Wolfgang Juds, Geschäftsführer von Credo Vermögensmanagement in Nürnberg

Wolfgang Juds, Geschäftsführer von Credo Vermögensmanagement in Nürnberg

Wegen Krieg und Konjunktur

Short-ETFs als Absicherungsstrategie

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Die neue Berichtssaison hat gerade erst begonnen. Die Erwartungen der Anleger sind hoch – das zeigt die aktuelle Bewertung der meisten Aktienindices deutlich an. Doch es könnte zu Enttäuschungen kommen. Experten warnen die Anleger vor allzu viel Sorglosigkeit.

Eine Korrektur zur rechten Zeit

Die letze Woche hat hierfür ein warnendes Beispiel gegeben. Der Dax fiel in der vergangenen Woche immerhin um 3,4 Prozent. Keine überraschende Korrektur, das hat sich Umfeld sichtlich eingetrübt. Neben den bekannten geopolitischen Risiken in der Ukraine und im Irak sowie in Israel und im Gaza-Streifen haben sich die konjunkturellen Daten in der Eurozone zunehmend verschlechtert.

Die Industrieproduktion ist in einigen wichtigen Euroländern in den letzen Monaten bislang gefallen – was nicht nur an der Anzahl der Brückentage im Mai liegt. Die Erwartungen waren eindeutig höher. Nun stehen die Quartalszahlen für die Unternehmen für das 2. Quartal 2014 an. Auch hier sind die Erwartungen der Anleger hoch. Es könnte durchaus zu Enttäuschungen kommen, wenn die Gewinnerwartungen der Analysten nicht erfüllt werden.

Adidas – den vierten Stern zu Geld machen…

Ein gutes Beispiel für überzogene Erwartungen ist Adidas. Der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach konnte am Tag nach dem Gewinn des vierten Weltmeistertitels deutlich zulegen. Sportlich lief es hervorragend. Adidas hat sowohl die deutsche als auch die argentinische Nationalmannschaft ausgerüstet.

Adidas-Chef Herbert Hainer rechnet mit Trikots, Fußballschuhen und Fußbällen für 2014 mit einem Umsatz von rund 2 Milliarden Euro. Dennoch waren die Erwartungen im Vorfeld zu hoch. Die Aktie verlor in der Spitze zu Jahresbeginn um mehr als 20 Prozent - von 93,22 Euro auf 73,50 Euro. Anleger, die in die Adidas-Aktien vor der Fußball-WM investiert hatten, konnten in den letzten Monaten zumindest wirtschaftlich nicht von der Fußball-Story bei Adidas profitieren.

Short Dax-ETF zur Absicherung gegen fallende Aktienkurse…

Dieses aktuelle Beispiel zeigt, dass es in den nächsten Wochen einige negative Überraschungen geben könnte – denn die Erwartungen sind sehr hoch! Leider wissen wir nicht, welche Unternehmen sich besser oder schlechter als die Markterwartungen entwickeln werden.

Daher macht es durchaus Sinn, die Aktienquote vorübergehend zu reduzieren. Wer allerdings seine Bestände nicht verkaufen will, kann auch ein Short ETF auf den Dax erwerben, um bei fallenden Dax-Kursen zu profitieren. Da sich Dax und Short Dax grundsätzlich gegenläufig entwickeln, lässt sich auf diese Weise die Aktienquote im Depot synthetisch reduzieren.

Allerdings sollten Anleger die Besonderheiten der Konstruktion des zugrunde liegenden Short-Index berücksichtigen. Wer es sportlicher mag, kann auch zu einem gehebelten Double Short ETF greifen. Allerdings kann das entsprechend des Hebels auch in die andre Richtung gehen und die Verluste können sich verdoppeln.  Für den konservativen Anleger bietet sich ein Short Dax-ETF zur Absicherung und Reduzierung der Aktienquote in der jetzigen Marktphase durchaus an.

…und Short Renten ETF bei steigenden Zinsen!

Aktuell ist noch nicht mit steigenden Zinsen in der Euro-Zone zu rechnen. Allerdings kann sich das ändern, wenn es in den USA zu einem Zinsanstieg bei den langlaufenden US-Treasuries kommen sollte. Diese Entwicklung könnte durchaus zu empfindlichen Kursverlusten am Rentenmarkt führen, weil die Kupons inzwischen stark gefallen sind und nicht mehr als „Puffer“ gegen mögliche Kursverluste dienen können.

Der Einsatz von Short Renten ETFs zum Beispiel auf den Bund Future könnte vorübergehend Abhilfe schaffen. Noch ist es dafür zu früh – aber es gilt die Entwicklung im Blick zu haben. In den USA wird im nächsten Jahr mit ersten Zinserhöhungen gerechnet. Wenn die Wirtschaft in Amerika besser läuft als gedacht, können die Renditen bei langlaufenden Anleihen früher steigen als von den Experten erwartet. Dieser aus Anlegersicht ungünstigen Entwicklung  kann man mit einem dosierten Einsatz der Short ETF auf den Bund Future erfolgreich entgegen wirken.

Mein Fazit:

Short ETFs können in bestimmten Marktphasen sinnvolle Bausteine im Portfolio-Management zur vorübergehenden Depotabsicherung sein, wenn Anleger die Besonderheiten der Konstruktion der zugrunde liegenden Indices berücksichtigen. Allerdings sollte immer der Risikogehalt des gesamten Depots sowohl auf der Aktienseite als auch auf der Rentenseite gemessen werden. Wenn die Risiken bekannt sind, lassen sie sich auch professionell managen -  denn „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste!“

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