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in NewsLesedauer: 3 Minuten

Weltwirtschaftsforum 2023 Warum der Optimismus trotz aller Krisen zugenommen hat

Kristalina Georgieva beim Weltwirtschaftsforum in Davos
Kristalina Georgieva beim Weltwirtschaftsforum in Davos: Mit ihrem Satz „Weniger schlimm ist nicht gut“ fasst die Chefin des Internationalen Währungsfonds das globale Umfeld aus Sicht von Felix Herrmann treffend zusammen. | Foto: Imago Images / Xinhua
Felix Hermann von Aramea AM
Felix Herrmann © Aramea AM

Ein Gefühl war beim Weltwirtschaftsforum in Davos allgegenwärtig: Erleichterung. Erleichterung darüber, dass das Schlimmste in Sachen Inflation hinter uns zu liegen scheint. Erleichterung darüber, dass Europa nicht erfroren ist und die Gasspeicher im Januar noch gut gefüllt sind. Erleichterung aber auch über eine ganze Reihe anderer Dinge wie ein wiedererstarkendes China, widerstandsfähiger als gedachte Demokratien, überraschend robuste Arbeitsmärkte und ausgebliebene Rezessionen. 

Dieser Optimismus sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns global weiter in einem Umfeld befinden, das die Teilnehmer in Davos „Polykrise“ nennen: Viele Krisen zur gleichen Zeit, vom Krieg in der Ukraine bis hin zur Klimakrise. Kristalina Georgieva, Chefin des Internationalen Währungsfonds, formulierte es ganz treffend: „Weniger schlimm ist nicht gut.“ Dennoch versprüht das seit drei Jahren erste Treffen in Davos Optimismus – auch für die Kapitalmärkte.

Optimismus ist wichtig, weil er in sich selbst einen Faktor darstellt, der Dinge in die richtige Richtung treiben kann – ein Phänomen, das oft auch an den Finanzmärkten zu beobachten ist. 

Wer etwa das letzte Panel des Forums zum globalen Wirtschaftsausblick verfolgte, nimmt jedoch auch mit, dass es ein durchaus schmaler Pfad in Richtung Glückseligkeit ist, auf dem die Weltgemeinschaft in den nächsten Jahren zu wandeln hat.

Schwellenländer nicht außer Acht lassen

Es ist wenig damit geholfen, wenn die entwickelten Volkwirtschaften riesige Subventions- und Steuererleichterungspakete für die Privatwirtschaft schnüren, um einen Erfolg der heimischen Wirtschaft im Zuge der grünen Transformation sicherzustellen – dabei aber die Schwellenländer außer Acht lassen.

Eines der am heißesten debattierten Themen auf dem Forum war der „Inflation Reduction Act“ in den USA, der offenbar ohne Rücksicht auf Europa zusammengestrickt wurde. Europa sieht sich nun unter Zugzwang und genötigt, seinerseits mit Subventionen für die Wirtschaft zu reagieren. Christine Lagarde, Chefin der Europäischen Zentralbank, mahnte allerdings zurecht an, dass dies kein „Race to the Bottom“ à la Airbus vs. Boeing werden darf, in dem am Ende vor allem die aufstrebenden Volkswirtschaften in die Röhre schauen. Entscheidend für den Kampf gegen den Klimawandel wird die Beschleunigung der grünen Transformation in den Schwellenländern sein. 

Große Einigkeit herrschte hingegen beim Thema Anti-Fragmentierung, wobei durchaus unterschiedliche Ausprägungen darunter verstanden werden. Viele hochrangige Politiker aus Europa nutzten das Forum, um demonstrativ einem Ausschluss Chinas aus der Weltgemeinschaft entgegenzuwirken – etwas, das von der (überschaubaren Anzahl der) US-Teilnehmer wenig überraschend nicht öffentlich zu hören war. So oder so zählt: Die Art und Weise, wie wir weltweit in den kommenden Jahren die Lieferketten umbauen, wird mehr als alles andere das Wachstumspotenzial der kommenden zehn bis zwanzig Jahre bestimmen.

Was bedeutet die Wiedereröffnung Chinas für die Inflation?

Kurzfristig gilt es derweil vor allem die Inflation im Auge zu behalten. Unter anderem der Ökonom und ehemalige US-Finanzminister Larry Summers warnte davor, den Kampf gegen die Inflation zu früh zu beenden. Das schlimmste Szenario wäre eine Wiederkehr der Inflation, die die Lebenshaltungskosten-Krise verschärft, bei einem gleichzeitigen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Gerade die Frage, welchen Einfluss das Wiedereröffnen der chinesischen Wirtschaft für die Inflation in der westlichen Welt haben wird, müssen die Zentralbanken rasch klären.

Aus Sicht der Kapitalmärkte lässt sich unter dem Strich konstatieren: Wenn derart viele Star-Ökonomen und hochkarätige Unternehmenslenker in Davos offenbar deutlich besseren Mutes in Bezug auf den Konjunkturausblick 2023 sind als noch vor wenigen Monaten, dann könnte an diesem Optimismus etwas dran sein. Nur: Der Teufel steckt wie immer im Detail. Und solange gute Konjunkturnachrichten schlechte Nachrichten für die Aktienmärkte bleiben, lässt sich Konjunkturoptimismus leider nur bedingt in steigende Aktienkurse übersetzen.

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