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Studie über Konkurrenzkampf in Unternehmen

Wettbewerb unter Fondsmanagern ist gut fürs Geschäft

Der erfahrene Investor Charlie Munger meinte einmal: „Zeigen Sie mir den Anreiz, und ich zeige Ihnen das Ergebnis.“ Einfach ausgedrückt: Welche Kennzahlen ein Arbeitgeber verwendet, um die Leistungszulage zu bestimmen, wird wahrscheinlich einen tiefgreifenden Einfluss darauf haben, wie sich die Mitarbeiter verhalten. Das wiederum wirkt sich auf die Leistung von Unternehmen aus.

Eine von der Darden School of Business in Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlern durchgeführte Studie über die Leistung von Investmentfondsmanagern zeigt, wie Mungers Gedanke in der realen Finanzwelt zum Leben erwacht. Demnach unterscheiden sich die Ergebnisse deutlich, je nachdem ob die Mitarbeiter dafür bezahlt werden, gegeneinander anzutreten oder ob sie kooperieren sollen.

Welche Methode ist die beste?

Die Antwort hängt von den Zielen des Unternehmens ab. Unsere Forschung zeigt, dass Investmentfondsgesellschaften, die den Wettbewerb zwischen den Mitarbeitern fördern, tendenziell einen höheren Anteil an Star-Fonds haben. Die wettbewerbsorientierten Firmen hatten in der Auswertung nicht nur mehr Star-Fonds, sondern auch eine höhere durchschnittliche Fonds-Performance. Das bedeutet: Die Gesamtperformance der Fonds in einer Fondsfamilie ist höher, wenn die Fondsmanager in einem Wettbewerb um die beste Leistung gegeneinander antreten.

Die Förderung des Wettbewerbs zwischen den Beschäftigten hatte jedoch eine Kehrseite: Es gab eine höhere Schwankungsbreite bei den Fondserträgen. Der Unterschied bei den Anlagerenditen zwischen den besten und den schlechtesten Fonds war größer, als wenn die Unternehmen die Zusammenarbeit zwischen den Beschäftigten förderten.

Unsere Untersuchung zeigte auch, dass Firmen, die die Zusammenarbeit förderten, mehr Cross-Trading und Cross-Holdings von Wertpapieren hatten und dass ihre Cashflows tendenziell stabiler waren.

Renditen über mehr als 20 Jahre untersucht

Für die Studie untersuchten wir die Renditen fünf verschiedener Arten von Investmentfonds im Zeitraum von 1992 bis 2015. Konkret handelte es sich um Fonds, die US-Aktien, Nicht-US-Aktien, US-Anleihen, Nicht-US-Anleihen und ausgewogene Portfolios mit mehreren gehaltenen Anlageklassen verwalteten. Wir haben uns dann eingehend damit befasst, wie die Portfoliomanager bezahlt wurden. Statistiken über Ausgaben, Fondserträge und Portfolioumschlag wurden ebenso analysiert wie der Grad der Überkreuzbeteiligungen zwischen Investmentfonds derselben Fondsfamilie.

Wir haben zudem einen Wettbewerbsindex erstellt, der misst, wie die Anreize ein höheres oder niedrigeres Wettbewerbsniveau gefördert haben. Dabei stellten wir fest, dass höhere Wettbewerbsindizes mit einer höheren Leistung der Fonds korrelierten und umgekehrt.

Warum also kooperieren?

Angesichts des Rufs der Finanzindustrie, in der ein harter Wettbewerb herrscht, stellt sich die Frage: Warum sollte sich ein führendes Finanzunternehmen für einen kooperativen statt einen wettbewerbsorientierten Ansatz entscheiden?

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