Fondsmanager Felix Schnella von Ökoworld

Fondsmanager Felix Schnella von Ökoworld

Weltwassertag: „Wir wollen Teil der Lösung sein, nicht des Problems“

DAS INVESTMENT.com: Was macht das Thema Wasser als Investment so spannend?

Felix Schnella: Wasser ist einer der wichtigsten Rohstoffe der Welt. Ohne Wasser ist Leben nicht denkbar. Wirtschaft auch nicht. Und es wird immer knapper. Es bedarf enormer Investitionen, um das Menschenrecht auf Zugang zu sauberem Wasser umzusetzen. Davon sind wir noch weit entfernt. Nachhaltige Investments tragen dazu bei, dem Menschenrecht Wasser näher zu kommen.

Ein paar Fakten, bitte.

Schnella:
Einer von neun Menschen auf der Welt hat noch keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. 80 Prozent des städtischen Abwassers gelangen ungeklärt in die Umwelt. Und rund 40 Prozent der Menschen auf der Welt haben keinen Zugang zu Sanitäranlagen. Während in den Schwellenländern massiv in den Ausbau der Wassernetze investiert werden muss, brauchen auch die Industrieländer dringend Geld für den Erhalt ihrer Wasserinfrastruktur. Allein in den USA müssen in den kommenden 25 Jahren mindestens 1.000 Milliarden Dollar investiert werden, nur um das Netz auf dem aktuellen Stand zu halten. Hier muss Abhilfe geschaffen werden, die nach und nach erfolgreich greift.

>> Wie viel Wasser steckt wo drin?



Darf man insbesondere als nachhaltiger Investor Geschäfte mit dem knappen Rohstoff machen?

Schnella:
Das ist die Problematik, die Chance und die Herausforderung. Wir wollen Teil der Lösung sein, nicht des Problems. Darum investieren wir nur in Wasserversorger die in regulierten Märkten aktiv sind oder  mehrheitlich in der öffentlichen Hand liegen. Dadurch sehen wir das Interesse der Bürger nach bezahlbarem, sauberem Wasser gewährleistet. Wir investieren nur in regulierten Märkten. Und die Unternehmen dürfen keinen strategischen Besitz an Wasservorkommen anstreben. Firmen wie Danone, Nestlé oder Coca-Cola finden Sie bei uns darum nicht im Portfolio. Wir gehen sogar noch einen Schritt weiter: Wasser, das nicht verschmutzt wurde, ist gesparte Ressource. Darum investieren wir auch in die effiziente Wassernutzung.

Effiziente Wassernutzung ist mit einem Anteil von 31,7 Prozent die größte Sektorposition im Portfolio. Was sind das für Unternehmen?

Schnella:
Das sind beispielsweise Produzenten von Bio-Lebensmitteln, weil sie keine Pestizide nutzen und so das Grundwasser nicht verschmutzen. Oder Recycling-Firmen. Werden Rohstoffe wiederverwendet und nicht neu gefördert, spart das immense Mengen an Wasser im Produktionsprozess.

Bitte ein konkretes Beispiel.

Schnella: Die Firma Wash Tec aus Augsburg produziert Autowaschanlagen. Grundsätzlich verbraucht eine Waschanlage nur halb so viel Wasser wie die Handwäsche. Deshalb ist Handarbeit auch in Deutschland verboten. Durch die effiziente Rückgewinnung des Dreckwassers verbrauchen die Wash-Tec-Anlagen aber noch einmal deutlich weniger Wasser. Ein badender Mensch in der Badewanne verbraucht deutlich mehr Wasser als ein Auto in der Waschstraße.

Wasser ist knapp und je knapper etwas wird, desto stärker steigt der Preis. Doch nach einer perfekten Welle sieht das an den Börsen nicht aus. Warum steigen die Kurse nicht stärker?

Schnella: 2012 war ein super Jahr. Wir haben ein Plus von knapp 20 Prozent gemacht. Auch im Zeitraum über drei Jahre liegen wir mit 9,4 Prozent pro Jahr gut im Rennen. Grundsätzlich ist Wasser aber kein Hype-Thema wie etwa Solar vor fünf oder sechs Jahren oder die New Economy Ende der 90er Jahre. Der Sektor wächst regelmäßig und konstant. Mittelfristig hat Wasser auf jeden Fall eine überdurchschnittliche Ertragskraft. Also gut für den Investor.

Wo soll das Geld für das Wachstum herkommen?

Schnella: Die wahnsinnig hohen Investitionen können nicht von den Staaten allein gestemmt werden. Sie brauchen die privaten Investoren. Und die kommen nur, wenn die Rendite attraktiv ist.

Ist sie das? Kommen die privaten Investoren?

Schnella:
Ja, man kann einen klaren Trend erkennen. Beispielsweise in den USA. Dort dürfen private Investoren durchaus eine Eigenkapitalverzinsung von 10 Prozent erzielen. Auch in den Schwellenländern drängen immer mehr private Unternehmen in den Wassermarkt.

450.000 Liter Wasser braucht man, um ein Auto herzustellen. Für ein Kilo Rindfleisch sind 5.700 Liter nötig. Essen Sie noch Fleisch und fahren Sie noch Auto?

Schnella:
Ja, das tue ich genauso wie auch andere ökologisch orientierte Menschen. Man kann nicht sein komplettes Leben dogmatisch auf Verzicht umstellen. Das ist ja gerade unser Investment-Thema: Viehzucht und Landwirtschaft effizienter zu machen oder Autoteile zu recyceln, damit in der Produktion weniger Wasser gebraucht wird. Man sollte sich auf den Weg machen, beginnen Teil der Lösung zu werden. Von heute auf morgen geht das natürlich nicht. Verzicht ist auf jeden Fall nicht der Ausweg. Aber man kann weniger Fleisch essen, ruhig mal ein oder zwei Tage die Woche auf Fleisch verzichten und neben dem Auto auch die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, per pedes oder auch mit dem Fahrrad Wege zurücklegen. Die nachhaltigen Transportmittel machen Sinn und lassen sich sicher auch in den Alltag integrieren. Genauso wie gelegentlich fleischlose Mahlzeiten.

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