Kfz-Versicherungen Wem gehören die Daten einer Telematik-Police?

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Autobauer kochen eigenes Süppchen

Bislang zögern die Autoproduzenten allerdings noch, Wettbewerbern Zugang zu dem Datenschatz der Kfz-Nutzer zu ermöglichen. „Die Autohersteller sind eher nicht gewillt, diese Daten mit anderen Anbietern zu teilen, sondern versuchen, ihr eigenes Süppchen zu kochen“, erklärte Automobil-Experte Guido Reinking beim Goslar Diskurs. Denn die Unternehmen wissen um den Wert der Daten. Aktuell gebe es etwa Diskussionen darüber, welche Daten als personenbezogen zu gelten haben und somit eigentlich dem Autofahrer gehören, und welche frei verwendbare technische Daten sind, berichtete Reinking.

So sei ein aktuelles Streitthema, dass bei einem anstehenden Service oder einer notwendigen Reparatur derzeit von der Fahrzeugelektronik nur auf den Hersteller des Autos verwiesen wird. Dieser kann dem Kunden so direkt einen entsprechenden Termin anbieten. Was aber, wenn der Kunde nicht zu einer Marken-, sondern einer möglicherweise preiswerteren freien Werkstatt will? Deshalb müsse geklärt werden, wem solche Informationen gehören, wer sie erhalten und nutzen darf, stellte Reinking fest.

Wie der Kenner der Autobranche erläuterte, fließen mittlerweile viele Daten zwischen Auto und Hersteller hin- und her. So können Besitzer moderner Fahrzeuge zum Beispiel mittels einer App erkennen, wo ihr Auto gerade steht, ob es richtig verschlossen und wie viel Sprit noch im Tank ist. Solche Helfer könnten noch erheblich ausgebaut werden, etwa wenn sich das Fahrzeug besser mit dem Handy des Fahrers synchronisieren lasse, um Routen zu planen, erläuterte Reinking. Dann wäre das Auto zum Beispiel in der Lage, von sich aus Angebote zu machen, wo der Fahrer unterwegs am günstigsten tankt oder am besten eine Rast einlegt, wie es das Smartphone heute schon kann. Dafür benötigt ein Auto die Daten zur geplanten Tour. „Auf Basis solcher Informationen lassen sich also interessante Geschäftsmodelle entwickeln“, fasste der Auto-Experte zusammen.

Datensicherheit als hohes Gut

Dem stehen jedoch zurzeit nicht nur die Blockadeposition der Automobilindustrie, sondern auch Bedenken der Verbraucher in Bezug auf die Sicherheit ihrer Daten im Weg. Datensicherheit ist ein ganz wichtiges Kriterium für Autofahrer, wenn es um die schöne neue Welt der Mobilität geht – das machen Studien wie die des Goslar Instituts zum Thema „Big Data“ immer wieder deutlich. Diese Untersuchung brachte allerdings auch ein nicht eindeutiges bzw. häufig widersprüchliches Verbraucherverhalten ans Licht: nämlich einerseits hohe Anforderungen an Datensicherheit bei einem andererseits häufig recht leichtfertigen Umgang mit eigenen persönlichen Daten. Um aus diesem Paradox herauszukommen, könnten Treuhändermodelle ein probates Mittel sein, erklärte Susanne Knorre von der Hochschule Osnabrück. Denn ein Treuhänder könne Datensicherheit garantieren, aber auch, dass es einen fairen Zugang zu den Daten gebe.

Außerdem ließen sich die betreffenden Daten über eine solche neutrale Zentralstelle für Zwecke nutzen, die jenseits rein individueller Vorteile liegen, argumentierte die Mitverfasserin der Studie „Die Big-Data-Debatte“: wie etwa für Gesundheit, Sicherheit, Klimaschutz. Denn nach ihrer Einschätzung sind viele Verbraucher durchaus bereit, ihre Daten – auch ohne Gegenleistung wie beim Telematik-Tarif – im Sinne von Anliegen des Allgemeinwohls an zertifizierte „Verwalter“ herauszugeben. Dabei gäbe eine Art Treuhänder mehr Vertrauen und Sicherheit, meint Knorre. Bei solchen hochakzeptierten Zielen bestehe eine große Bereitschaft, dafür eigene Daten zur Verfügung zu stellen, berichtete die Wissenschaftlerin. Da verliere Big Data dann einiges von seinem ansonsten verbreiteten Schrecken, meint sie.

Treuhänder für sensible Daten

Als mögliche Institutionen, welche für die Rolle eines Daten-Treuhänders infrage kommen, werden in den Diskussionen über dieses Thema vielfach die Prüforganisationen ins Spiel gebracht. Beim aktuellen Goslar Diskurs betonte Guido Kutschera, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Dekra Automobil, dass sein Unternehmen wie auch die Prüfgesellschaften ein Datentreuhändermodell favorisieren, jedoch nicht selbst betreiben wollen. Ein solches Trustcenter müsse idealerweise von staatlicher Seite betrieben, mindestens jedoch kontrolliert werden, betonte Kutschera, damit der Kunde weiß, dass seine Daten in guten Händen sind.

Die Zugriffsrechte auf dort abgespeicherte Daten für berechtigte Dritte müssen klar geregelt sein. Der Dekra-Experte stellte darüber hinaus ebenfalls klar, dass den Prüforganisationen selbst ein diskriminierungsfreier, unabhängiger Zugang zu den sicherheits- und umweltrelevanten Fahrzeugdaten ermöglicht werden muss, damit sie ihrem hoheitlichen Prüfauftrag in Zukunft gerecht werden können. Für die Prüforganisationen stehe beim Treuhändermodell, wie auch für die Versicherungen, das Thema Verkehrssicherheit und Verbraucherschutz im Vordergrund, betonte Kutschera.

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