Die Zahl der Online-Abschlüsse im Versicherungsvertrieb steigt weiterhin nur langsam. Das zeigt eine aktuelle Sonderabfrage des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). In die Auswertung flossen 44 Rückmeldungen „aus den Vertriebsgremien“ ein. Wie groß die Marktabdeckung durch teilnehmende GDV-Mitgliedsunternehmen und wie aussagekräftig die Befragung damit ist, bleibt unklar.

Online-Vertrieb wächst langsam, aber stetig

Insgesamt betrug der Anteil der digital abgeschlossenen Privatkunden-Policen im Neugeschäft 16,3 Prozent. Im Jahr zuvor waren es noch 15,1 Prozent. 2020 waren es 14,0 Prozent. Digital abgeschlossen bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Kunden das Geschäft ohne Zutun eines weiteren Menschen über eine Website oder App einreichen, so der GDV.

Grundsätzlich kommen digitale Abschlüsse in allen Vertriebswegen vor – je nach Geschäftssegment unterschiedlich ausgeprägt. Direktvertrieb (43 Prozent) und Vergleichsportale (34 Prozent) spielen dabei im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre die bedeutendsten Rollen. Makler und Vertreter kommen hier auf lediglich 6 Prozent.

Im Schnitt der vergangenen drei Jahre kommt fast die Hälfte (48 Prozent) aller digitalen Abschlüsse aus der Kraftfahrzeugversicherung. Die Bedeutung der Online-Abschlüsse ist in dieser Produktsparte nach Verträgen mit einem Anteil von 23,8 Prozent im Neugeschäft dementsprechend hoch (2021: 23,2 Prozent), allerdings sank der Anteil nach Beitragsvolumen im Vergleich zum Vorjahr leicht.

Geschäft mit günstigen Krankenzusatzversicherungen boomt digital

Den stärksten relativen Zuwachs bei digitalen Abschlüssen verzeichneten in den vergangenen drei Jahren private Krankenversicherungen. 23,4 Prozent der Verträge (2020: 14,3 Prozent) wurden hier 2022 im Internet abgeschlossen. Dabei dürfte es sich vor allem um einfache und kostengünstige Verträge handeln, denn das Beitragsvolumen digitaler Abschlüsse im Neugeschäft lag im anteiligen Vergleich drastisch unter der Vertragszahl. Es stieg im gleichen Zeitraum nur von 7,0 auf 8,6 Prozent. Der GDV nennt Krankenzusatz- und Auslandskrankenversicherungen.

 

Embedded-Insurance-Geschäft gewinnt an Bedeutung

Daneben wird laut des GDV der Online-Vertrieb auch in der Schaden- und Unfallversicherung immer wichtiger. Der Neugeschäfts-Anteil der im Netz abgeschlossenen Sach-, Unfall- und Haftpflichtversicherungspolicen lag 2022 bei 13,0 Prozent. Zwei Jahre zuvor waren es noch 10,8 Prozent. „Das Annex- oder auch Embedded-Insurance-Geschäft spielt dabei eine besondere Rolle“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Das sind Versicherungen, die beim Online-Shopping zusammen mit Konsumgütern gekauft werden, also zum Beispiel Garantieverlängerungen bei teuren Elektronikartikeln.

Beim Vertrieb der beratungsintensiven Lebensversicherung stagniert der Online-Anteil hingegen. Der Anteil sank von 2021 auf 2022 nach Verträgen von 2,8 auf 2,7 Prozent. Beim Beitragsvolumen im digitalen Neugeschäft geht der Vertriebsanteil nach Beitragsvolumen sogar noch stärker zurück, von 2,3 auf 1,9 Prozent.