Die Techniker Krankenkasse ist laut einer aktuellen Stern- und Statista-Studie der beliebteste Arbeitgeber Deutschlands. Mit 85,38 von 100 möglichen Punkten verdrängte die gesetzliche Krankenkasse, die im Vorjahr lediglich auf Platz 14 rangierte, die Drogeriekette DM vom Spitzenplatz.
Für die zum siebten Mal veröffentlichte Untersuchung befragten Stern und das Statistikportal Statista rund 20.000 Beschäftigte. Insgesamt flossen über eine Million Einzelurteile in die Bewertung von 2.600 Unternehmen aus 24 Branchen ein. In das Ranking aufgenommen wurden die 650 am höchsten bewerteten Arbeitgeber.
Weiterempfehlungsbereitschaft als Hauptkriterium
Die Befragten bewerteten ihren eigenen Arbeitgeber sowie weitere Unternehmen ihrer Branche anhand von über 50 Themen, die sieben übergeordneten Kategorien zugeordnet wurden: Belastung und Balance, Nachhaltigkeit, Bedingungen und Ausstattung, Image und Wachstum, Miteinander und Vorgesetztenverhalten, Weiterentwicklung und Perspektiven sowie Bezahlung.
„Die Bereitschaft zur Weiterempfehlung ist für Marktforscher die härteste Währung, auch wenn es um Arbeitgeber geht“, begründet Hubertus Bitting, Chief Commercial Officer (CCO) von Statista, die starke Gewichtung dieses Kriteriums. Die Teilnehmer gaben auf einer Skala von null bis zehn an, wie wahrscheinlich sie ihren Arbeitgeber weiterempfehlen würden. Um in die Wertung zu gelangen, musste ein Unternehmen mindestens 100 Einzelurteile sammeln. Bewertet wurden ausschließlich Unternehmen mit mindestens 500 Beschäftigten in Deutschland.
Für die Techniker Krankenkasse waren laut Statista-Analyse vor allem drei Faktoren entscheidend: die Bezahlung mit einem guten Haustarifvertrag und 35,5-Stunden-Woche, die Arbeitsbedingungen mit flexiblen Homeoffice-Regelungen auch nach der Pandemie sowie Image und Wachstum. Mit über zwölf Millionen Versicherten ist sie die größte Krankenkasse Deutschlands.
Google und Microsoft auf den Plätzen zwei und drei
Auf den zweiten Rang schaffte es Google Germany mit 85,00 Punkten, gefolgt von Microsoft Deutschland mit 83,43 Punkten. Beide Tech-Konzerne verbesserten sich deutlich gegenüber dem Vorjahr – Microsoft sprang von Rang 28 auf den dritten Platz. Der Sportartikelhersteller Adidas liegt auf Rang vier, das Luftfahrtunternehmen Airbus auf Rang fünf. Die Autoindustrie, die bisher immer unter den Top 10 vertreten war, verschlechterte sich deutlich. BMW erreichte mit Rang 14 noch die beste Platzierung unter den Autoherstellern, im Vorjahr lag das Unternehmen noch auf Platz 4.
Im Ranking der Versicherungsarbeitgeber haben es neben der TK und acht weiteren GKV-Anbietern auch 24 private Versicherer in die Liste der 650 Top-Arbeitgeber geschafft. Welche zehn dabei am besten abgeschnitten haben, erfahren Sie in unserer Bildstrecke.
Zwei Studien, unterschiedliche Ergebnisse
Die Stern- und Statista-Studie ist nicht die einzige Untersuchung zu Versicherungsarbeitgebern, die Anfang 2026 erschienen ist. Vor einigen Wochen zeichnete das Top Employers Institute acht Versicherungsunternehmen als Top-Arbeitgeber aus: DVAG-Servicegesellschaft Atlas, die Bayerische, Generali, Helvetia Baloise, Nürnberger Versicherung, R+V Allgemeine Versicherung, VHV Gruppe und W&W-Gruppe. Die Nennung erfolgte dabei in alphabetischer Reihenfolge und nicht als Ranking.
Ein direkter Vergleich der beiden aktuellen Studien zeigt deutliche Unterschiede. Von den acht vom Top Employers Institute ausgezeichneten Versicherern finden sich nur drei in der Stern- und Statista-Liste der Top 15 wieder. Umgekehrt fehlen viele der in der Stern- und Statista-Studie gut platzierten Versicherer beim Top Employers Institute.
Die Methodenunterschiede erklären die divergierenden Resultate: Während Stern und Statista auf eine repräsentative Befragung von 20.000 Beschäftigten setzen, die sowohl den eigenen Arbeitgeber als auch Branchenkollegen bewerten, basiert die „Top Employers“-Auszeichnung auf einem kostenpflichtigen Zertifizierungsverfahren. Unternehmen müssen sich aktiv bewerben und in einem vierstufigen Prozess ihre Kompetenz in sechs Bereichen nachweisen: Personalstrategie, Arbeitsumfeld, Mitarbeitersuche, Weiterbildung, Vielfalt und Inklusion sowie Wohlbefinden. So dürften sich viele der in der aktuellen Studie ausgezeichneten Arbeitgeber gar nicht für das Zertifizierungsverfahren von Top Employers Institute beworben haben.
Focus, Kununu und Servicevalue: Die Studienflut 2025
Auch 2025 veröffentlichten verschiedene Institute mehrere Arbeitgeber-Untersuchungen mit teils stark abweichenden Ergebnissen. In der Focus-Business-Studie mit dem Research-Unternehmen Factfield, die Anfang Dezember 2025 erschien, landeten mit Zurich auf Platz 8 und der SV Sparkassenversicherung auf Platz 10 der deutschen Gesamtwertung zwei Versicherer unter den zehn besten Arbeitgebern Deutschlands.
Das Marktforschungsunternehmen Servicevalue veröffentlichte 2025 sogar mehrere Studien mit abweichenden Schwerpunkten und Ergebnissen. In der Februar-Studie „Top Employer for Talent Growth 2025“ führte die Allianz das Versicherer-Ranking an. Die Untersuchung bewertete Karrieremöglichkeiten, individuelle Entwicklung, Arbeitgeberqualität, Einstiegschancen und Vergütung, wobei „Karriere“ und „Individualität“ mit jeweils 35 Prozent besonders stark gewichtet wurden.
Im Herbst folgte die Servicevalue-Studie „Top Karrierechancen 2025“, die mittels KI-gestütztem Webmonitoring die Themen Karriere, Unternehmenskultur und Arbeitsklima analysierte. Dort führte die Provinzial mit 100 Punkten, während die Allianz nur auf Platz zwölf landete – ein deutlicher Unterschied zur Februar-Erhebung desselben Instituts. Im Juli 2025 analysierte Servicevalue in Kooperation mit dem F.A.Z. Institut mehrere hundert Millionen öffentliche deutsche Internetquellen, um zu ermitteln, welche Unternehmen in der öffentlichen Wahrnehmung als besonders begehrte Arbeitgeber gelten. Die „Arbeitgeber-Performance“ wurde mit 50 Prozent besonders stark gewichtet.
Im Kununu-Ranking „Most Wanted Employer 2025“ in Zusammenarbeit mit der Zeit-Verlagsgruppe zeigte sich, dass Versicherungsmakler in Sachen Mitarbeiterzufriedenheit mit großen Versicherungskonzernen mithalten können. Die Büchnerbarella Holding – ein Gewerbe- und Industriemakler – führte mit einem Score von 4,69 von 5 möglichen Punkten. Der Sieger der aktuellen Stern- und Statista-Studie schaffte es bei Kununu auf Rang 3.
Unterschiedliche Erhebungsmethoden
Die verschiedenen Studien kommen zu stark unterschiedlichen Ergebnissen, was vor allem an den unterschiedlichen Erhebungsmethoden liegt. Während Stern und Statista auf eine Kombination aus direkter Mitarbeiterbefragung mittels Online-Panels und Branchenbewertungen setzen, verwendet das Marktforschungsunternehmen Servicevalue je nach Studie entweder Bevölkerungsumfragen oder automatisiertes Webmonitoring.
Kununu wiederum stützt sich ausschließlich auf Mitarbeiterbewertungen auf der eigenen Online-Plattform. Focus-Business und Factfield dagegen kombinieren direkte Mitarbeiterbefragungen mit bereits vorhandenen Online-Bewertungen von Plattformen wie Google, Stepstone, Indeed und Glassdoor.
Hauptsitz: Stuttgart
Score: 71,32
