Die meisten Sparenden in Deutschland gehen von weiter steigenden Preisen und Zinsen aus, wie eine aktuelle Studie von Union Investment zeigt. Viele der Befragten beschäftigen sich daher mit der eigenen Geldanlage und ziehen auch Konsequenzen, sagt etwa Kerstin Knoefel, Leiterin des Privatkunden-Bereichs bei Union Investment: „Dies ist in der aktuellen Situation auch dringend nötig, denn der Anteil an zinsbasierten Geldanlageformen am Gesamtvermögen ist 2022 weiter gestiegen.“ Damit habe sich der Kaufkraftverlust aus Zinsprodukten durch den negativen Realzins innerhalb eines Jahres von 106 Milliarden Euro auf 324 Milliarden Euro in die Höhe geschraubt.

 

 

 

„Mit Blick auf die aktuelle Inflationsrate sollten Sparerinnen und Sparer auf jeden Fall ihre Geldanlagen unter die Lupe nehmen, denn der Kaufkraftverlust aufgrund des negativen Realzinses ist enorm“, so Knoefel weiter.

Zinsbasierte Geldanlagen sorgen für Kaufkraftverlust

Eine Auswertung von Bundesbankdaten zeigt laut Knoefel, dass einerseits das Gesamtfinanzvermögen 2022 zum ersten Mal seit 2008 auf 7.254 Milliarden Euro  schrumpfte, und zwar um 364 Milliarden Euro. 

 

Andererseits blieb auch das Zinssparen 2022 weiterhin beliebt: Sowohl die Bargeldbestände mit plus 45 Milliarden Euro, als auch die Sichteinlagen mit plus 48 Milliarden Euro und die Spareinlagen plus 17 Milliarden Euro nahmen stark zu. Bemerkenswert dabei sei insbesondere, dass 94 Prozent der Sparleistung auf den Zuwachs in Bankeinlagen und Bargeld, nicht auf Verzinsung zurückgeht. 

 

Die Realverzinsung von Sichteinlagen sowie Termin- und Spareinlagen lag im Jahresmittel wertgewichtet bei minus 7,1 Prozent. Der kollektive Kaufkraftverlust aus Zinsprodukten einschließlich kapitalbildender Versicherungsprodukte verdreifachte sich daher im Vergleich zu 2021 von 106 Milliarden Euro auf 324 Milliarden Euro. 

 

 

 

 

Die meisten Menschen rechnen mit steigenden Preise und Zinsen

Die Anzahl der Befragten, die weiterhin mit steigenden Preisen rechnen, bleibt der Erhebung zufolge konstant: Nahezu acht von zehn (79 Prozent) erwarten eine weiter kräftige Inflation, genauso viele wie im Vorquartal. Von einer konstanten Preisentwicklung gehen 13 Prozent aus, von fallenden Preisen sieben Prozent. Dabei orientieren sich mit 90 Prozent die meisten vor allem an dem, was sie bei ihren regelmäßigen Einkäufen bezahlen müssen.

Weitere Ergebnisse der Union-Studie: Angesichts der aktuellen Lage machen sich 78 Prozent der Befragten Sorgen um ihr Erspartes). Mit Blick auf die Erwartungen und die Sorgen der Befragten ist es nur logisch, dass sie sich mit der eigene Geldanlage beschäftigen: Mehr als die Hälfte aller Befragten hat sich im letzten halben Jahr darüber informiert, ob es Geldanlagen mit höheren Ertragschancen gibt, die für sie in Frage kommen (55 Prozent). Dies ist der höchste Wert seit 2016, als diese Frage im Rahmen des Anlegerbarometers zum ersten Mal gestellt wurde. 

Sparerinnen und Sparer auf der Suche nach Ertragschancen

Aufgrund der selbst wahrgenommenen Teuerung steigt der Anteil der Menschen, die ihre Geldanlage häufiger überprüfen auf 26 Prozent. Im zweiten zweiten Quartal 2022 waren es 19 Prozent. Rund 70 Prozent allerdings stellen die eigene Geldanlage jedoch nicht öfter auf den Prüfstand als bisher. Und gut die Hälfte will bei der Geldanlage alles so belassen, wie es ist. Ein Viertel (25 Prozent) gibt an, Umschichtungen vornehmen zu wollen.