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Verantwortung für die Zukunft

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Der Weltkrebstag findet jährlich am 4. Februar statt: Vorbeugung, Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen sollen stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden. | © imago images / McPHOTO Foto: imago images / McPHOTO

Weltkrebstag 2020

„Innovationen müssen belohnt werden“

Rudi Van den Eynde, Fondsmanager des Candriam Equities L Biotechnology

Herr Van den Eynde, warum sollten Anleger dem Sektor der Krebsforschung und -therapie mehr Aufmerksamkeit schenken?

Rudi Van den Eynde: Krebs ist altersbedingt. Die Weltbevölkerung altert, die Zahl der Patienten nimmt zu. Nach wie vor ist Krebs die weltweit zweithäufigste Todesursache – der Bedarf an besseren Therapien ist nach wie vor groß. Doch es werden immer mehr Innovationen entwickelt: Sowohl in Bezug auf die Diagnose, als auch bei der Bestrahlung und bei den Medikamenten. Die auf den Markt gebrachten Produkte kommen wegen der Überalterung der Weltbevölkerung in steigendem Maß zum Einsatz.

Wo sehen Sie die Treiber für immer mehr Innovationen?

Van den Eynde: Krebszellen können sich ändern, sie passen sich an und werden resistent, wenn man versucht, sie zu töten. Also muss mit neuen Wirkungsmechanismen eingegriffen werden, um Erfolg zu haben. Heute müssen oft eine ganze Reihe von Maßnahmen eingeleitet werden, um den Krebs zu besiegen. Bei den meisten Krebsarten ist die Medizin in der Lage, diesen zu überwinden bzw. das Leben des Patienten erheblich zu verlängern.

Es gibt hier große Fortschritte: Beim Kampf gegen ganz spezifische Mutationen, die den Krebszellen helfen sich zu vermehren und damit zu überleben, ist die Forschung ein ganzes Stück weitergekommen.

Der Fonds Candriam Equities L Oncology Impact setzt hier an?

Van den Eynde: Der Teilfonds des SICAV Candriam Equities L investiert in börsennotierte Unternehmen, die Produkte und Therapien zur Behandlung von Krebs entwickeln und vertreiben. Das Anlageuniversum setzt sich aus Unternehmen zusammen, die Diagnose, Bestimmung und Behandlung von Krebserkrankungen eindeutig verbessern. Dazu zählen Unternehmen mit Innovationen in den Bereichen Chirurgie, Strahlentherapie und Medikamenten.

Wie finden Sie Unternehmen, die für den Fonds in Frage kommen?

Van den Eynde: Als Health Care-Investoren kennen wir den Markt in seiner ganzen Breite. Für den Candriam Equities L Oncology Impact sehen wir uns alle Unternehmen, die in der Krebsforschung und -therapie Relevanz haben, ganz genau an. Doch obwohl wir das spezielle Anlageuniversum kennen, ziehen wir zusätzlich Datendienstleister heran. Man kann ein neues Medikament entdecken und auf daraus resultierende Erfolge in der Therapie von Krebs verweisen. Doch ist ein gutes Medikament gut genug? Oft gibt es 30 andere Medikamentenanbieter, die ebenfalls Krebstherapien anbieten oder entwickeln. Spezialisierte Informationsdienstleister helfen uns hier, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Die meisten Medikamente in den Phasen 1 und 2, also in den klinischen Versuchen am Menschen, kennen und analysieren wir. Es gibt viele Innovationen, aber der Wettbewerb ist hoch. Um den Markt in seiner ganzen Breite abzudecken, enthält der Fonds Unternehmen aller Größenklassen.

Welche Länder sind im Fonds besonders stark vertreten?

Van den Eynde: Im Hinblick auf medizinische Innovationen und die Medikamentenentwicklung liegen die USA vorn. Daher hat das Land in der Fondszusammensetzung nach Ländern einen Anteil von 58,8 Prozent. Im Hinblick auf Medizin-Technologie spielt aber Europa auch vorne mit. Den zweitgrößten Länderanteil im Fonds hat die Schweiz mit 10,3 Prozent, gefolgt von Deutschland. Aber auch in Asien wird das Bild zunehmend interessanter.

Die Zahl der älteren Menschen nimmt weltweit stark zu. Werden sich angesichts der ungünstigen demografischen Entwicklung die entwickelten Volkswirtschaften auch langfristig ihre gut ausgebauten Gesundheitssystem leisten können?

Van den Eynde: Viele Medikamente sind teuer, keine Frage. Sie genießen über einen gewissen Zeitraum Patentschutz. Aber wenn dann der Patentschutz wegfällt, werden die Medikamente erschwinglich und manchmal sogar spottbillig. Das wir oft vergessen. Ob Cholesterol-Bekämpfung oder Mittel zur Blutdruck-Bekämpfung: Diese Medikamente gerieten in den 1990er Jahren in die Schlagzeilen, weil sie viel zu teuer waren. Seinerzeit wurde gesagt, dass die Gesundheitssysteme pleitegehen würden. Aber heute sind diese Medikamente spottbillig, weil der Patentschutz abgelaufen ist. Andere Medikamente sind hingegen heute teuer, weil sie neu am Markt sind. Dieser gut funktionierende Mechanismus treibt Innovationen voran, hält aber auch die Kosten am Gesundheitsmarkt in der Balance. Wichtig ist: Innovationen müssen belohnt werden, es ist nicht hilfreich, Unternehmen, die sie entwickeln, zu bestrafen.

Der Fonds Candriam Equities L Oncology Impact hat zwischen 2018 und 2019 bemerkenswerte Zuwächse erzielt. Dürften sich auch in den kommenden Jahren ähnliche Renditen erzielen lassen?

Van den Eynde: Medizinische Innovationen werden gut bezahlt und sie werden auf einem stetig wachsenden Wachstumsmarkt nachgefragt. Nicht von ungefähr hat der Fonds mit Stand vom 29. Januar 2020 ein Volumen von 572 Millionen US-Dollar und eine Jahresrendite von 41 Prozent vorzuweisen. Verglichen mit den Renditen, die sich am allgemeinen Aktienmarkt erwirtschaften lassen, erscheint der Ertrag hoch, aber er ist mit Blick auf das spezielle Marktsegment angemessen. Aber ob wir zukünftig 20, 40 oder 15 Prozent Rendite erzielen, unterliegt vielen Faktoren. Seit mehr als 20 Jahren betreue ich für die Candriam Investors Group, früher Dexia, sehr erfolgreiche Health Care- und Biotech-Fonds. Candriam hat umfangreiche Erfahrung mit Biotechnologieinvestitionen gesammelt – und damit das wissenschaftliche Know-how und die Investmentkompetenz, um die Chancen zu nutzen. Wir sind überzeugt, im Marktsegment der Krebsforschung und -therapie das Richtige zu tun. Wir sind hier  abhängig von medizinischen  Durchbrüchen in der Wissenschaft. Diese zu erkennen und einzuschätzen, ist unsere Stärke.

Daher auch der Zusatz „Impact“ im Fonds?

Van den Eynde: So ist es! Mit einem Investment beteiligen sich Investoren auf zwei Arten: Sie investieren zum einen in Lösungen und unterstützen zum anderen die Krebsforschung direkt, weil Candriam 10 Prozent der netto Managementgebühren des Fonds an die Krebsforschung spendet.

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