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Märkte bewegen Aktien, Zinsen, Politik. Und Menschen. Deshalb präsentieren wir dir hier die bedeutendsten Analysen und Thesen von Top-Ökonomen - gebündelt und übersichtlich. Führende Volkswirte und Unternehmensstrategen gehen den wichtigen wirtschaftlichen Entwicklungen clever und zuweilen kontrovers auf den Grund.

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Volkswirt Ulrich Kater

Währungshüter treten auf die Bremse

Ulrich Kater | 14.02.2023
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Ulrich Kater, Dekabank.
Ulrich Kater ist Chefvolkswirt der Dekabank. Bildquelle: Dekabank
Die Stimmung in der Wirtschaft ist aktuell zwiegespalten. Während Marktteilnehmer ihre Zinserwartungen zurückschrauben, treten Währungshüter weiter auf die Bremse. Hier sagt Ulrich Kater von der Dekabank, warum das erst einmal so bleibt.

Die Lage der Weltwirtschaft ist nach dem ersten Monat des Jahres widersprüchlich und mit vielen Unsicherheiten verbunden. Dafür ist die letzte Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) Anfang Februar das beste Beispiel. Dort bemühten sich die Notenbanker in der Begründung ihrer Zinserhöhung um 25 Basispunkte deutlich zu machen, dass es noch Bedarf für weitere Zinserhöhungen gebe. Jedoch glaubten die Märkte den Ausführungen nicht. Die Zinserwartungen gingen weiter zurück.

Das ist nur eines von vielen Signalen für das große Armdrücken, das gegenwärtig zwischen Notenbanken und Märkten stattfindet. Die Makroökonomie sendet widersprüchliche Signale aus. Es gibt sehr unterschiedliche Auffassungen dazu, ob mit dem Rückgang der Inflationsraten wieder alles in Ordnung ist.

Da ist zum einen die hohe Widerstandsfähigkeit gegen die ungünstigen Rahmenbedingungen von Geopolitik und Energieknappheit. Die US-Wirtschaft verzeichnete ein starkes Schlussquartal und auch in Europa blieb der Einbruch aus. In Deutschland schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2022 zwar um 0,2 Prozent. Angesichts der Umstände hätte man sich jedoch auch einen tieferen Absturz vorstellen können. Zum anderen ist da allerdings auch die Beobachtung, dass der starke Zinsanstieg schon deutliche Bremswirkungen in den USA auslöst und die Rezessionsfragen eben noch nicht geklärt ist.

 

 

Allen Volkswirtschaften Europas und Nordamerikas gemein ist die Standfestigkeit des privaten Konsums. Dazu trägt bei, dass in den USA wie auch in Deutschland rekordhohe Beschäftigungszahlen vorliegen. Zwar gibt es keinen Konsum-Boom, aber eben auch keinen Absturz. Traditionell bilden in Deutschland die makroökonomischen Daten, die Stimmungsumfragen unter den privaten Haushalten und die Aussagen der Einzelhandelsverbände kein einheitliches Bild. In der Struktur des Bruttoinlandsprodukts – soweit sie für das vergangene Jahr schon vorliegt – bietet der privaten Konsum jedenfalls ein relativ stabiles Bild.

In Deutschland liegt das auch an einer Steigerung der verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte, die im Jahr 2022 um 7,2 Prozent rekordhoch angestiegen sind. Dieser Zuwachs hat einen Großteil der inflationsbedingten Kaufkraftverluste von 7,9 Prozent kompensiert. Hintergrund dieser Entwicklung sind die staatlichen Hilfen gegen den Energiepreisanstieg sowie die steuerlich geförderten Einmalzahlungen, die viele Unternehmen ihrer Belegschaft zukommen ließen.

Natürlich stellt sich hier die Frage, wie lange die Kaufkraft im privaten Haushaltssektor hoch bleiben kann. Zwar werden im laufenden Jahr keine Einmalzahlungen mehr geleistet, aber zunehmend setzen Tariflohnsteigerungen ein, welche die Nachfrage weiter stabilisieren. Die Weltwirtschaft stützen China und Indien mit wieder höheren Wachstumsbeiträgen. Zwar ist in den kommenden Quartalen nicht mit einem Konjunkturfeuerwerk zu rechnen, allerdings ist das wirtschaftliche Fundament für die Kapitalmärkte nicht so wackelig wie befürchtet.

 

 

In dieser Situation haben Notenbanker keinen leichten Job. Bei der Inflation könnte ebenso wie beim Anstieg auch der Rückgang stärker ausfallen als erwartet. Dies dürfte dann jedoch den eigentlichen Inflationstrend unterzeichnen, da auch hier die Rohstoffpreise die größte Rolle spielen. Sie vertuschen die unterliegenden Inflationsgefahren.

Hier den richtigen Zinskurs zu finden, ist nicht leicht, zumal die Erwartungen der Märkte die Geldpolitik stark unter Druck setzen. Würde die US-Notenbank diesem Druck nachgeben und um die Jahresmitte schon wieder die Zinsen senken, liefe sie Gefahr, sich ein halbes Jahr später wieder korrigieren zu müssen.

Bei einem weiterhin stabilen Konjunkturbild ist daher eher zu erwarten, dass die Währungshüter des US-Dollar noch ein Jahr warten, bis sie die Zügel wieder lockern. Im Euroraum ist die Europäische Zentralbank noch standhaft, den Einlagensatz bis Mai auf 3,25 Prozent nach oben zu bringen, um von dort aus abzuwarten, ob die Inflation ausreichend abbremst. Die deutliche Erholung am Aktienmarkt könnte unter diesen Umständen anhalten.

Henning Vöpel, Centrum für Europäische Politik.
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Über den Autor

Ulrich Kater | Dekabank
Ulrich Kater ist Chefvolkswirt der Dekabank. Er ist Autor von Veröffentlichungen über Geld- und Finanzpolitik, Kapitalmärkte, Rentensysteme und den internationalen Dienstleistungshandel.
[Alle Beiträge von Ulrich Kater]

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