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Überfüllte Wanderwege in Südtirol Foto: imago images / Mattias Christ
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Rolle des Menschen in der technologisierten Welt

Wie aus Selbstverwirklichung Rendite wird

Walter Liebe, Pictet AM

Die Technologie-Euphorie der vergangenen Jahre hat in der Wahrnehmung der Kapitalmärkte, aber auch in der Realwirtschaft die Prioritäten deutlich verschoben. Das technisch Machbare beziehungsweise Wünschenswerte wurde ausgiebig diskutiert. Wenig überraschend, dass im Bundestagswahlkampf 2017 auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel der Begriff „Disruption“ aufgegriffen wurde. Ein Wort, das nicht wenige damals erst einmal nachschlagen mussten.

Seither hat sich vieles verändert. Digitalisierung – in den Schulen ebenso wie in der Arbeitswelt – sowie Robotik, autonomes Fahren und moderne Lebens- und Stadtkonzepte bestimmen die Analysen in der Presse und die öffentliche Diskussion. An den Aktienmärkten werden wahre Feuerwerke für Aktien mit „innovativen“ Geschäftsmodellen abgebrannt, selbst wenn diese (noch) nicht profitabel sind. Größtenteils sind die Kursaufschläge auch berechtigt, denn anders als zur Jahrtausendwende funktionieren diese Geschäftsmodelle und können rasch profitabel werden.

Soziale Folgen der Robotisierung schaffen neue Freiräume

Die sozialen Folgen der zunehmenden Digitalisierung und Robotisierung werden gelegentlich ebenfalls diskutiert, insbesondere im Hinblick auf mögliche Arbeitsplatzverluste. Hierbei besteht in der Tat das Risiko, dass ein bestimmter Teil von Tätigkeiten in einer Volkswirtschaft in absehbarer Zeit durch autonome Systeme und künstliche Intelligenz ersetzt werden können. Gleichzeitig sind neue Qualifikationen am Arbeitsmarkt gefragt. Die möglichen sozialen Folgen eines raschen Wandels wurden bereits im Jahr 2014 von Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee, Forscher am Massachusetts Institute of Technology, in ihrem Buch „Das zweite Maschinenzeitalter“ thematisiert.

Eine der Schlussfolgerungen der Autoren war, dass durch die „Entlastung“ des Produktionsfaktors Arbeit durch autonome Systeme sich künftig größere Freiräume für die Selbstentfaltung des Menschen ergeben – sofern natürlich die soziale Abfederung des Transformationsprozesses gewährleistet ist. Diese Freiräume werden die Menschen nutzen für Aktivitäten, die über die reine Befriedigung ihrer elementaren Bedürfnisse hinausgehen (also die Bedürfnisse nach Nahrung, Wohnung, Sicherheit und sozialer Interaktion). Ganz oben auf der vom Gründervater der Humanistischen Psychologie Abraham Maslow entwickelten „Bedürfnispyramide“ steht der Wille nach Selbstverwirklichung, die sich in drei Unterbereiche strukturieren lässt: Der auch im Hinblick auf die ökonomische Langzeitrelevanz bedeutsamste Bereich ist dabei sicherlich das „Lernen“. Es führt zum Erfolgserlebnis von Arbeit und Bildung, das Unabhängigkeit, Vertrauen und finanzielle Stabilität schafft.

Aber auch ein starker zwischenmenschlicher Bereich ist bei der Selbstverwirklichung wichtig: Der Faktor „Füreinander sorgen“ bewirkt Seelenfrieden, der durch die Unterstützung von Familie und Freunden, durch das Finden eines Partners, durch die Betreuung eines Angehörigen oder die Gesellschaft von Haustieren entsteht. Drittens ist noch der Faktor „Genießen“ zu nennen, also das Gefühl, das durch Unterhaltung, Reisen, gutes Essen und kulturelle Erfahrungen gewonnen wird.

Zugleich verlaufen Lebensstadien künftig immer weniger linear mit klaren Abschnitten, sondern werden dynamischer mit wechselnden Phasen und Durchmischungen.

Anlagestrategien mit dem Menschen im Mittelpunkt

Die Zeitersparnis und Wohlstandsgewinne einer digitalisierten Volkswirtschaft erlauben es den Menschen, dem Faktor Selbstverwirklichung größere Beachtung zu schenken. Es entstehen innovative Geschäftsmodelle, die zumeist durch langfristige Wachstumstreiber – ergo Megatrends wie Demografie, Wissensgesellschaft, Kommerzialisierung oder Dematerialisierung – befeuert werden. Wenngleich Dienstleistungen rund um den Menschen gewissermaßen als die Antithese zu Robotik und Technisierung wahrgenommen werden könnten, so handelt es sich doch ebenso um ein Wachstumsfeld. Innovation trifft hierbei auf eine strukturell steigende Nachfrage.

Anleger dürften alle diese Attribute als Zutaten für eine thematische Aktienstrategie erkennen, da langfristige Wachstumsaussichten immer auch Unternehmen fördern, die entsprechende Lösungen anbieten. Alleine die Bereiche Bildung, Karriere, soziales Miteinander, Haustiere, Reisen und Freizeit sowie Unterhaltung und Esskultur stehen für ein riesiges Anlageuniversum aus börsennotierten Gesellschaften im Marktwert von mehr als 2 Billionen US-Dollar. Wenn man nun hohe ethische Maßstäbe an die soziale Dimension der Dienstleistungen rund um den Menschen anlegt – also kontroverse oder umweltschädliche Betätigungen ausschließt – reduziert sich das Anlagespektrum etwas, bleibt aber mit 200 bis 250 Aktien rund um den Globus breit diversifiziert. Neben Konsumwerten finden sich entsprechende Titel in zahlreichen weiteren Sektoren. Die Selbstverwirklichung der Menschheit tritt in eine neue – spannende – Phase ein.

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