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Volkswirt Jörn Quitzau
Herrschaft des US-Dollars: Warum ein Wachwechsel am Währungsmarkt auf sich warten lässt
Evergreens gibt es auch an den Finanzmärkten. Dazu zählt die Frage, ob der US-Dollar seine Rolle als Weltleitwährung verliert. Während und nach der globalen Finanzkrise wurde diese Diskussion besonders intensiv geführt. Aus gutem Grund, denn bekanntlich hatte die Finanzkrise ihren Ursprung in den USA. Befeuert wurde die Debatte durch die nachfolgenden wirtschaftlichen Probleme und die sprunghaft gestiegenen US-Staatsschulden.
Doch schon bald stellte sich heraus, dass der US-Dollar seine Position behaupten würde. Dieses Jahr wird die Debatte erneut geführt, weil China und einige andere Länder versuchen, den US-Dollar als Transaktionswährung zurückzudrängen. Hinzu kam in der ersten Jahreshälfte das Drama um die Schuldengrenze in den USA. Doch wie immer konnten sich die Parteien – gerade noch rechtzeitig – einigen und den theoretisch drohenden technischen Staatsbankrott abwenden.
Vertrauen in US-Dollar ungebrochen
Wie schon so oft kommt ein Abgesang auf die amerikanische Währung aber zu früh. Der US-Dollar ist als Transaktions- und als Reservewährung unangefochten die Nummer 1. An knapp 90 Prozent aller internationalen Transaktionen ist der US-Dollar beteiligt. Als Reservewährung liegt er mit knapp 60 Prozent ebenfalls unangefochten vorn. Auf Platz 2 folgt der Euro mit gut 20 Prozent. Der Euro hat aber eigene Probleme, weshalb er seine Bedeutung als Reservewährung in der Vergangenheit nicht wie erwünscht verbessern konnte. Auch künftig dürfte ihm das kaum gelingen.
An der führenden Rolle des US-Dollars als Transaktions- und Reservewährung wird sich so schnell nichts ändern, auch wenn künftig einige Transaktionen weniger in USD abgewickelt und die Währungsreserven etwas stärker diversifiziert werden. Bis heute dient der US-Dollar in Krisenzeiten als der sichere Anlagehafen schlechthin. Er ist der sichere Zufluchtsort und wertet auf, wenn die Welt in Unsicherheit gerät. Das hat er auch in diesem Jahr wieder gezeigt. Das Vertrauen in den US-Dollar ist also noch ungebrochen.
Eine Währung lebt vom Vertrauen
Für den US-Dollar spricht zudem: Auch mittel- und längerfristig fehlt eine ernsthafte Alternative. Eine Währung lebt vom Vertrauen. Gewisse Zweifel am US-Dollar sind angesichts der hohen Schulden und Haushaltsdefizite natürlich angebracht. Auch die politische Zerrissenheit ist kontraproduktiv.
Doch es geht nicht um absolutes, sondern um relatives Vertrauen. Und da alle anderen wichtigen Währungen auch keine weiße Weste haben, genießt der US-Dollar zu Recht immer noch das größere Vertrauen als die potenziellen Konkurrenten. Das gilt insbesondere im Vergleich zum chinesischen Yuan. Wer wollte seine Währungsreserven lieber in einem autokratischen Land aufbewahren, statt in den demokratischen USA – der größten Volkswirtschaft der Welt, die über den größten und tiefsten Kapitalmarkt verfügt?
Kryptowährungen als Konkurrenz?
Und was ist mit den Kryptowährungen? Sie werden möglicherweise in Ländern mit weniger entwickelten Finanzsystemen als Transaktionswährung an Bedeutung gewinnen und den Dollar zum Teil verdrängen. Aber als Reservewährungen werden sie auf absehbare Zeit keine Rolle spielen. Bisher leben die Kryptowährungen insbesondere von der Legende, sie seien im Gegensatz zu den Papiergeldwährungen nicht beliebig vermehrbar. Doch das Argument der Unvermehrbarkeit ist auf Sand gebaut.
Zwar können sie wie der Bitcoin so programmiert sein, dass es tatsächlich eine feste Mengen-Obergrenze gibt. Doch gibt es keinen Mechanismus, der verhindert, dass baugleiche oder ähnlich konzipierte Kryptowährungen aus dem Boden schießen. Tatsächlich ist der Krypto-Markt inzwischen unüberschaubar groß. Ob der Bitcoin in diesem Umfeld dauerhaft von seinem First-Mover-Advantage wird leben können, bleibt abzuwarten.
Fazit: Der US-Dollar bekommt mehr Konkurrenz. Er wird aber als Transaktions- und als Reservewährung wohl auch mittel- und längerfristig die Nummer 1 bleiben.
