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Vonovia verpasst Deutsche Wohnen Wie Index- und Hedgefonds die Übernahme platzen ließen

Vonovia-Chef Rolf Buch
Vonovia-Chef Rolf Buch: Übernahme vorerst geplatzt. | Foto: imago images / Sven Simon

Die Wohnungskonzerne Vonovia und Deutsche Wohnen können ihre Haushalte erst einmal nicht zusammenlegen. Das liegt zu einem Großteil an Indexfonds und Hedgefonds, wie das Unternehmen meldet.

Doch der Reihe nach: Eigentlich wollte Vonovia den Konkurrenten aus Berlin übernehmen und bot für jede Aktie 52 Euro. Als Vonovia das am 24. Mai beschloss, notierte die Deutsche-Wohnen-Aktie noch bei etwa 45 Euro, also ein gutes Stückchen tiefer. Ein Selbstläufer, könnte man meinen.

Doch jetzt musste das Unternehmen einräumen, dass das Vorhaben geplatzt ist. Am 26. Juli gab es bekannt, dass man die vorgesehene Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent der Deutschen Wohnen nicht erreicht habe. Heißt auf Deutsch: Die Aktionäre hätte das Angebot für jede zweite Aktie annehmen müssen, wobei Vonovia selbst schon einen Anteil von 18,4 Prozent besaß. Doch selbst inklusive dieser Steilvorlage reichte es am Ende nur für 47,6 Prozent. Was dann eben nicht reichte.

Was das mit Indexfonds zu tun hat, zu denen auch börsennotierte Fonds (ETFs) gehören? Einiges, denn der Berliner Konzern ist in einigen dieser Fonds zwangsläufig enthalten. So ist er beispielsweise zu etwa 1,4 Prozent im Dax gewichtet. Um mal das wichtigste Beispiel zu nennen.

Laut der ETF-Plattform Justetf.com bringen es allein die in Deutschland zugelassenen Dax-ETFs auf ein Volumen von 15,9 Milliarden Euro. 1,4 Prozent davon liegen in Aktien der Deutschen Wohnen, das sind rund 207 Millionen Euro. Und das wiederum macht derzeit 1,2 Prozent von deren Börsenwert aus. Hinzu kommen ETFs auf weitere Indizes und die vielen weiteren indexorientierten Fonds und Mandate, die gar nicht an der Börse notiert sind. Laut Vonovia liegen rund 20 Prozent der Deutsche-Wohnen-Aktien bei eben solchen Passiv-Produkten,

Und die machten ihrem Namen alle Ehre und taten: nichts. Wie aus Vonovia-Mitteilungen hervorgeht, dürfen Indexfonds nicht einfach Aktien aus ihrem Portfolio zum Verkauf anbieten, solange nicht sicher ist, dass der am Ende auch wirklich stattfindet. Denn nur wenn die Deutsche Wohnen wirklich an Vonovia geht, fliegt sie auch aus den Aktienindizes. Und dann wäre der Verkauf in Ordnung.

Damit ergibt sich eine Zwickmühle, wie sie kaum kurioser geht: Indexfonds nehmen das Angebot nicht an, solange es nicht ganz sicher ausgeführt wird. Doch so verhindern sie, dass es wirklich ausgeführt wird, und geben sich damit selbst Recht. Das Ganze wirkt wie das Huhn und das Ei – was war zuerst da? So stellte denn auch Vonovia-Chef Rolf Buch gegenüber dem Handelsblatt fest: „Es ist schon erkennbar, dass der zunehmende Anteil von passiven Investoren solche Transaktionen einfach deutlich schwerer macht.“

Aber auch Hedgefonds sorgten für Probleme. Laut Buch habe ein großer Teil Aktien gekauft und darauf spekuliert, dass Vonovia das Angebot noch nachbessert, also mehr bietet als die 52 Euro. Das war dann aber nicht der Fall. Buchs Fazit: „Da hat sich offenbar jemand verrechnet.“

Ob Vonovia demnächst einen neuen Anlauf starten will, ist wahrscheinlich, aber noch offen.

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