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Bafin-Umfrage Wie der Finanzsektor mit Nachhaltigkeit umgeht

Entspannter Blick aufs Frankfurter Bankenviertel
Entspannter Blick aufs Frankfurter Bankenviertel: Beim Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken kann der deutsche Finanzsektor noch nachbessern. | Foto: imago images / Ralph Peters

Die Finanzbranche hat die Dringlichkeit des Themas Nachhaltigkeit weitgehend erkannt. Handlungsbedarf besteht dennoch. Dies zeigt eine Umfrage der Bafin unter fast 400 Unternehmen aus dem Banken-, Versicherungs- und Wertpapiersektor. Die Finanzaufsicht wollte wissen, wie die Unternehmen mit Nachhaltigkeitsrisiken umgehen, wo sie im Hinblick auf die ESG-Kriterien stehen und was sie planen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Unternehmen bei ihren Nachhaltigkeitsbemühungen nicht nur auf Klima- und Umweltrisiken schauen, sondern in ebenso hohem Maß soziale Faktoren und Governance-Aspekte einbeziehen. Den Unternehmen gehe es dabei in erster Linie darum, Reputationsschäden zu vermeiden sowie Nachhaltigkeitsrisiken zu erkennen und zu beobachten. Kreditinstitute geben zudem an, die Chancen aktiv zu nutzen, die sich aus der Transition der Wirtschaft ergeben.

Auch wenn es nahezu Konsens unter den Befragten ist, dass Nachhaltigkeitsrisiken die bekannten Risikoarten beeinflussen, so stuft nur ein Teil diesen Einfluss als wesentlich ein. Vor allem kleine und mittelgroße Kreditinstitute sehen Nachhaltigkeitsrisiken nur vereinzelt als wesentlich oder als wesentliche Treiber von Risikoarten. Im Wertpapiersektor hingegen werden sie am häufigsten als wesentlich bewertet, insbesondere im Hinblick auf das Reputationsrisiko (81 Prozent), das strategische Risiko (65 Prozent) sowie das Marktrisiko (45 Prozent).

Viele Unternehmen berücksichtigen bereits Nachhaltigkeitsrisiken in ihren Geschäftsstrategien. Allerdings sind nur 12 Prozent der befragten Unternehmen dazu bereit, kritische Geschäftsfelder aus Nachhaltigkeitsgründen gänzlich einzustellen. 27 Prozent schränken solche Bereiche zumindest ein.

Bei der Festlegung des Risikoappetits spielen laut Umfrage nachhaltigkeitsspezifische Risiken kaum eine Rolle. Zwar gebe es zum Teil regionale oder sektorspezifische Ausschlüsse oder Begrenzungen, kaum ein Unternehmen habe aber den strategischen Planungshorizont ausgeweitet. Hier sieht die Bafin zumindest für Kreditinstitute und größere Unternehmen im Wertpapierbereich Handlungsbedarf, da die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) eine solche Ausweitung ausdrücklich befürworte und entsprechende regulatorische Änderungen zu erwarten seien.

Nachhaltigkeit fehlt im Risikomanagement

Auch beim Risikomanagement sieht die Aufsicht Nachholbedarf. So hat bisher beispielsweise nur ein Teil der befragten Kreditinstitute (31 Prozent) Nachhaltigkeitsrisiken in die eigenen internen Leitlinien zum Risikomanagement integriert. Außerdem mangele es meist an Methoden zur Identifikation und Bewertung von Nachhaltigkeitsrisiken, kritisiert die Bafin.

Auch nachhaltigkeitsbezogene Stresstests setzen Unternehmen nur teilweise ein. Am häufigsten ist dies im Versicherungssektor (23 Prozent) der Fall. Da die Bafin diese als ein besonders probates Mittel für die Einschätzung künftiger Risiken und ungewisser Gefahrenlagen sieht, begrüßt sie, dass immerhin 39 Prozent der befragten Unternehmen an nachhaltigkeitsbezogenen Stresstests arbeiten.

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