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6 Jahre nach der Pariser Klimakonferenz Wie nachhaltig ist die Finanzbranche?

Wald in Mecklenburg-Vorpommern
Wald in Mecklenburg-Vorpommern: Anleger sollten Nachhaltigkeitsaspekte im Blick haben. | Foto: Imago Images / Blickwinkel

In wenigen Tagen werden Repräsentanten von rund 200 Ländern und NGOs weltweit zur UN-Klimakonferenz in Glasgow zusammenkommen, um ihre Fortschritte bei der Bekämpfung des Klimawandels zu besprechen. Der Termin könnte das wichtigste globale Treffen seit dem Weltklimagipfel 2015 in Paris werden. Damals verständigten sich erstmals praktisch alle Regierungen weltweit darauf, ihre CO2-Emissionen massiv zu reduzieren, um die Erderwärmung zu begrenzen. Aber es geht nicht nur um das Klima. 2015 hat sich die Staatengemeinschaft auch dazu verpflichtet, die UN-Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) bis zum Jahr 2030 umzusetzen – in insgesamt 17 ökonomischen, ökologischen und sozialen Bereichen soll die Zukunft für Mensch und Natur besser werden.

Knapp sechs Jahre später ist klar, dass die Welt ihren eigenen Ansprüchen hinterherhinkt. Die Corona-Krise hat zwar überdeutlich gezeigt, dass Gesundheit, Frieden und Wohlstand direkt mit einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung zusammenhängen. Gleichzeitig hat die Pandemie jedoch viele Länder in ihren Nachhaltigkeitsbestrebungen zurückgeworfen und zudem einige Probleme – wie die Verschwendung von Einwegplastik – noch verstärkt.

Kaum Fortschritt seit 2020

Wie fällt die Bilanz der UN-Nachhaltigkeitsziele aktuell aus und welchen Beitrag können Unternehmen, Investoren und Vermögensverwalter leisten? Den Antworten auf diese Fragen versuchen wir mit unserem zweiten Bericht „SDG Reckoning“ näher zu kommen, in dem wir die globale Umsetzung jedes UN-Ziels im Jahr 2020 auf einer Skala von 1 (kein Fortschritt) bis 10 (vollständig erreicht) bewertet haben. Ein SDG mit einer Punktzahl von mindestens 5 bedeutet danach, dass die Welt auf dem richtigen Weg ist, um dieses Ziel zu erreichen.

Das ernüchternde Ergebnis: Diese Aussage gilt derzeit nur für sechs der 17 Nachhaltigkeitsziele, also rund ein Drittel. Bei den übrigen elf Themenbereichen bleibt die Entwicklung dagegen hinter den Erwartungen zurück. Konkret bedeutet das:

  1. Für alle Ziele insgesamt liegt der durchschnittliche Umsetzungsfortschritt weltweit im Jahr 2020 bei nur 4,1 von 10 Punkten – unverändert im Vergleich zum Vorjahr.
  2. Bei vier Zielen muss eine deutliche Verschlechterung konstatiert werden. Drei davon betreffen soziale Themen: Keine Armut (SDG 1), menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum (SDG 8) und Abbau von Ungleichheiten (SDG 10).
  3. Bei weiteren vier Zielen ist weltweit eine Verbesserung zu verzeichnen. Fortschritte gab es 2020 beispielsweise bei der Gewährleistung von sauberem Wasser und Sanitäreinrichtungen (SDG 6), dem Aufbau von Industrie, Innovation und Infrastruktur (SDG 9), der nachhaltigen Gestaltung von Städten und Gemeinden (SDG 11) und auch dem Klimaschutz (SDG 13). Für letzteres ist entscheidend, dass sowohl China als auch die USA (wieder) dem Pariser Abkommen beigetreten sind. Das macht es kleineren Ländern schwerer, nicht nachzuziehen.
    Zudem haben zahlreiche Unternehmen und Investoren eigene, häufig ehrgeizige, Netto-Null-Verpflichtungen festgelegt. Viele Investitionen in Unternehmen und Projekte, die sich auf die Erreichung anderer Ziele konzentrieren – wie zum Beispiel die Erzeugung erneuerbarer Energien, umweltfreundliche Gebäude, nachhaltige Landwirtschaft und Kreislaufwirtschaft – haben ebenfalls einen positiven Einfluss auf das Klima. Dabei sind zum einen Aktionäre als Minderheitseigentümer von Unternehmen in der Lage, einen positiven Wandel durch ihr Abstimmungsverhalten und Engagement sowie durch kollektive Maßnahmen voranzutreiben.
    Zum anderen können gerade auch Private-Equity-Investoren gezielt wirken. Sie können zum Beispiel in innovative, nachhaltige Lebensmittelsysteme investieren, erneuerbare Energien oder verbesserte Technologielösungen entwickeln und – oft als Mehrheitseigentümer – positive Veränderungen bei der Unternehmensführung erreichen.
  4. Dennoch erreicht der Klimaschutz (SDG 13) 2020 nur 3 von 10 Punkten auf der Fortschrittsskala – seit 2019 ging es nur um einen Punkt voran. Der Weltklimagipfel in Glasgow wird ein entscheidender Test dafür sein, wie effektiv Partnerschaften für nachhaltige Entwicklung funktionieren.
  5. Bei zwei Nachhaltigkeitszielen kommt die Umsetzung nur besorgniserregend langsam voran: Zum einen das Leben unter Wasser (SDG 14), also die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der Meere und ihrer Ressourcen, zum anderen das Leben an Land (SDG 15). Hier lautet das explizite Ziel der UN, „Landökosysteme zu schützen, wiederherzustellen und ihre nachhaltige Nutzung zu fördern, Wälder nachhaltig zu bewirtschaften, Wüstenbildung zu bekämpfen, Bodendegradation zu beenden und umzukehren und dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende zu setzen“. Beide Bereiche betreffen direkt den Schutz der Biodiversität und haben in den letzten Jahren so gut wie keine Fortschritte gemacht – die Analyse ergab lediglich 3 beziehungsweise 2 von 10 Punkten für 2020 ebenso wie für 2019. Aus unserer Sicht müssen die politischen Entscheidungsträger zukünftig einen schrittweisen Ansatz verfolgen, um erreichbare kurzfristige Ziele festzulegen, die sich im Laufe der Zeit zu den erforderlichen ehrgeizigeren Zielen entwickeln können.
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