„Wetten auf fallende Zinsen lohnen nicht“

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Die Europäische Zentralbank hat heute den Leitzins von 3,75 auf 3,25 Prozent gesenkt. Was Berater ihren Baufinanzierungskunden im aktuellen Zinsumfeld empfehlen sollten, erläutert Florian Neumeier im Gespräch mit DAS INVESTMENT.com. Neumeier ist Geschäftsführer des Baufinanzierungsbrokers Prohyp.

DAS INVESTMENT.com: Welchen Zinsschritt haben Sie erwartet?

Florian Neumeier: Ich war von einer Senkung um einen halben Prozentpunkt ausgegangen.

DAS INVESTMENT.com: Wie geht es mit der Zinspolitik der EZB weiter - ist das Ende der Fahnenstange vorerst erreicht?

Neumeier: Ich halte es für möglich, dass die Zentralbank in den kommenden Wochen den Leitzins noch einmal um weitere 25 Basispunkte senkt. Angesichts einer rückläufigen Inflationsrate von zuletzt 2,4 Prozent im Oktober rechne ich allerdings für die kommenden Monate eher nicht mit weiteren Zinssenkungen.

DAS INVESTMENT.com: Inwieweit werden die Banken die aktuelle Zinssenkung an Immobilienkunden weitergeben?

Neumeier: Die Banken bieten ihren durch die Finanzkrise verunsicherten Sparkunden derzeit hohe Zinsen  etwa für Tagesgeld, um weiterhin Zuflüsse auf der Einlagenseite zu erhalten. Damit haben sie nur wenig Spielraum, die damit refinanzierten Immobiliendarlehen günstiger zu machen.

DAS INVESTMENT.com: Was bedeutet das für Berater - was sollen sie ihren Kunden raten, die derzeit kaufen wollen?

Neumeier: Wie gesagt, ich gehe nicht davon aus, dass die Zinsen für Immobiliendarlehen jetzt und auch in den kommenden Monaten deutlich sinken werden. Der aktuelle flache Verlauf der Zinsstrukturkurve ermöglicht es gegenwärtig, selbst Finanzierungen über 30 Jahre zu unter fünf Prozent abzuschließen. Angesichts eines langfristigen Durchschnitts von rund 6,5 Prozent können die Darlehensnehmer mit langen Laufzeiten nicht viel falsch machen und gewinnen hohe Planungssicherheit.

DAS INVESTMENT.com: Doch die durch die Finanzkrise ausgelöste Eintrübung der Weltwirtschaft wird so schnell nicht überwunden sein. Sollten Kunden, deren Zinsbindung demnächst ausläuft, deshalb lieber auf weiter sinkende Zinsen spekulieren oder lieber jetzt die Anschlussfinanzierung über Forward-Darlehen festzurren?
 

Neumeier: Das derzeitige Zinsniveau ist bereits sehr günstig, vor allem wenn man bedenkt, dass das Gros der Kunden meist zehn Jahre Zinsbindung vereinbart. Wer 2000 und 2001 abgeschlossen hat, muss für sein Darlehen rund sechs Prozent Zinsen zahlen und steht damit jetzt im Vergleich sehr gut da. Insofern würde ich von Wetten auf weiter sinkende Zinsen eher abraten. Kunden, bei denen die Zinsbindung erst in zwei oder drei Jahren ausläuft, sollten bedenken, dass sich die Wirtschaft dann voraussichtlich erholt haben wird, was meist mit höheren Zinsen einhergeht. Für sie lohnt sich das Festzurren der aktuellen Konditionen über Forward-Darlehen besonders.

DAS INVESTMENT.com: Inwieweit macht sich die Finanzkrise direkt auf Ihr Geschäftsfeld bemerkbar?

Neumeier: Wir registrieren eine deutlich gestiegene Nachfrage nach Immobiliendarlehen, da sich Anleger wieder verstärkt auf sichere Investments wie zum Beispiel das Eigenheim besinnen. Auch von Beraterseite steigt die Nachfrage: Viele möchten sich angesichts der desaströsen Lage an den Finanzmärkten breiter aufstellen und auch Immobilienfinanzierungen in ihr Produktangebot aufnehmen.