Windpark im Kreis Heinsberg, Nordrhein-Westfalen Foto: imago images / Jochen Tack

Fülle für die Hülle

Wie der Trend zum Eltif Fahrt aufnimmt

Viele Jahre lang ist die Anlegerwelt geteilt. Großanleger stecken Geld über direkte Beteiligungen in Unternehmen. Sie steigen in Flughäfen, Kraftwerke, Mautstraßen ein. In Flugzeuge, Schiffe, sogar Parkuhren. Private Markets – private Märkte – nennt sich diese Welt jenseits der Börsen. Zum Beispiel Private Equity: Ein Manager kauft Anteile von Unternehmen, bringt sie auf Vordermann und verkauft sie (viel) später mit Gewinn.

Will ein Privatanleger mitmischen, muss er hohe Einstiegssummen aufbringen. Die Fonds enthalten oft nur wenige Objekte und liegen direkt beim Anbieter. Ab und zu gibt es Berichte, der steuerliche Kram ist schwierig.

Das alles ändert sich jetzt, denn die Private-Equity-Welt hat sich weitergedreht. Mit dem European Long-Term Investment Funds (Eltif) hat die Europäische Union ein Vehikel geschaffen, das jetzt auch Privatanlegern Zugang zu Private Markets bietet: Anteile an Unternehmen (Private Equity), Kredite (Private Debt), Infrastruktur und Immobilien.

Dabei kommt das Zauberwort „Illiquiditätsprämie“ ins Spiel: Anlagen, die nicht über öffentliche Märkte handelbar und damit illiquide sind, bringen oft einen Renditeaufschlag mit sich. Das soll Anleger dafür entschädigen, dass sie für längere Zeit auf ihr Geld verzichten.

Wie hoch die Prämie wirklich ist, hängt wie immer von den Umständen und der Fondsstrategie ab. Aber es gibt Daumengrößen. „Der Vorteil des breiten Private-Equity-Markts gegenüber börsennotierten Aktien kann in etwa bei 1 bis 3 Prozentpunkten im Jahr liegen. Zusätzliche Outperformance lässt sich durch fundierte Auswahl der richtigen Manager erreichen“, sagt Sebastian Boesen, Private-Markets-Spezialist bei der UBS. Eine Richtmarke für Infrastruktur nennt Benjamin Fischer, Leiter Strategische Kunden und Partnerschaften im iShares- und Wealth-Geschäft von Blackrock: „Dort liegt der Aufschlag bei 4 bis 5 Prozentpunkten im Jahr auf die offizielle Inflationsrate.“

Für Kredite berichtet Erik Welne, dass er auf dem Markt Mehrrenditen über börsengehandelten Hochzinsanleihen beobachtet. Wobei man etwas beachten müsse, so der Vertriebs- und Marketing-Mann vom Anleihespezialisten Muzinich: „Private-Debt-Schuldner haben im Schnitt das Rating B. Am Hochzinsmarkt liegt es etwas höher, also etwa bei BB.“

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