Weltwirtschaftsausblick

IWF rät zu lockerer Politik

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Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr nach unten korrigiert. Grund dafür sind das abgeschwächte Wachstum in Volkswirtschaften von China bis zu den Vereinigten Staaten und das zunehmende Risiko eines Sprungs bei den Ölpreisen aufgrund von militärischen Konflikten.

Die Weltwirtschaft wird 2014 um 3,4 Prozent expandieren, erklärte der IWF in seinem am Donnerstag veröffentlichten Weltwirtschaftsausblick. Im April hatte die Institution aus Washington noch 3,6 Prozent Wachstum vorhergesagt.

Damit wäre der Anstieg des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) 2014 aber noch immer stärker als im Vorjahr, als sich die Expansion auf 3,2 Prozent belaufen hatte.

Für das kommende Jahr zeigte sich der IWF etwas optimistischer und erhöhte die BIP-Prognose von 3,9 Prozent im April auf nun 4 Prozent. Doch der Währungsfonds warnte auch, dass eine längere Schwäche in der Weltwirtschaft möglich sei.

“Das globale Wachstum könnte angesichts des Mangels an robuster Dynamik in den Industriestaaten länger schwach bleiben”, auch wenn die Leitzinsen niedrig blieben, hieß es in dem aktualisierten Ausblick. “Die Geldpolitik sollte in allen großen Industrieländern akkommodierend bleiben.”

Der IWF-Bericht spiegelt eine Welt wider, die seit April von immer mehr geopolitischen Krisen verunsichert wird. Die Unruhen im Nahen Osten könnten zu “deutlich höheren Ölpreisen” führen, warnte der Währungsfonds auch.

Die Wachstumsprognose für die Schwellenländer wurde gegenüber April um 0,3 Punkte auf 4,6 Prozent verringert. Das lag auch an der Annahme eines schwächeren Wachstums in China. Der IWF rechnet in China nun für 2014 mit einem BIP-Anstieg um 7,4 Prozent, nach geschätzten 7,5 Prozent im April. Für 2015 wird eine Abschwächung auf 7,1 Prozent vorausgesagt.

Die stärkste Abwärtsrevision unter den Schwellenländern gab es für Russland. Der IWF kürzte die Prognose für den russischen BIP-Anstieg 2014 von zuvor 1,3 Prozent nun auf nur noch 0,2 Prozent. Grund sei die Kapitalflucht wegen der Verwicklungen in den Ukraine-Konflikt.

Unter den 18 Euro-Staaten wurden die Prognosen für Italien und Frankreich verringert, während jene für Spanien von 0,9 Prozent auf 1,2 Prozent angehoben wurde. Der Euroraum wird dem IWF zufolge in diesem Jahr um 1,1 Prozent wachsen.

Für die geringere Wachstumsschätzung in den Industriestaaten sind vor allem die USA verantwortlich, deren BIP-Prognose von 2,8 Prozent im April auf aktuell 1,7 Prozent verringert wurde. Die Senkung ist laut IWF die Folge der Wirtschaftsschrumpfung im ersten Quartal. Für 2015 wird weiter ein US-Wachstum von 3 Prozent prognostiziert. Die Revisionen hatte der IWF bereits am Mittwoch bekanntgegeben.

Der Währungsfonds stimmt mit der Federal Reserve darin überein, die Anleihekäufe der Zentralbank zu drosseln, signalisierte der IWF-Chefökonomen Olivier Blanchard.

“Der gegenwärtige Plan, nämlich den Abbau der Anleihekäufe im Jahresverlauf zu beenden und den Leitzins ab Mitte des kommenden Jahres anzuheben, ist angemessen”, sagte Blanchard. “Aber das Timing der Leitzinserhöhung dürfte angepasst werden müssen.”

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