Glückliche auf der Straße Foto: imago images/Pacific Press Agency

Doch keine blaue Welle

Wie Manager globaler Aktienfonds mit der US-Wahl umgehen

Kansas City, Missouri. Hier ist die Welt für Donald Trump noch in Ordnung. Satte 57 Prozent holt der Präsident bei den US-Wahlen in dem zentral gelegenen Bundesstaat. Sein Herausforderer, der Demokrat Joe Biden, bringt es auf 41 Prozent. In Kansas City – nicht gerade als Finanzmetropole bekannt – hat die Investmentgesellschaft American Century ihren Sitz. Brent Puff, der den Nomura American Century Global Growth Equity (ISIN: IE00BJLNC482) managt, zeigt sich nicht sonderlich verblüfft darüber, dass nun doch Biden ins Weiße Haus einzieht.

Dafür waren ihm die Umfragen vorab deutlich genug. Zwei Umstände überraschten ihn dann aber doch: „Trump schnitt viel besser ab, als die Umfragen vermuten ließen, und trotz seiner Niederlage werden die Republikaner wahrscheinlich die Kontrolle über den Senat behalten. Das verhindert die blaue Welle und den damit verbundenen aggressiven Politikwechsel nach links.“ Wobei sich die Sache mit dem gespaltenen Kongress erst im Januar bei einer Stichwahl im US-Bundesstaat Georgia entscheidet.

Die blaue Welle ist benannt nach der Parteifarbe der Demokraten und für nicht wenige Wirtschaftsleute ein Schreckgespenst. Nun stellen sich Managern internationaler Aktien mehrere Fragen: Was macht der neue Präsident Biden mit Land und Wirtschaft? Was macht man jetzt mit den nicht mehr sehr günstigen US-Aktien? Was passiert mit den FAAAMs, also Facebook, Apple, Amazon, Alphabet und Microsoft?

Daten der Service-Kapitalanlagegesellschaft Universal-Investment zeigen, dass die Branche ihre Füße ziemlich still hält. Anfang Oktober lag die US-Aktienquote in Publikumsfonds im Schnitt bei 13,6 Prozent, am 19. November waren es 13,9 Prozent. In Spezialfonds stieg sie in dieser Zeit ebenfalls nur unwesentlich von 11,9 auf 12,1 Prozent. Erdrutsch geht anders.

Dabei ist die Lage nicht ganz einfach. Der US-Aktienmarkt war in den vergangenen mindestens zehn Jahren das Maß aller Dinge. In den gängigen Weltindizes – und damit auch in allen Indexfonds – macht er durchweg fast zwei Drittel aus (siehe Grafik). Wer also den Markt schlagen wollte, musste ihn noch zusätzlich übergewichten. Oder mit anderen Wachstumstiteln jenseits der USA punkten – was im großen Stil nur in den Schwellenländern funktionierte.

Nicht jeden interessieren Wahlen. Reinen Stockpickern ist es schlicht egal, wer im Weißen Haus wohnt. Andere achten hingegen sehr wohl auf Wirtschaft, Geldpolitik und Gesellschaft als maßgebliches Umfeld. Regelrecht erleichtert zeigt sich Edgar Walk. „Eine Wiederwahl Donald Trumps hätte einerseits unberechenbare Negativszenarien zur Folge haben können – zum Beispiel einen globalen Handelskrieg“, schreibt der Chefvolkswirt von Metzler Asset Management in einem Kommentar. „Mit der Wahl Joe Bidens und der Entwicklung eines hochwirksamen Impfstoffs hat sich das Bild nun merklich aufgehellt.“

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