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„Wer heute Aktienindizes von Schwellenländern kauft, kommt 5 bis 10 Jahre zu spät“

Jonathan Asante
Jonathan Asante
„Die allgemeinen Lobeshymnen auf Schwellenländeranlagen sind beunruhigend“, erklärt Asante. Er könne es nicht verstehen, warum immer noch so viel Geld in die globalen Schwellenmarktaktien fließe. Denn die Bewertungen seien bereits viel zu hoch, so dass diese Anlagen mittelfristig nur durchschnittliche Erträge bieten würden.

„Die globalen Indizes für Schwellenländeraktien haben sich in den vergangenen Jahren deutlich besser entwickelt als die der westlichen Welt und sind daher alles andere als ein Geheimtipp“, sagt der Fondsmanager. Der MSCI Global Emerging Markets Index erzielte in US-Dollar auf Sicht von zehn Jahren eine jährliche Gesamtrendite von rund 15 Prozent. Der amerikanische S&P 500 Index hingegen lieferte im gleichen Zeitraum keinen nennenswerten Ertrag. „Wer heute Aktienindizes von Schwellenländern kauft, kommt leider fünf bis zehn Jahre zu spät“.

Das KGV der mexikanischen Wal-Mart-Tochter ist doppelt so hoch wie das des Mutterunternehmens

Die Bewertungen der Schwellenländerunternehmen höchster Qualität im Vergleich zu ihren Wettbewerbern in der entwickelten Welt zeigen laut Asante, wie stark Schwellenländeraktien überbewertet sind. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der mexikanischen Wal-Mart-Tochter beispielsweise ist doppelt so hoch wie das des Mutterunternehmens. Dabei dürfte Mexiko mittelfristig kaum schneller gewachsen sein als die USA – für Asante ein klares Anzeichen für eine spekulative Übertreibung.

Auch bei Firmen mit einer auf den ersten Blick niedrigen Bewertung ist laut Asante Vorsicht angebracht. „Die meisten dieser Firmen sind von so minderer Qualität, dass sie einem Portfolio nicht einmal beigemischt werden sollten“. Dazu zählt der Fondsmanager vor allem Unternehmen, die durch oder für einen Staat betrieben werden. „Möglicherweise sind diese Aktien tatsächlich günstiger, mittelfristig würden Investoren allerdings immense Risiken eingehen.“

Die Aktienmärkte in den Industrieländern hingegen seien viel besser als ihr Ruf. Vor allem westliche Unternehmen, die den Großteil ihrer Erträge in den Entwicklungsländern erzielen, werden sich laut Asante in der Zukunft besonders hervortun. „Vor zehn Jahren wurden Schwellenländeraktien als „auf dem absteigenden Ast" tituliert. Interessanterweise wird die westliche Welt heute von einigen mit genau diesem Prädikat ausgezeichnet.“

Keine Auswirkungen  auf den First State Global Emerging Markets Leaders

Für Asantes Fonds First State Global Emerging Markets Leaders hat der Schwellenmarkt-Pessimismus des Managers indes keine Konsequenzen. Das Portfolio setzt sich zu 53,6 Prozent aus asiatischen und zu 10,7 Prozent aus lateinamerikanischen Papieren zusammen. Die zweitgrößte geografische Position bildet die EMEA-Region, zu der sowohl westeuropäische Industriestaaten, als auch Osteuropa, Afrika und der Nahe Osten gehören. 6,2 Prozent des Fondsvolumens sind auf dem Geldmarkt angelegt.
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