Das Weiterbildungsengagement der Mitarbeiter der Versicherungswirtschaft bleibt unverändert hoch. Das ist ein Ergebnis der aktuellen Weiterbildungsumfrage des Arbeitgeberverbands der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV) und des Berufsbildungswerks der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV). Diese fand bereits im Frühjahr 2025 unter 44 Unternehmen der Branche statt. Der Repräsentationsgrad der Erhebung liegt laut der Autoren bei 81 Prozent.
89 Prozent (Vorjahr 88 Prozent) der Innendienst-Mitarbeiter haben 2024 von Weiterbildungsangeboten Gebrauch gemacht und dafür erneut im Mittel jeweils 3,1 Kalendertage investiert. 2018 lagen die Werte noch bei 71 Prozent und 2,1 Tagen.
Persönliche Gespräche vor analytischen Methoden
Die individuellen Weiterbildungsbedarfe werden vor allem im direkten Gespräch mit den Mitarbeitern (93 Prozent) beziehungsweise durch Befragung der Führungskräfte ermittelt (86 Prozent der Angaben). Auch die Analyse der Unternehmensstrategie und zukünftiger Herausforderungen mit 77 Prozent ist eine häufig gewählte Methode, um Weiterbildungsbedarfe zu identifizieren. Bemerkenswert: KI-gestützte Prognosetools für zukünftige Kompetenzbedarfe werden überhaupt nicht verwandt.
Kosten und Erfolgsmessung von Weiterbildung
Die für Weiterbildung geplanten Ausgaben in den Unternehmen orientieren sich stark
am Vorjahresbudget (88 Prozent) und an den strategischen Zielen (74 Prozent). Aber auch andere Faktoren wie abteilungsspezifische Anforderungen (67 Prozent) oder
gesetzliche Anforderungen oder Compliance-Vorgaben (63 Prozent) sind bei der Budgetermittlung von Maßnahmen wichtig. Die individuellen Mitarbeiterbedarfe liegen indes nur bei 56 Prozent.
Gemessen wird der Erfolg von Weiterbildungsmaßnahmen bevorzugt mit Feedbackbögen. 66 Prozent geben an, dass die Bedeutung dieses Messinstruments bei der Evaluation von Weiterbildungen hoch ist. Bei interaktiven Tools sind es 47 Prozent. Am häufigsten zum Einsatz kommen aber persönliche Befragungen und Interviews. Allerdings wird deren Bedeutung nur von 31 Prozent als hoch eingeschätzt. Noch fast bedeutungslos sind KI-gestützte Analysetools. Sie werden nur von 5 Prozent häufig genutzt und von 71 Prozent der befragten Unternehmen gar nicht.
Online-Schulungen knapp vor Präsenzveranstaltungen
Was die Weiterbildungsformate angeht, stehen Online-Schulungen an erster Stelle. Sie werden von 84 Prozent häufig eingesetzt. Es folgen Präsenzseminare mit 79 Prozent. Auch Workshops und Selbstlernprogramme kommen stark zum Einsatz in den Unternehmen der Branche.
Bei der Frage nach den Grundlagen für die Förderung von Weiterbildungsabschlüssen stehen individuelle Regelungen mit den Mitarbeitern (86 Prozent der Angaben) und Karriereentwicklungspläne (58 Prozent) an der Spitze. Die geringste Rolle spielen mit 35 Prozent Betriebsvereinbarungen.
In puncto Durchführung und Gestaltung stehen solche Maßnahmen besonders hoch im Kurs, die flexibel anpassbar und in den Arbeitsalltag integrierbar sind, so die Studienautoren.
„Ein wirksames Controlling bildet die Grundlage für bedarfsgerechte und passgenaue Weiterbildung in den Unternehmen. Harte Fakten sind dabei das eine, doch ebenso unverzichtbar ist der Blick auf den einzelnen Mitarbeiter beziehungsweise die Mitarbeiterin und genau darauf legt die Versicherungswirtschaft Wert“, sagt Wolfgang Roth, Mitglied der Geschäftsleitung im BWV Bildungsverband.

