Nicht jede Rendite ist gleich viel wert. Wer 34 Prozent in einem Jahr macht, aber dabei massive Schwankungen in Kauf nimmt, hat vielleicht einige Nerven gelassen – und dadurch am Ende weniger gewonnen, als die Zahl vermuten lässt. Diese Überzeugung steht im Zentrum des Wikifolios „Low Vola“ von Paul Pleus. Der Vollzeit-Investor hat das Portfolio Anfang 2024 aufgelegt. Seitdem ist er seinem Versprechen treu geblieben: überdurchschnittliche Rendite bei geringer Volatilität.
Pleus ist kein Newcomer auf der Plattform. Der ehemalige Banker, der heute Vollzeit-Investor ist, gehört zu den Wikifolio-Pionieren der ersten Stunde: Seit August 2012 ist er auf der damals frisch gegründeten Plattform aktiv. Heute betreibt er acht Wikifolios mit unterschiedlichen Strategien – von konzentrierten Small-Cap-Wetten, über Dividenden bis hin zu einem Defensiv-Portfolio. „Low Vola“ gibt es seit Januar 2024, das zugehörige Zertifikat seit April 2025. Das Wikifolio hat seit seiner Auflegung rund 75 Prozent zugelegt (Stand: 25. März 2026), auf ein Jahr gesehen sind es 34 Prozent.
Das System entscheidet
Das Herzstück der Strategie ist ein selbst entwickeltes Scoring-Modell, das Pleus über mehr als 35 Jahre verfeinert hat. Aus einem globalen Universum verfolgt er kontinuierlich rund 100 Aktien in der Tiefe. Er nutzt ein eigens entwickeltes Bewertungsmodell, das er stets an den neusten Unternehmenszahlen ausrichtet – um so den Abstand zum fairen Wert zu ermitteln. „In die 25 Besten aus diesen 100 investiere ich“, erklärt er. Identifiziert Pleus auf diese Weise eine neue Aktie, die besser abschneidet als die aktuell letztplatzierte, fliegt diese heraus.
Der Scoringwert setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: Neben dem Value-Abstand zum fairen Kurs zählt auch das Momentum – also ob die Aktie bereits beginnt anzuspringen. „Einige Aktien sind günstig und werden auch nie entdeckt“, hat Pleus beobachtet. „Wenn ich aber sehe, dass auch andere Anleger merken, was ich schon länger sehe, dann wird eine unterbewertete Aktie für mich interessant.“
Emotionen haben in Pleus‘ System ausdrücklich keinen Platz. „Es ist egal, was Paul Pleus meint, wie sich die Märkte entwickeln“, sagt er über sich und seinen Anlageansatz. „Mein System sagt mir, wie ich investiert sein soll – wie viel auf steigende Kurse, wie viel auf fallende, wie viel Cash.“ Diese Disziplin hält er für seinen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
Wenig Schwankungen durch Diversifikation und Absicherung
Was „Low Vola“ von vielen anderen defensiven Strategien unterscheidet, ist der Mechanismus dahinter. Die im Vergleich zu anderen Wikifolios niedrige Gesamtvolatilität entsteht nicht durch Verzicht auf Bewegung, sondern durch gezieltes Gegensteuern. „Innerhalb des Wikifolios brodelt es durchaus“, erklärt Pleus. Allerdings glichen die unterschiedlichen Positionen diese Schwankungen wieder aus.
Auf ein Jahr gesehen liegt die Volatilität in Pleus' Wikifolio mit 17,6 Prozent auf einem Niveau, wie es auch viele Aktienstrategien bieten. Zu berücksichtigen ist, dass Pleus bedingt durch seinen Auswahlprozess stark auf kleinere Titel setzt - für die diese Schwankungsbreite wiederum moderat ist.
Als Beispiel nennt Pleus die Aktie des Marktmachers Flow Traders, der in unruhigen Marktphasen besonders gut verdient. Wenn die Volatilität steigt und die Märkte fallen, steigt diese Aktie typischerweise – und puffert damit Verluste anderer Positionen ab. Auf Platz eins des Wikifolios steht aktuell der Zahlungsdienstleister Net Digita, gefolgt von dem Beratungs- und Beteiligungsunternehmen U.C.A.
Ergänzt werden die Einzelaktien der Low-Vola-Strategie durch einen ETF-Baustein. Darin enthalten sind neben Themen-Indizes (Rohstoffe, Energie) auch Indizes auf Länder, die für Anleger selten im Mittelpunkt stehen: Chile und Norwegen hat Pleus aktuell ins Portfolio gehievt. Ebenso finden sich hier Short-ETFs auf Indizes wie den Dax, den S&P 500 sowie ETFs auf den Volatilitätsindex Vix. „Es ist wie eine Waage“, beschreibt Pleus das System. „Wenn mein Modell mir sagt, hier ist Risiko, setze ich solche Bausteine als Absicherung ein.“
Die Cash-Quote im Low-Vola-Wikifolio kann in turbulenten Phasen auf bis zu 20 Prozent steigen. Dabei folgt auch das Cash-Management dem zugrundeliegenden System. Darin berücksichtigt Pleus unter anderem auch saisonale Muster – etwa dass die Börse zwischen November und April für gewöhnlich besser läuft als im September und Oktober – und richtet seine Positionierung entsprechend aus.
Pleus betont auch, dass er in seinen Wikifolios stets agil handelt: „Ich bin kein dicker Dampfer, der langsam wendet. Ich kann meine Richtung sehr schnell ändern.“
Abseits ausgetretener Pfade
Bei der Aktienauswahl bewegt sich der Wikifolio-Händler häufig in wenig beachteten Märkten. Sein Universum ist global, er schließt kaum etwas wirklich aus – mit zwei Ausnahmen: „Von Biotech verstehe ich nichts und kann dort also nicht investieren“, sagt er. Außerdem: „Die Unternehmen, in die ich investiere, müssen bereits Gewinne schreiben.“ Wer sich als junges Unternehmen also noch in der Pre-Earnings-Phase befindet, wird nicht aufgenommen.
In der Praxis lande er oft bei den erwähnten Small Caps, verrät Pleus – nicht aus prinzipieller Überzeugung, sondern weil sein System ihm das anzeige. Das Potenzial ist dort einfach am größten. „Einige Aktien in meinen Wikifolios hat unter den 10.000 investierbaren Werten auf der Plattform sonst niemand“, berichtet er nicht ohne Stolz.
Seine Investmentideen bezieht Pleus aus diversen Quellen: bezahlte Datenbanken, Social Media, internationale Finanzblogs. Dabei dient ein KI-gestützter Schnellcheck als erste Filterhürde, bevor Pleus ein Unternehmen vertieft analysiert.
Ein Jahr, drei Fragen
Das Low-Vola-Wikifolio schloss sein erstes Jahr mit über 28 Prozent im Plus ab – bei vergleichsweise geringen Schwankungen. Stand 23. März liegt es mit 74 Prozent seit Auflegung im Plus, auf ein Jahr gesehen sind es 34 Prozent. Für Pleus wichtiger als die absolute Rendite ist nach eigener Auskunft jedoch die Tatsache, dass diese Performance in ruhigem Fahrwasser erzielt wurde.
Angesichts der aktuellen Marktunsicherheiten – Handelskonflikte, geopolitische Schocks – sieht er seinen Ansatz bestätigt: „Long-Only-Investing ist für mich nicht mehr so angesagt. Ich muss mich auch gegen externe Schocks absichern.“
- Name: Low Vola
- ISIN (Zertifikat): DE000LS9VAV7
- Auflegung: 02.01.2024 (Zertifikat seit 01.04.2025 erhältlich)
- Performance seit Auflegung: 74,6 Prozent
- Volatilität ein Jahr: 17,6 Prozent
- Performance 1 Jahr: 34,0 Prozent
- Investiertes Kapital (im Zertifikat): 1,6 Millionen Euro
- Stand: 25.03.2026
Lesen Sie auf der nächsten Seite: Sieben Fragen an Paul Pleus >>

