Andrea Iannelli (Gastautorin)Lesedauer: 4 Minuten

Wegen Regierungskrise Italiens Anleihen geraten unter Druck

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Die politische Lage hat die Kursschwankungen an den Märkten erhöht. Vor allem italienische Staatsanleihen stehen nach Wochen mit starker Kursentwicklung nun erneut unter Abgabedruck. Innerhalb eines Tages weitete sich der Spread auf 230 Basispunkte. Die gemäßigte Haltung der EZB und die von ihr in Aussicht gestellte Neuauflage des quantitativen Lockerungsprogramms hatten die Sorgen über die italienische Politik vorübergehend gedämpft. Mit der von der EZB ausgelösten Suche der Anleger nach höheren Renditen war der Risikoaufschlag zehnjähriger italienischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen Mitte Juli auf unter 200 Basispunkte gefallen.

Schon seit Monaten sind wir vorsichtig gegenüber Italien-Anleihen, da aus unserer Sicht eine plötzliche Rückkehr des politischen Risikos nicht auszuschließen war. Nun zeigt sich, dass unsere Sorge nicht unbegründet war. Italienische Staatspapiere werden wohl solange unter Druck bleiben, bis mehr Klarheit über die neue Regierung und den Haushalt herrscht. Die politischen Ereignisse im Herbst werden mit der Bekanntgabe weiterer Lockerungsmaßnahmen der EZB, einschließlich unterstützender Anleihekäufe, zusammenfallen. Allerdings ist ein neues quantitatives Lockerungspaket bereits weitgehend in den Kursen eingepreist. Das lässt Raum für Enttäuschung, wenn das Volumen hinter den Erwartungen zurückbleibt. Anleihekäufe sind zudem kein Allheilmittel gegen länderspezifische Risiken: Als der Risikoaufschlag italienischer Anleihen gegenüber Bundesanleihen 2018 um über 200 Basispunkte stieg, war das quantitative Lockerungsprogramm der EZB noch in vollem Gange.

Andererseits könnten italienische Anleihen nun, da die meisten Staatsanleihen in Europa negative Renditen abwerfen, für Anleger auf der Suche nach Rendite attraktiv werden – sofern der Preis stimmt. Verglichen mit früheren Episoden werden die Kursabschläge bei italienischen Bonds dieses Mal womöglich geringer ausfallen. Und sollten sich die Spreads stärker weiten als von uns erwartet, würden wir unsere Untergewichtung verringern. Was Unternehmensanleihen anbelangt, besteht nach wie vor eine enge Verbindung zwischen Staat und Banken. Letztere halten in erheblichem Umfang Papiere des italienischen Staates in ihren Bilanzen.

Italienische Banken trennen sich von Staatsanleihen

Auf schlechte Entwicklungen bei Staatsanleihen reagieren ihre eigenen Bonds deswegen entsprechend empfindlich. Weitere Spreads von Staatsanleihen haben für die Kapitalposition italienischer Banken heute jedoch weniger gravierende Folgen. Der Grund: Die beiden größten Kredithäuser haben ihre Bestände an Italien-Anleihen deutlich verringert. Zudem haben sie Positionen in das Portfolio mit Halteabsicht verschoben, dessen Bestände nicht zu Marktpreisen bewertet werden. Auf diese Weise ist es ihnen gelungen, die Sensitivität ihrer Kernkapitalquoten zu verringern. Darüber hinaus haben Italiens Top-Banken im vergangenen Jahr einen erheblichen Teil ihres notleidenden Kreditbestands ausgelagert und damit die Risiken weiter reduziert.

Seit Jahresbeginn haben wir unser Engagement bei italienischen Unternehmensanleihen und allen voran bei Finanzpapieren deutlich zurückgefahren. Grund sind die insgesamt hohen Bewertungen. Gleichzeitig verfügen die nationalen Banken-Champions über eine solide Kapitalausstattung. Weitere Schwächephasen werden wir daher nutzen, um unser Engagement aufzustocken. Insgesamt hat eine übertrieben vorsichtige Positionierung kaum Vorteile für Anleger. Wir gehen von einer Flut populistischer Botschaften der führenden Parteien im Wahlkampf aus, darunter auch Kampfansagen an die EU im Haushaltsstreit. Sobald sich die Aufregung gelegt hat, wird sich Italiens Regierung jedoch vermutlich mäßigen und einen Kompromiss präsentieren.

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