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KI-Boom Welche Fondsmanager vom Hype um Nvidia besonders profitieren

Chiphersteller Nvidia
Chiphersteller Nvidia: Das amerikanische Unternehmen macht immer bessere Geschäfte und profitiert vom Boom um künstliche Intelligenz. | Foto: Sven Stoll mit Canva

Nvidia hat die Börse wieder einmal verblüfft. Obwohl der Markt die Messlatte für das Unternehmen, dessen Kurs sich seit Jahresbeginn mehr als verdreifacht hat, bereits hochgelegt hatte, hat Nvidia erneut geliefert. Die jüngsten Quartalszahlen fielen fantastisch aus und übertrafen die Erwartungen bei weitem. Angetrieben vom Geschäft mit künstlicher Intelligenz wurden die durchschnittlichen Umsatzerwartungen um 22 Prozent und die Gewinnerwartungen um 30 Prozent übertroffen. Der Umsatz von Nvidia verdoppelte sich im zweiten Quartal des Geschäftsjahres auf 13,5 Milliarden Dollar. Besonders beeindruckend ist der enorme Anstieg des Gewinns von 656 Millionen auf 6,2 Milliarden Dollar.

Nvidia übertrifft Erwartungen: Die Bären sind chancenlos

Im Anschluss an die Veröffentlichung der Zahlen stieg der Kurs der Aktie im nachbörslichen Handel zeitweise um mehr als 8 Prozent und erreichte mit über 500 Dollar ein neues Allzeithoch. Ende Mai hat das Unternehmen zum ersten Mal die Schwelle von einer Billion Dollar an der Börse überschritten - ein Meilenstein, der bisher noch von keinem anderen Halbleiteranbieter erreicht wurde. Derzeit beläuft sich die Marktkapitalisierung auf rund 1,2 Billionen Dollar. „Der Börsenhighflyer des Jahres hat nicht nur geliefert, er hat die Erwartungen des Marktes förmlich pulverisiert und die im August am Aktienmarkt hervorgekrochenen Bären ziemlich alt aussehen lassen“, sagte Jürgen Molnar, Kapitalanlagestratege von Robo Markets zu Reuters.

 

Für das kommende Quartal zeigt sich Nvidia optimistisch. Das Unternehmen rechnet mit einem Umsatz von 16,0 Milliarden US-Dollar, was einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahreswert entspricht. Fast genau so viel hatte das Unternehmen im gesamten Geschäftsjahr, das Ende Januar 2021 zu Ende ging, umgesetzt. Analysten hatten im Schnitt mit 12,6 Milliarden Dollar gerechnet.

Die Grafikchips von Nvidia waren lange Zeit vor allem in der Gaming-Industrie und bei einigen Kryptominern gefragt. Dort kannte und schätzte man die Firma. Außerhalb dieses Umfeldes wunderte man sich über die exorbitant hohe Bewertung des Unternehmens. Nvidia profitierte jedoch von der Aufbruchstimmung in der KI-Technologiebranche seit der Einführung des von Open AI entwickelten Sprachmodells Chat GPT. Die leistungsfähigen Chips des Unternehmens, die parallel rechnen können, eignen sich besonders für solch anspruchsvolle KI-Anwendungen.

Cathie Wood's Nvidia-Dilemma: Zu früh verkauft 

Obwohl die amerikanische Tech-Investorin Cathie Wood ein großer Fan von künstlicher Intelligenz ist, hat sie sich - im Nachhinein betrachtet - viel zu früh von ihrer Nvidia-Position getrennt. Die Aktie war der Managerin von Ark Invest schlicht zu teuer. „Es gab viele Leute, die sich darüber aufgeregt haben, dass unser Flaggschiff-Fonds die Aktie nicht mehr hält. Für diejenigen, die denken, dass wir nie auf die Bewertung achten: Es war die Börsenbewertung, die uns dazu gebracht hat, die Aktie zu verkaufen“, sagte Wood vor einigen Monaten in einem Interview mit der amerikanischen Zeitschrift Barrons. Natürlich ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von derzeit 260 extrem teuer. Auf Basis der erwarteten Gewinne für die kommenden zwölf Monate liegt das KGV aber nur bei 34, rechnet der Datenanbieter Bloomberg vor. Wood hielt im Oktober 2022 noch rund 750.000 Aktien des Chipriesen im Ark Innovation ETF, reduzierte die Position aber sukzessive und trennte sich im Januar komplett von Nvidia.

Nvidia als Langzeitinvestment: Baillie Gifford setzt auf Wachstum und Innovation

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Bei anderen Fondsmanagern steht die Aktie aber nach wie vor hoch im Kurs. „Die Zeiten, in denen Nvidia den Markt für KI-Chips monopolisiert hat, sind vorbei. Aber das Unternehmen hat das Potenzial, sich seinen Anteil an den Chancen zu sichern, indem es seine Größe, Vision und Innovationskultur nutzt und auf die Bedürfnisse der Entwickler eingeht”, sagt Stewart Heggie, Investmentspezialist und Partner bei Baillie Gifford. Die von Nvidia adressierten Märkte seien von unschätzbarem Wert und Nvidia entwickele sich zu einem systemrelevanten Unternehmen.

Die schottische Gesellschaft Baillie Gifford investierte in der Vergangenheit meist in einer sehr frühen Phase in Unternehmen wie Nvidia, Amazon oder Tesla und bleibt den Aktien auch in stürmischen Zeiten treu. Ihr Ziel ist es, Wachstumsstorys möglichst von Anfang an zu erkennen, bevor eine Entwicklung an Fahrt gewinnt. So sind die Schotten bei Tesla bereits 2013 eingestiegen. Bis 2020 hat sich die Aktie verzehnfacht. Statt zu verkaufen, hielten sie der Aktie die Treue, die danach noch einmal um rund 900 Prozent zulegte. „Mit Aktien, bei denen wir richtig liegen, verdienen wir ein Vielfaches dessen, was wir mit Titeln verlieren, bei denen wir falsch liegen“, sagt Tom Slater, Leiter des US-Aktien-Teams, im Gespräch mit Börse Online.

Aktuell ist Nvidia mit einem Anteil von 8,4 Prozent der größte Wert im Portfolio des Baillie Gifford Long Term Global Growth, der seit Jahresbeginn fast 20 Prozent zugelegt hat, über drei Jahre aber ein Minus von 11,5 Prozent aufweist. „Fortschritt entsteht nicht über Nacht. Man muss in der Lage sein, diese Höhen und Tiefen durchzustehen“, sagt Stewart Hogg, Anlagespezialist bei der Gesellschaft. Dass sich die Geduld für die Anleger bisher ausgezahlt hat, zeigt ein Blick auf die längerfristige Entwicklung des Fonds. Seit Anfang 2017 liegt er mit einem Plus von 161 Prozent rund 66 Prozent vor dem MSCI World und mehr als 100 Prozentpunkte vor dem FWW-Sektordurchschnitt der globalen Aktienfonds.

Coiq Collective Intelligence: Coiq.Capital nutzt das Wissen der Crowd auf seiner Anlegerplattform

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt Coiq.Capital aus Essen. Die Gesellschaft setzt quasi auf ein tierisches Prinzip: die Schwarmintelligenz. Gründer Johannes Thomas und seine Mitstreiter betreiben die Anlegerplattform informunity.de mit über 50.000 Teilnehmern und investieren mit ihrem Fonds, dem Coiq Collective Intelligence, in die 100 Aktien, die von den erfolgreichsten Investoren am höchsten gewichtet werden. Auf Basis der wöchentlichen Schlusskurse werden die Depots neu bewertet. Ein Scoring-Modell bringt Risiko und Performance in ein ausgewogenes Verhältnis.

„Das dem Fonds zugrunde liegende Top-Investor-Portfolio hat seit Jahresbeginn per Ende Juli eine Rendite von 27 Prozent erzielt und damit den Gesamtmarkt deutlich geschlagen“, sagt Balthasar Becker von Coiq.Capital. Die Gewichtung der Wachstumswerte liege derzeit bei 63 Prozent, das Portfolio sei damit chancenorientiert aufgestellt. In den vergangenen zehn Jahren habe das dem Fonds zugrunde liegende Portfolio eine jährliche Rendite von 15,6 Prozent erzielt und damit rund 5,5 Prozent besser abgeschnitten als ein vergleichbarer All-Country-World-ETF, so Becker.

Die mit Abstand beliebteste Aktie in der Community ist momentan Nvidia. Die Gewichtung im Fonds liegt derzeit bei 10,33 Prozent, vor Apple mit 8,28 Prozent und Tesla mit 7,12 Prozent. Aus Ländersicht kommen die meisten Aktien mit einer Gewichtung von 67 Prozent aus den USA. Nicht zu übersehen ist allerdings der Home Bias der Community-Akteure. Immerhin knapp 20 Prozent der Aktien stammen aus Deutschland. Die am stärksten gewichtete deutsche Aktie ist Rheinmetall (2,8 Prozent). Der Startzeitpunkt des Fonds war mit Anfang Februar 2022 nicht der beste. Seitdem liegt das Produkt der Essener 8 Prozent hinter dem MSCI World. 

 

Um Anleger vor unkalkulierbaren Risiken bei der Geldanlage zu schützen, dürfen aktiv gemanagte Ucits-Fonds maximal 10 Prozent des Fondsvermögens in Wertpapiere eines Emittenten investieren. Anders sieht es bei ETFs aus, die einen Index abbilden. Hier kann die Gewichtung einzelner Aktien deutlich höher sein. So bestimmt Nvidia in speziellen Halbleiter-ETFs wie dem Amundi MSCI Semiconductor ESG Filtered ETF mit einer Gewichtung von über 27 Prozent maßgeblich die Entwicklung des Indexfonds. Im Amundi S&P Global Information Technology ESG ETF sind es rund 13 Prozent.

In welchen aktiv gemanagten Fonds die Nvidia-Aktie prominent vertreten ist, zeigt die folgende Klickstrecke, beginnend mit der höchsten Gewichtung. Die Daten stammen direkt von den Webseiten der Anbieter und können von den FWW-Daten abweichen.

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