Das klassische Beratungssgespräch könnte sich bald ändern: In der aktuellen Situation sind die Menschen dazu gezwungen, neue Kommunikationswege zu nutzen. | © imago images / PhotoAlto Foto: imago images / PhotoAlto

Wholesale-Vertrieb

„Jetzt wird sich zeigen, welches Haus anpassungsfähig ist“

Beate Meyer, Leiterin Wholesale-Vertrieb Deutschland bei UBS Asset Management

Frau Meyer, Deutschland und ganz Europa steht unter Corona-Schock. Viele Unternehmen – vor allem kleinere und mittelständische – trifft die Krise hart. Vor welchen Herausforderungen steht nun auch der Vertrieb im Asset Management?

Beate Meyer: Die Corona-Krise bringt uns in die außergewöhnlichste Situation, die wir bis dato erlebt haben, und stellt jeden von uns unter massive berufliche und persönliche Herausforderungen. In diesen Zeiten gilt es ruhig zu bleiben und vertrauensbildende Maßnahmen einzuleiten. Eine der größten Herausforderungen liegt in der Balance den Kunden jetzt transparente Informationen zu bieten, ohne sie dabei zu überfordern.

Neben der aktuellen Krisenlage bleibt natürlich eine Herausforderung im Vertrieb weiterhin bestehen, die wir als einen langfristigen Trend beobachten: Der Margendruck steigt, und das für alle Asset Manager. Wir stehen alle vor der entscheidenden Aufgabe, wie wir künftig unsere Earnings generieren können, gerade auch mit aktiv verwalteten Produkten.

Auf der anderen Seite haben wir das passive Geschäft, das immer mehr an Marktanteil gewinnt. Aber auch hier ist der Margendruck hoch. Zudem begleitet uns das niedrige Zinsumfeld seit Längerem und beschäftigt unsere Kunden. Deshalb stellen wir uns im aktiven Asset Management die Frage, wie wir unsere Kunden mit passenden Produkten bestmöglich bedienen können.

Die Pandemie bietet demnach innovativ aufgestellten Asset Managern nicht zuletzt auch Chancen?

Meyer: Der Trend zur virtuellen Kommunikation hat sich bereits in den vergangenen Jahren beschleunigt. Mit der Ausbreitung des Corona-Virus wird diese Entwicklung noch weiter vorangetrieben – in der aktuellen Situation sind die Menschen dazu gezwungen, neue Kommunikationswege zu nutzen. Aber auch mit Blick auf die Notwendigkeit einer Umstellung des Wirtschaftslebens auf mehr Nachhaltigkeit stellt sich die Frage, ob wir künftig noch um die Welt reisen werden, um Meetings und Konferenzen zu besuchen oder ob wir stattdessen neue Medien nutzen. Ich gehe davon aus, dass wir auf der Vertriebsseite künftig zweigleisig fahren werden.

Viel entscheidet sich hier über nachhaltig gute Renditen…

Meyer: Performance ist natürlich ein großes Thema, gerade im Zusammenhang mit einem stabilen Investmentprozess. Was in den vergangenen Jahren sehr stark hinzugekommen ist – und was uns weiterhin beschäftigen wird – ist die starke Regulierung. Daraus resultieren wiederum Dienstleistungen und Reportings, die wir unseren Kunden zur Verfügung stellen beziehungsweise von ihnen einfordern müssen. Für die meisten Assetmanager bedeutet das zusätzliche Kosten, die einhergehen mit den ohnehin schon niedrigen Margen. In diesem Umfeld bewegen wir uns. Die damit verbundenen Aufgaben werden uns – neben der Corona-Krise und dem Geschehen an der Börse – auch weiter beschäftigen.

Wie wollen Sie diese Herausforderungen angehen? Welche Ziele haben Sie sich in Ihrer neuen Position für UBS Asset Management gesetzt?

Meyer: Auf der einen Seite ist unser Haus am Markt schon sehr gut positioniert. Das heißt, wir können auf einer guten Grundlage aufbauen. Außerdem spielt China bei unserer Positionierung eine sehr große Rolle. Viele Anleger kennen uns in erste Linie als chinesischen Aktienmanager. In der Tat ist es so, dass UBS ganz klar eine starke Aktienorientierung hat. Hier wollen wir uns auch künftig breiter positionieren. Einige Investoren kennen uns aber auch schon auf der Fixed Income-Seite; auch hier bieten wir hervorragende Produkte an. Allerdings sind wir dafür noch nicht so bekannt, weshalb wir diese Produktpalette stärker in den Fokus stellen werden.

Ein weiterer Punkt, der gut in das aktuelle Marktumfeld passt, ist unser offener Immobilienfonds, UBS Euroinvest Immobilien, mit aktuell 15 Projekten. Im Fonds sind ausschließlich Bürogebäude enthalten, die sich im Gegensatz zu Hotel- und Shoppingimmobilien nun als sehr resistent erweisen. Auch für Kunden, die ihr Immobilienportfolio mit Büros breiter aufstellen wollen, bietet der Euroinvest eine gute Möglichkeit.

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