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Hanjo Allinger im Gespräch Wie der CO₂-Emissionshandel das Klima wirklich schützen kann

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Welche Optionen gibt es noch?

Allinger: Neben technischen Möglichkeiten zur-CO2-Abscheidung träumen einige davon, die Speicherfähigkeit natürlicher Senken wie die der Ozeane zu erhöhen. Durch großflächige Düngung der Meere mit Eisenoxid soll das Wachstum von Plankton angeregt werden. Der nicht in der Nahrungskette verbrauchte Teil des Phytoplanktons sinkt nach dessen Absterben zum Meeresboden und der darin gebundene Kohlenstoff ist dem Kreislauf längerfristig entzogen.

Welchen Beitrag dies in der Praxis tatsächlich zur Abscheidung von CO₂ leisten kann, ist jedoch noch nicht hinreichend erforscht. In der Wissenschaft ist die Skepsis gegenüber solchen Geo-Engineering-Projekten sehr groß.

Woran hakt der derzeitige Klimaschutz per Emissionshandel?

Allinger: Die derzeitige Reduktionsrate von 2,2 Prozent der im Rahmen des europäischen Emissionshandels jährlich ausgegebenen Emissionsrechte reicht nicht aus, um das 1,5-Grad-Ziel ohne ein Überschießen, also die temporäre Überschreitung des für 1,5 Grad verbleibenden CO₂-Budgets zu erreichen. Derzeit bräuchten wir nach meinen Berechnungen eine Reduktion der klimarelevanten Gase von rund 7 Prozent pro Jahr, die in Zukunft (dann auf absolut geringerem Niveau) noch deutlich steigen müsste.

Es ist unrealistisch zu erwarten, dass die Differenz in der tatsächlichen Reduktion der Schwerindustrie und der erforderlichen Reduktion durch entsprechend höhere Einsparungen in den nicht erfassten Unternehmensbereichen oder durch die privaten Haushalte erbracht werden kann. Bereits emittiertes CO₂ muss also wieder in der Atmosphäre gebunden und abgeschieden werden.

Dies vorausgesetzt, steuern wir aber auf eine Situation zu, in der wir bereits zu einem Zeitpunkt bei netto null Emissionen sein sollten, zu dem den Unternehmen noch immer Emissionsrechte zur legalen Verschmutzung zu Verfügung stehen. Es muss also massiv in Technologien zum Abbau von CO₂ investiert werden. Wollen wir das 1,5-Grad-Ziel nicht verfehlen, müssten die dafür erforderlichen Mittel von der öffentlichen Hand aufgebracht werden.

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