Wegen Betrugsbeihilfe im S&K-Skandal

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Tüv Süd

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Der Tüv genießt in Deutschland einen guten Ruf. Ein Tüv-geprüpft-Siegel gilt vielen Menschen als unabhängige Bescheinigung für Güte und Seriosität. Doch dieses Image wird derzeit in Zweifel gezogen: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Mitarbeiter des Tüv Süd.

Die Tüv-Mitarbeiter hatten für eine Summe von 90.000 Euro eine Aufstellung über Immobilienkäufe und -verkäufe des Frankfurter Immobilienunternehmens S&K gemacht. Die betreffenden Immobilien hätten sie dabei nicht in Augenschein genommen, berichten die NDR-Formate „45 Minuten“ und „NDR Info“. S&K habe jedoch für seine Immobilienfonds mit einer Bescheinigung des Tüv Süd geworben und so viele Anleger gewinnen können.

Später stellte sich heraus: Die Immobilien der S&K-Anlagefonds haben einen sehr viel geringeren Wert, als den Anlegern vorgetäuscht wurde. Den mutmaßlichen Immobilienbetrügern der S&K-Gruppe wird vorgeworfen, ihren Anlegern Verluste von mindestens 240 Millionen Euro beschert zu haben. Das Unternehmen soll ein Schneeballsystem installiert und mit dem Geld der Anleger den aufwendigen Lebensstil der Firmengründer finanziert haben. 11.000 Direktanleger und eine unbekannte Zahl weiterer Investoren seien geschädigt worden. Im Januar wurde Anklage gegen S&K erhoben. Der Tüv Süd könnte an dem Betrug beteiligt gewesen sein, heißt es nun. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug vor. Obwohl eine Tüv-Sprecherin betont, dass ihre Mitarbeiter lediglich eine Aufstellung vorgenommen, jedoch kein TÜV-Zertifikat ausgegeben hätten, hält die Staatsanwaltschaft an ihrem Vorwurf fest: Die Mitarbeiter hätten ahnen müssen, dass S&K nicht umsonst eine Summe von 90.000 Euro für eine unbedeutende Arbeit zahlt.

Die Frankfurter Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu sagte dem NDR: „Wir gehen davon aus, dass das auch den Leuten vom TÜV bewusst war und dass sie zumindest in Kauf genommen haben, dass möglicherweise dieses Zahlenwerk nicht zutreffend ist beziehungsweise dann auch dazu dient, andere Leute zu schädigen.“

Anlegeranwalt Klaus Nieding wirft den Tüv-Mitarbeitern vor, dass sie die Seriosität der S&K-Gründer Stephan Schäfer und Jonas Köller hätten anzweifeln müssen: Die Firmengründer hätten rauschende Partys mit barbusigen Damen in Champagnergläsern, Schauspielerdoubeln und lebenden Elefanten gegeben. Diese protzige Selbstdarstellung sei in höchstem Maße verdächtig, sagte Nieding dem NDR.

Der Tüv hält nach internen Untersuchungen dagegen: Man habe sich rechtskonform verhalten. Vom betrügerischen Verhalten von S&K sei ihm nichts bekannt gewesen.



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