Wenn das Burn-Out-Syndrom im Finanzvertrieb zuschlägt

Quelle: Fotolia

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Der heute 37-jährige Alexander B. hat seinen Tiefpunkt überwunden. Schon als Kind kam er mit allen gut zurecht, war extrovertiert und erfolgsverwöhnt. Doch irgendwann geriet der Drive, den er im Job hatte, ins Stocken.

Er war vor zwei Jahren vom Finanzberater zum Vertriebsleiter aufgestiegen und hatte über ein Jahr maßgeblich am Aufbau des Vertriebes in Süddeutschland gearbeitet. Ein 12-Stunden-Tag und häufige Reisen waren zur Normalität geworden. Sein Telefon ging pausenlos, die Zahl der täglich zu bearbeitenden E-Mails lag bei über 80.

Das Einschlafen gelang meist nur nach drei Gläsern Wein. Nach fünf Stunden war es dann mit dem Schlaf schon wieder vorbei. Er wirkte nach außen müde, matt und abgeschlagen, und nach innen fühlte er sich unruhig, nervös und angespannt. Wenn seine Frau ihn warnend darauf hinwies, sein Job fresse ihn auf, reagierte er aggressiv: „Ich schaff’ das schon“, war eine seiner Durchhaltparolen. Doch kurz bevor sich die ersten Vertriebserfolge zeigten, brach er zusammen.

Immer unter Strom


Erst nach diesem Zusammenbruch ließ er sich vom Arzt sagen, dass er sich gleich mehrfach überforderte: In den Bereichen Beruf, Beziehung und Gesundheit. Er wurde krankgeschrieben und sollte erst einmal wieder lernen regenerativ zu schlafen.
Im Coaching lernte er, wieder auf die eigenen Bedürfnisse zu hören. Er, der immer unter Strom stand, immer unter Menschen und für alle seine Mitarbeiter, Vertriebspartner und Kunden jederzeit da war, er entdeckte die Vorzüge des gezielten Alleinseins. Er lernte seine innere Stimme wahr- und ernst zu nehmen, die ihm zuflüsterte, was für ihn gut ist.

Terminologisch kommt der Begriff Burn-Out aus der Atomindustrie und bedeutet „ausbrennen“. Brennstäbe zur Erzeugung von Dampf und Strom brennen irgendwann aus, dann müssen Sie irgendwann in eine Wiederaufbereitungsanlage oder ins Endlager. Keine gute Aussichten, aber Menschen sind gottlob anders gebaut, sie können sich immer wieder selbst aufbereiten, sprich neue Energie tanken und damit selbst heilen.

Jedoch nur dann, wenn man dafür Körper, Geist und Seele ausreichend Gelegenheit bietet. Hieß es früher, jemand arbeite sich zu Tode, lautet die landläufige Diagnose heute, eine Person sei am Burn-Out-Syndrom erkrankt. Wie kommt es dazu und wer ist gefährdet?

Am Wendepunkt


Erschöpfung ist nichts krankhaftes, aber sie ruft nach Erholung. Was führte Alexander B. dazu, alle körperlichen Warnsignale zu ignorieren und sich die notwendige, regelmäßige Regeneration vorzuenthalten? Erfolg, Leistung und Einsatzbereitschaft sind angesehene Werte. Alexander B. wollte seinem Chef, seinen Kollegen, seinen Eltern und sich selbst beweisen, dass er nicht nur ein sehr guter Finanzberater ist, sondern auch das Zeug zu einem erfolgreichen Vertriebsleiter hat.