Computer-Nutzer sichtet den Kapitalmarkt Foto: Unsplash.com

Es werde Licht

Wie die Fondsbranche Gebühren und Kosten schrittweise offenlegt

Man könnte die 90er Jahre auch als das dunkle Zeitalter der Investmentkultur bezeichnen. Zumindest was jene nicht ganz unwichtige Information betrifft, wie viel ein Investmentfonds denn eigentlich kostet. Was das für den Erfolg des Produkts bedeutet, zeigen zahlreiche Studien. So auch eine Untersuchung des Petersmann Instituts vor etwas über einem Jahr. Demnach lieferten nur 28 Prozent aller überdurchschnittlich teuren Aktienfonds über fünf Jahre auch einen überdurchschnittlichen Gewinn. Fonds mit unterdurchschnittlichen Kosten liefen aber zu 85 Prozent besser als die Vergleichsgruppe.

Vor 20 Jahren beschränkte sich die Fondsbranche zumeist darauf, die Management- und Depotbankgebühren offenzulegen. Wobei Erstere den größten Block stellt. Der Chefanalyst bei Morningstar Deutschland, Ali Masarwah, wertete jüngst alle in Europa zugelassenen Fonds aus, darunter auch institutionelle Anteilsklassen. Demnach kostet ein aktiver Aktienfonds im Schnitt 1,32 und ein Rentenfonds 0,74 Prozent Managementgebühr.

In den Nullerjahren kam Bewegung in die Sache. Den Anfang machte 2004 die Gesamtkostenquote TER, die das Investmentgesetz vorschrieb. Sie bündelte bereits einige regelmäßige Kosten, darunter die erwähnte Managementgebühr, und machte Fonds damit besser vergleichbar.

Es folgte die Ongoing Charge im Informationsblatt KIID. Laut Masarwahs Studie liegt sie für Aktienfonds bei 1,65 und für Rentenfonds bei 0,91 Prozent. Später wurde daraus die Ongoing Cost nach Mifid. Und ab 2022 soll die EU-Verordnung PRIIPs greifen, die mit dem Informationsblatt KID daherkommt – nicht zu verwechseln mit dem KIID.

Es tut sich also was, und am Ende sollen alle Maßnahmen die Blackbox Investmentfonds ausleuchten. Was zahlen Anleger tatsächlich für ihre Produkte? Und zu dieser Frage heißt die Antwort eben nicht nur TER. Dachfonds zum Beispiel zahlen stets Managementgebühren an die Zielfonds, die sie kaufen. Wenn Fonds Wertpapiere verleihen, können ihnen dadurch Erträge entgehen. Auch das sind Kosten.

Nicht zu vergessen die Erfolgsgebühren, über die Fondsgesellschaften zusätzlich noch vom Ertrag ihrer Anleger etwas kassieren. Sie sind bei Hedgefonds seit Jahrzehnten üblich, kamen aber zugleich mit der TER auch für Publikumsfonds in Mode. Darin mit enthalten waren sie aber nicht. Immerhin tauchen sie in den KIIDs zumindest extra als „eventuelle Kosten“ neben den einmaligen Kosten wie Ausgabe- und Rücknahmegebühren auf.

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