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Wenig Suppe – viele Haare! Größere Kursschwankungen an den Aktienmärkten

Andreas Leckelt, Geschäftsführer der Laransa Private Wealth Management
Andreas Leckelt, Geschäftsführer der Laransa Private Wealth Management
Zuversicht macht sich breit. Sinkende Risikoaufschläge bei Anleihen der europäischen Peripheriestaaten und stabile Aktienmärkte lassen viele Marktteilnehmer glauben, dass sich die wirtschaftliche Erholung fortsetzen wird.

Die aktuellen Signale vom Kapitalmarkt sollten jedoch mit Vorsicht interpretiert werden. Denn es ist offensichtlich, dass es derzeit so viele mögliche Bruchstellen in der Welt gibt wie selten zuvor. In nahezu allen Bereichen, die die Basis für eine Fortsetzung der nunmehr fünf Jahre währenden Hausse bilden könnten, sind die Signale auf gelb oder sogar auf rot geschaltet:

  • Die Aktienmärkte steigen weiter, während die Wachstumsraten der realen Wirtschaft zurückgehen. Die Kurssteigerungen erfolgen somit nicht mehr auf Basis besserer Fundamentaldaten, sondern werden zunehmend durch Liquidität getrieben. Seit Mitte 2011 hat sich die Schere zwischen der Aktienmarktentwicklung und der Entwicklung der Realwirtschaft massiv ausgeweitet.
  • Die US-Notenbank setzt ihre Reduzierung der Stützungskäufe m Bondsmarkt fort. Erste Zinserhöhungen werden für das erste Quartal 2015 in Erwägung gezogen. Dieser Vorgang stellt alle Strukturen in Frage, die sich auf Basis der expansiven Geldpolitik der vergangenen Jahre herausgebildet haben.
  • In den Emerging Markets vollzieht sich eine Trendwende nach unten. Die aus dem geldpolitischen Schwenk der US-Notenbank resultierende Kapitalflucht aus den Emerging Markets-Währungen entzieht den Unternehmen und Konsumenten Kapital. Diese Entwicklung drückt insbesondere auf die Gewinne der europäischen Exportindustrie, die das Wachstum der Emerging Markets als Kompensation zu den stagnierenden europäischen Absatzmärkten dringend benötigt.
  • Die Beruhigung innerhalb der Eurozone ist trügerisch. Praktisch keines der fundamentalen Probleme ist gelöst worden. Die Verschuldung der Staaten, der Privathaushalte und auch der Unternehmen ist weiterhin viel zu hoch. Aktuell werden die Gläubiger der europäischen Peripheriestaaten noch vom Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank in Schach gehalten.

    Das schwache Wachstum und die geringe Inflation werden die Schuldenquoten in Italien, Spanien, Frankreich und vielen anderen europäischen Staaten weiter steigen lassen. Früher oder später, werden die Anleihegläubiger das Angebot der EZB daher einfordern.

    Da das Bundesverfassungsgericht das EZB-Programm jedoch für einen Verstoß gegen das Mandat der EZB und gegen die EU-Verträge hält, käme ein Einsatz des Anleihekaufprogramms einem Affront gegenüber dem undesverfassungsgericht gleich. Damit steht die EZB für den Fall eines erneuten Aufflammens der Krise weitgehend unbewaffnet da.
  • Die Europawahlen im Mai werden eine starke antieuropäische Front hervorbringen. Durch die Euro-Krise haben sich die Gesellschaften auseinandergelebt. Nationale Interessen gewinnen wieder Oberhand. Jeder Konflikt führt zu noch mehr Animositäten. Von politischer Seite ist daher keine durchschlagende Initiative zu der für den Fortbestand des Euro dringend benötigten tieferen europäischen Integration zu erwarten.
  • Der Grad der Spekulation an den Märkten ist historisch betrachtet außerordentlich hoch. So sind beispielsweise die Lombardkredite heute relativ zur Wirtschaftsgröße in den USA so hoch wie in der Spitze der Jahre 2007 und 2000. Im globalen Technologiesektor haben die Fusions- und Übernahmeaktivitäten das höchste Niveau seit dem Jahr 2007 erreicht.

    Facebook zahlte kürzlich bei der Übernahme des seit fünf Jahren existierenden Unternehmens WhatsApp einen Preis von 19 Milliarden US-Dollar. Damit ist WhatsApp höher bewertet als das Dax-Unternehmen Adidas. Jeder der 50 Mitarbeiter von WhatsApp wird im Rahmen der Transaktion mit einem Wert von 380.000.000 US-Dollar taxiert.

Nach zwei Jahren starker Kurszuwächse stehen die Aktienmärkte unseres Erachtens auf der Kippe. Ein starkes globales Wirtschaftswachstum und bisher nicht zu erahnende geniale Schachzüge der Notenbanken könnten die Märkte positiv beeinflussen.

Beides halten wir für wenig wahrscheinlich. Vor diesem Hintergrund sollten für das Jahr 2014 stärkere Kursschwankungen einkalkuliert werden. Das Erzielen möglichst hoher Kursgewinne tritt im Rahmen unserer Investitionsentscheidungen zu Gunsten einer erhöhten Absicherung des Portfolios in den Hintergrund.
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