Heiße Show in Motor City: Ford stellt den neuen F-150 Atlas Truck auf der North American International Auto Show (NAIAS) in Detroit vor. Obwohl es der Stadt selbst noch immer schlecht geht, gilt die US-Wirtschaft insgesamt wieder als weltweite Wachstumslokomotive. Foto: Bloomberg

Heiße Show in Motor City: Ford stellt den neuen F-150 Atlas Truck auf der North American International Auto Show (NAIAS) in Detroit vor. Obwohl es der Stadt selbst noch immer schlecht geht, gilt die US-Wirtschaft insgesamt wieder als weltweite Wachstumslokomotive. Foto: Bloomberg

Weltmärkte 2015

So entwickeln sich Gold, Aktien und Renten

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Das ist beinahe eine gute Nachricht für Gold: Kaum jemand glaubt an ein Comeback der ultimativen Reservewährung im Jahr 2015. Die Charttechnik spielt verrückt, vor Inflation hat niemand Angst, und die Europäische Zentralbank (EZB) hat alles um die Eurokrise herum eingelullt – kein Wunder, dass sich niemand für Gold interessiert.

Inzwischen geistern Preisprognosen von unter 1.000 Dollar je Feinunze durch den Markt, aktuell liegt der Kurs bei 1.193 Dollar (Stand: 1. Dezember 2014). Und das ist normalerweise nahe dem Punkt, an dem ein Markt dreht. Auch an anderen Märkten könnte es ein interessantes Jahr werden.

Die Wirtschaft der USA nimmt Fahrt auf und wächst laut Internationalem Währungsfonds (IWF) im Jahr 2015 um 3,1 Prozent. Ein Sinken der Arbeitslosenquote auf 5 Prozent gilt nur noch als eine Frage der Zeit, die erste Zinserhöhung auch. Damit steht für US-Aktien die Ampel weiter auf Grün. Aber Obacht: Steigende Zinsen würgen irgendwann jede Hausse ab. Zudem liegen die Gewinnmargen von US-Unternehmen derzeit so hoch wie selten zuvor.

Bei den Unternehmen des S&P 500 blieben in den vergangenen zwölf Monaten 9,6 Prozent des Umsatzes als Gewinn hängen. Das ist der höchste Wert seit 1990, ältere Daten liefert S&P nicht. Das wirft die Frage auf, wie weit die Margen noch steigen können. Es könnte für die Unternehmen schwieriger werden, Personal zu finden – was die Löhne treiben und die Margen drücken würde. Nicht gut für die ohnehin schon teuren Aktien.

Für die Unternehmen des breiter gefassten Euro Stoxx Index liegt die Gewinnmarge bei lediglich 3,8 Prozent. Die Wirtschaft der Eurozone wächst laut IWF um 1,3 Prozent. Beides spricht nicht für einen bärenstarken Aktienmarkt, und trotzdem laufen die Kurse. Das kommt aus der Hoffnung, die EZB werde demnächst Anleihen kaufen und auch anderweitig mehr Geld in den Markt drücken.

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Mit wirtschaftlicher Gesundung hat das kaum zu tun. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Geldpolitik läuft ins Leere, und die Wirtschaft kriegt die Kurve nicht – dann droht ein Crash. Oder Geldpolitik und Reformen sorgen für einen Aufschwung, der die gestiegenen Aktienkurse im Nachhinein rechtfertigt.

US-Unternehmen und Aktien sind auf Anschlag, und Euroland bleibt gebeutelt – es riecht gewaltig danach, dass ein dritter Aktienmarkt 2015 wieder aus der Versenkung kommt: die Schwellenländer. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,1 ist der MSCI Emerging Markets fast halb so billig wie der Euro Stoxx (25,0). Der S&P 500 ist mit 18,3 ebenfalls teurer.

An drei Sachen gibt es indes für 2015 keinen Zweifel: US-Notenbankchefin Janet Yellen wird zum ersten Mal seit der Finanzkrise den Leitzins erhöhen, wahrscheinlich im Sommer. Und EZB-Chef Draghi wird es nicht tun. Und diese Zinsdiskrepanz wird verstärkt Anlagegeld aus Europa in die USA locken und den Dollar gegenüber dem Euro weiter aufwerten lassen. Für die europäische Wirtschaft bedeutet das zumindest von dieser Seite Rückenwind.

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