gründer könnten für ihren Abgang noch einmal belohnt werden. Während ihre hauptsächlich gehaltenen Stammaktien durch die Konstruktion der neuen Finanzierungsrunde „faktisch wertlos“ sind – sie würden erst bei einem Exit über eine Milliarde Euro greifen, der derzeit illusorisch erscheint – erhalten sie eine Kompensation. Ein Teil ihrer Alt-Anteile soll aufgewertet werden. Das „Manager Magazin“ rechnet vor: „Bei Verkaufserlösen von 500 Millionen Euro beispielsweise könnte jeder der Gründer demnach mit rund fünf Millionen Euro rechnen.“
Gescheiterte Putschversuche und Schrumpfkur
Nach seinem Abgang von der operativen Unternehmensspitze unternahm Teicke im vergangenen Jahr gemeinsam mit seinen Mitgründern einen letzten Versuch, seinen Nachfolger Mark Hartigan zu stürzen. Das Trio verschickte eine „Brandmail“ an die Anteilseigner und warnte eindringlich vor einer Wiederwahl Hartigans in den Verwaltungsrat. „Die Intervention verhallte“, wie das Manager Magazin schreibt.
Unter dem neuen Vorstandschef Joachim Müller, einem ehemaligen Allianz-Manager, schrumpft das Unternehmen seit Monaten kontinuierlich. Das Insurtech besteht inzwischen primär aus zwei kleineren Versicherungsfirmen in der Schweiz und in Österreich sowie einem auf Lebensversicherungen spezialisierten Assekuradeur in den Niederlanden, der den Hauptwert der Gruppe ausmacht, allerdings auch stark verschuldet sei.
Nachdem bereits das Deutschlandgeschäft aufgegeben worden war, verkaufte Müller weitere Geschäftsteile, zuletzt das Italien-Geschäft – allerdings zu einem Preis, der laut „Manager Magazin“ mit Verweis auf Investorenkreise „deutlich unter dem Kaufpreis“ lag. Teicke hatte einst rund 150 Millionen Euro dafür bezahlt. Wefox äußerte sich zu dem aktuellen Verkaufspreis nicht. Über die Finanzierungsrunde werde man informieren, wenn sie finalisiert ist, heißt es in dem Medienbericht.
CEO Müller könnte bei erfolgreichem Exit noch mehr kassieren
Bei alldem könnte auch Müller zum Profiteur der Wefox-Abwicklung werden. Das „Manager Magazin“ verweiset erneut auf „Insider“, die erwarten„, dass Müller versuchen könnte, die Reste mit dem deutschen Versicherungsdienstleister Konzept & Marketing zusammenzuspannen“. Den hatte Müller im vergangenen November parallel zu seinem Job bei Wefox gemeinsam mit dem Private-Equity-Investor Oakley Capital übernommen, wo er als nicht operativer Chairman agiert.
Sollte es ihm gelingen, Wefox so aufzustellen, dass die Investoren ihre Anteile mit einem ordentlichen Gewinn weiterverkaufen können, steht ihm laut des Berichts zusätzlich zu der bei einem Exit fälligen Managementbeteiligung ein Bonus in der Größenordnung von zehn Millionen Euro zu.
Das sollen die Pläne der Gründer sein
Und was wird aus Teicke? Er wolle sich wieder auf seine Investmentfirma „The Delta" in Berlin konzentrieren, während Fazlic bei einem Buchhaltungssoftware-Start-up namens „Nextesy" mitmische. Ex-Finanzchef Wesemann gründete bereits zusammen mit dem ehemaligen Wefox-Technikchef Sergi Baños ein neues Insurtech namens „Afori“, das sich auf künstliche Intelligenz für Versicherungsmakler fokussiert.
Mehrere Risikokapitalgeber, darunter der US-Fonds General Catalyst, investierten Millionensummen. Die Bewertung liege bereits über 20 Millionen Dollar – und das, „obwohl außer großen Plänen nicht viel existierte", schreibt das Manager Magazin und kommentiert spöttisch: „Wesemann schwebt – mal wieder – nichts weniger vor als die Disruption der globalen Versicherungsindustrie“ und zitiert auch einen angeblichen Weggefährten der Wefox-Macher mit folgenden Worten: „Kühne Visionen zu verkaufen, sei das Einzige, was bei Wefox lange Zeit geklappt habe.“


