Quelle: Fotolia

Quelle: Fotolia

Wie nachhaltig sind Schwellenländer-Fonds?

//
Die Finanzkrise als größte Bedrohung der Weltwirtschaft? Mitnichten. Zahlen des Internationalen Währungsfonds zufolge wird die aktuelle Finanzkrise etwa 1.600 Milliarden Euro kosten. Glaubt man den Berechnungen des britischen Wissenschaftlers Nicolas Stern, büßt die Weltwirtschaft allerdings allein für das Ignorieren des Klimawandels bis zu 25 Prozent ihrer Leistung ein. Auf Basis des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2007 wären das 10.900 Milliarden Euro – fast sieben Mal so viel wie die Finanzkrise kostet und in etwa so viel wie die USA 2007 erwirtschaftet haben. Selbst wenn sich das BIP der Welt in den kommenden Jahren halbieren würde, wäre der Klimawandel immer noch mehr als fünf Mal so teuer wie die Misere an den Märkten. Von den Kosten für den Zusammenbruch ganzer Ökosysteme ganz zu schweigen; diese Verluste hat noch niemand in Zahlen gefasst.
Weitsichtige Investoren, die die Finanzkrise nicht mit dem Ende allen Wirtschaftens gleichsetzen, finden darum jetzt einen guten Einstiegszeitpunkt, um eine bessere Zukunft zu finanzieren. Je mehr Geld in die Emerging Markets fließt, desto größer wird der Einfluss der Manager und desto größer der Druck auf die Firmen, Umwelt und Mensch zu schützen. Nicht weniger als die Rettung der Erde steht auf dem Spiel. Und ganz nebenbei auch noch eine gute Rendite. Klassische Fondsmanager mit Grünstich Fast alle europäischen und amerikanischen Investmentgesellschaften geben sich in ihren Statuten bereits einen grünen beziehungsweise sozialverantwortlichen Anstrich. Kinderarbeit oder Verstöße gegen internationale Konventionen im Bereich der Menschenrechte und des Umweltschutzes können sie sich darum in ihren Fonds nicht leisten, auch wenn die Produkte nicht als nachhaltig ausgewiesen sind. Schwellenländer-Pionier Mark Mobius von Franklin Templeton dürfte darum stellvertretend für viele andere Manager sprechen: „Wir nehmen unsere Verantwortung sehr ernst und diskutieren regelmäßig mit den Geschäftsführern, Regierungen und gesetzgebenden Organen der jeweiligen Länder, wenn wir Probleme bezüglich der Umwelt- und Sozialverträglichkeit sehen. Ist uns das Risiko zu hoch, investieren wir nicht.“ Franklin Templeton ist einer der größten Investoren in den Schwellenländern. Mit dem Templeton Emerging Markets ist Mobius derzeit allerdings nicht besonders erfolgreich. Deutlich besser schnitten beispielsweise Michael Keppler mit dem Global Advantage Funds – Emerging Markets High Value oder Vincent Strauss und Wojciech Stanislawski mit dem Comgest Magellan ab.

Trotz Grünstich finden Investoren in diesem Fonds aber dennoch Öl-Firmen wie Petrobras oder Bergbau-Konzerne wie die Companhia Vale do Rio Doce, die der Umwelt nicht immer nur Gutes tun. Kleine grüne Flitzer Wer auch diese Unternehmen auf jeden Fall ausschließen möchte, der hat auch einige explizit als nachhaltig ausgewiesene Schwellenländer-Investments zur Auswahl. Das Angebot ist zwar noch recht überschaubar, wächst aber stark. Allein 2008 kamen sechs nachhaltige Schwellenländerfonds auf den Markt. Grundsätzlich gelten Unternehmen als nachhaltig, wenn sie so handeln, dass die Entfaltungs- und Lebensmöglichkeiten künftiger Generationen nicht gefährdet werden. Der Begriff ist bei den Schwellenländer-Produkten allerdings breit auszulegen. „Es ist oft sehr schwer, an vernünftige Informationen zu kommen. Ich kann darum nicht vollkommen ausschließen, dass eine Firma in unserem Portfolio doch einmal nicht nachhaltig handelt“, sagt Gerhard Wagner, Manager des im August 2008 gestarteten Swisscanto Green Invest Emerging Markets. „Sollte uns so etwas jedoch zu Ohren kommen, fliegt das Unternehmen sofort aus dem Portfolio.“ Grundsätzlich schließen alle Fondsmanager durch die Bank Unternehmen aus, die Kinderarbeit nutzen, schwere Verletzungen von Menschenrechten begehen oder die Umwelt verschmutzen. Gemieden werden zudem Firmen, die einen Großteil ihres Umsatzes mit Alkohol, Tabakprodukten, Glücksspiel, Rüstung, Massenvernichtungs- und Nuklearwaffen erzielen. Wie Swisscanto-Manager Wagner kaufen die meisten vor allem Firmen in „umweltfreundlichen“ Sektoren wie erneuerbare Energien, grüne Technologien, Land- und Forstwirtschaft, gesunde Nahrungsmittel, Wasser, Müllverarbeitung, Bildung oder nachhaltige Entwicklungen im Bereich Gesundheit. Zusätzlich verfolgen sie in der Regel einen Engagement-Ansatz, das heißt sie sprechen mit den Geschäftsführern und Managern über die Probleme und Möglichkeiten, diese zu beseitigen. Und noch eine Gemeinsamkeit: Derzeit machen asiatische Werte den Großteil der Portfolios aus. Im Gegensatz zu einem Großteil der klassischen Schwellenländerfonds investieren die nachhaltigen Produkte überwiegend in kleine und mittlere Unternehmen. Diese sind deutlich schwankungsanfälliger als Standardwerte und bergen darum besonders in unruhigen Zeiten wie diesen ein zusätzliches Risiko. „Langfristig haben die Umwelt-Firmen jedoch ein niedrigeres Risiko“, sagt Joachim Böttcher von Bankinvest. „Schließlich sind sie weniger anfällig für Skandale, und sie verbrauchen weniger Energie und Rohstoffe. Bei weiter steigenden Preisen wird sich das rechnen.“ Die dänische Fondsgesellschaft hat mit dem BI Global Emerging Markets Equities SRI bereits im Oktober 2007 einen nachhaltigen Schwellenländerfonds aufgelegt. Aufgrund der schwierigen Informationsbeschaffung haben die grünen Produkte derzeit noch etwas höhere Kosten als die klassischen Schwellenländerfonds: Rund 10 Basispunkte teurer ist die Zusammenstellung des nachhaltigen Portfolios im Durchschnitt. Da die Fonds bis auf wenige Ausnahmen noch sehr jung sind, bleibt abzuwarten, ob sie die zusätzlichen Kosten wieder einspielen. >> Hier finden Sie einen Überblick über alle grünen Schwellenländerfonds

Mehr zum Thema
„Mindestens 20 bis 30 Prozent sollten grün investiert werden“
Kemfert: „Die Zukunftsmärkte sind die Klimaschutzmärkte“
nach oben