Sven Schubert (Gastautor)Lesedauer: 5 Minuten

Vontobel-Stratege über Chinas Handels-Coup Wie das RCEP-Freihandelsabkommen die Welt verändert

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Frage: Könnte das RCEP den asiatischen Volkswirtschaften helfen, insbesondere den Mitgliedern der Schwellenländer, sich von der COVID-19-Pandemie zu erholen?

Aus wirtschaftlicher Sicht ist dies eindeutig eine positive Entwicklung, da innerhalb der Region viel Handel betrieben wird. Ungefähr 40 Prozent der asiatischen Exporte bleiben in Asien. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass die realwirtschaftlichen Auswirkungen des Abkommens bereits in naher Zukunft spürbar werden, da die Umsetzung zwar im Jahr 2021 beginnen soll, die Zollsenkungen wahrscheinlich aber erst im Jahr 2022 greifen werden. Die wirtschaftliche Erholung der Region kommt allerdings ohnehin, da viele asiatische Länder die Pandemie besser bewältigt haben als die Staaten Europas oder die USA.

Die Auswirkungen sind wahrscheinlich nicht nur wegen des beträchtlichen intraregionalen Handels erheblich, sondern auch, weil sich die Lebensstandards in den jeweiligen Ländern voneinander unterscheiden. So haben wir Länder mit niedrigem (Myanmar, Kambodscha, Laos, Vietnam und Philippinen), mittlerem (Indonesien, Thailand, China und Malaysia) und hohem Einkommen (Brunei, Südkorea, Japan und Singapur) in der Union. Die Umstrukturierung von Versorgungsketten dürfte zudem einen neuen Schub erhalten, womit einige Produktionsstätten aus China in andere südostasiatische Länder verlagert werden könnten. Alles in allem dürfte sich daher das Abkommen beflügelnd auf die Stimmung der Investoren auswirken und Asien als Wachstumsmotor der Welt stärken.

Frage: Große Volkswirtschaften wie Indien und die USA sind nicht am RCEP beteiligt. Bedeutet das, dass China bei der Festlegung der Bedingungen wesentlich mehr Macht haben wird?

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