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Aktienhändler in New York: In Deutschland fokussieren sich viele Anleger in turbulenten Zeiten auf die Versicherungsbranche.  | © imago images / Xinhua Foto: imago images / Xinhua

Wie Anleger auf die Börsenpanik reagieren

Lebensversicherer sind plötzlich wieder en vogue

Die Lebensversicherung feiert ihr Comeback – die Deutschen kaufen immer mehr davon, obwohl viele bereits fünf oder gar zehn besitzen. Warum gibt es einen starken Anstieg in Deutschland? Offensichtlich sind für die hohe Nachfrage andere Gründe als die Rendite maßgeblich verantwortlich. Vom Garantiezins von 0,9 Prozent – das hat die Kölner Ratingagentur Assekurata Anfang 2017 ausgerechnet – bleiben durchschnittlich nur knapp 0,11 Prozent pro Jahr übrig.

Null-Risiko-Mentalität deutscher Anleger

Das Gefährdungspotenzial an den Börsen lässt vielen Sparern die Lust auf Abenteuer vergehen. Der deutsche Anleger verfolgt eine Null-Risiko-Mentalität – das sorgt nicht nur für Langeweile, sondern auch für schlechte Investitionsentscheidungen.

Zum Vergleich: Italiener und Belgier haben ein höheres Pro-Kopf-Einkommen, obwohl sie ein niedrigeres Lohnniveau haben. Dennoch sind Lebensversicherungen nicht die erste Wahl bei Investitionen, sondern Immobilien. Zum erfolgreichen Investieren gehören: Der kritische Blick auf die Realität – also auf jene Umstände, die sich auf Dauer nicht verdrängen lassen. Es gehört die Fähigkeit dazu, selbstkritisch eigene Fehler einzusehen und aus ihnen zu lernen. Manchmal lässt es sich auch nicht vermeiden, Angst zu haben.

Einfluss der Medien auf das Anlegerverhalten

Das Leseverhalten vor allem hierzulande beeinflusst das Anlageverhalten der Bundesbürger. Vor allem wenn sich in Bestseller-Listen absurd viele Titel wie „Der größte Crash aller Zeiten“, „Weltsystem Crash“ sowie „Der Draghi-Crash“ finden.

Tatsächlich gibt es zahlreiche Leser für solche Titel. Die Deutschen bereiten sich bei einem Dax-Stand von 8.000 Punkten genauso auf den Crash vor wie bei 13.000 Punkten. Sie haben eine gewisse wohlige Lust am Untergang, pochen auf ihre Lebensversicherungen und zählen ihre Goldmünzen – die deutschen Privathaushalte verfügen über mehr Gold als die US-Zentralbank.

Droht ein erneuter Konjunktureinbruch?

Im Herbst 2008 etwa konnte nur derjenige keine Angst vor dem Zusammenbruch der Finanzmärkte haben, der sehr wenig von Wirtschaft verstand oder keinen Zugang zu den Medien hatte. Angst darf nicht zu einer Grundhaltung werden, die sich in einer systematischen Überschätzung von Risiken und der dazugehörigen permanenten Aufregung widerspiegelt.

Die Sorgen um die Folgen der Coronavirus-Ausbreitung belasten weiterhin die globalen Finanzmärkte. Wie schlimm ist es wirklich und welche Auswirkung hat der Ausbruch des Erregers auf die Wirtschaft? Wie geht man rational mit einer Bedrohung um, von der weder die Schwere noch die Häufigkeit bekannt ist?

Auswirkungen auf die Globalisierung

Eng mit China verflochtene Produzenten von Konsumgütern, wie etwa Apple, bekommen bereits sowohl den Nachfrage- als auch den Produktionsausfall zu spüren. Wenn die chinesischen Zulieferer wie Foxconn teilweise ausfallen, werden bald auch eine Reihe von Industrien in weit entfernten Gegenden ihre Produktion drosseln müssen. China ist nach wie vor die Werkbank der Welt.

Auch die Tourismus-Branche leidet erheblich, denn die Auslandsreisen vieler Chinesen fallen weg. Da die Weltwirtschaft ohnehin nicht in robuster Verfassung ist und gerade erst eine Rezession abgewendet hat, sind all das keine guten Nachrichten.

Es würde daher nicht überraschen, wenn wir im ersten Halbjahr 2020 eine deutliche Korrektur an den Aktienmärkten sehen würden. Vielleicht 10 Prozent oder sogar 15 Prozent Verlust sind zu erwarten. Insbesondere Europa ist heute sehr viel stärker von China abhängig als noch 2003 beim Ausbruch des SARS-Virus – und europäische Aktien sind in den letzten Monaten kräftig gestiegen.

Absicherung in turbulenten Zeiten

Wie kann man sein Portfolio gegen einen solchen Einbruch versichern? Gold, Schweizer Franken und US-Dollar wären eine Möglichkeit. Andere Alternativen wären Volatilitäts-Indizes, Bundesanleihen, Futures und Optionen.

Wir werden von diesen Möglichkeiten vorerst keinen Gebrauch machen. Diese Art der Versicherungen ziehen Kosten nach sich: Die meistens zu hoch sind oder nur geringen Schutz gegen die Schwankungsanfälligkeit von Portfolios bieten. Wenn Aktien aus Angst verkauft werden, geht das in den seltensten Fällen gut. Optionen sind nicht billig, Gold ist stark gestiegen, Staatsanleihen sind negativ verzinst. Wenn langfristig orientierte Investoren Wertpapiere verkaufen, haben sie meist einen von zwei guten Gründen: Entweder sind alle guten Nachrichten bereits im Kurs reflektiert und das Wertpapier hat kaum noch Potenzial oder es hat sich Grundlegendes geändert im Geschäftsmodell oder im langfristigen Ausblick.

Das Geschäftsmodell von Apple, Alibaba oder LVMH ist durch das Coronavirus nicht gefährdet. Doch eine gewisse Panik steht wahrscheinlich noch bevor. Eine Branche profitiert auf jeden Fall: Die Versicherungsdienstleister dürften demnächst weitere Absatzrekorde bei Lebensversicherungen melden.

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