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Kommentar zu hektischen Märkten Wahnsinn, wie Omikron die Investorenfinger zucken lässt

DAS-INVESTMENT-Redakteur Andreas Harms
DAS-INVESTMENT-Redakteur Andreas Harms: „Zieh!“ | Foto: Nadine Rehmann

„Zieh!“, brüllt einer der beiden Männer über die staubige Straße. Beide belauern sich, nervös zucken die Finger und kreisen um den schussbereiten Colt. Einer zieht schneller als der andere. Beide schießen, einer stirbt. Zumindest meistens.

Es ist eine Szene aus so gut wie jedem Western. X-mal gesehen. Doch der blutrote Börsenfreitag, der 26. November 2021, zeigt eindrucksvoll, dass nicht nur den Duellanten in wilden Western regelmäßig die Griffel zucken. Offenbar lassen derzeit auch Großanleger ihre Finger nervös kreisen. Nicht um den Colt, sondern um den (imaginären) Knopf, über den sie Aktien kaufen oder eben verkaufen. So gab der Dax an diesem einen Tag über 4 Prozent ab und selbst der traditionell stabilere S&P 500 mehr als 2 Prozent.

Omikron-Variante spaltet die Märkte

Von außen betrachtet ist das beileibe noch kein Crash. Doch innerhalb der Indizes rappelte es gewaltig. So gab zum Beispiel Airbus mehr als 11 Prozent ab, und selbst eine Aktie wie BMW verlor mehr als 6 Prozent. Dagegen stiegen die Kurse von Bleib-zu-Hause-Aktien wie Hellofresh und allem, was mit Pillen und Spritzen zu tun hat.

Dabei war doch eigentlich alles gerade so klar: Corona war zwar noch da, aber der Aufschwung brummte laut hörbar. Also Rohstoffaktien, Value und Zykliker gekauft und fertig. Alles wird gut. Her mit den Gewinnen!

Die neue Corona-Mutante Omikron aus Südafrika hat dieses Bild an einem einzigen Tag zerlegt und zeigt beängstigend deutlich, wie der Kapitalmarkt aufgeteilt ist: In Corona-Lockdown-Gewinner und -Verlierer. Und die Finger der Großanleger kreisen so nervös um den Knopf wie nie zuvor. Stets bereit, von einem in das andere Lager zu wechseln. Es kommt mir so vor, als hätte ich noch nie so wechselhafte, hektische und gespaltene Märkte erlebt wie heute.

Hat mal einer einen DeLorean?

Machen wir uns nichts vor: Gegen die Revolverhelden der Kapitalmärkte haben wir als Greenhörner keine Chance. Sie ziehen schneller als wir und schießen uns einfach über den Haufen. Sie lassen selbst ein Billionenvehikel wie den Ölmarkt – Derivate mal mit eingerechnet – an einem einzigen Tag um mehr als 10 Prozent fallen. Das muss ihnen mal einer nachmachen.

Daraus ergeben sich drei Möglichkeiten:

  1. Wir haben einen umgebauten DeLorean und sehen einfach in der Zukunft nach, wie es mit Corona weitergeht. Dann wissen wir, wie wir uns aufzustellen haben.
  2. Wir legen uns auf eine Seite fest. Damit gehören wir kurzfristig zu den Gewinnern oder Verlierern und hoffen, dass sich das langfristig ausgleicht.
  3. Wir tanzen auf jeder Hochzeit und streuen gleichermaßen über Pandemiegewinner und Verlierer. Das könnte für die Nerven am besten sein und ist wahrscheinlich selten so wichtig gewesen wie heute.
Quelle Fondsdaten: FWW 2022

Mit klassischen ETFs, die ihre Mitglieder der Größe nach sortieren, dürfte Variante 3 aber kaum zu bewerkstelligen sein. Dort sind in den vergangenen Jahren zyklische und rohstofflastige Werte allzu sehr ins Hintertreffen geraten. Also müsste man zum Beispiel dem herkömmlichen MSCI World dessen Value-Variante zusätzlich leicht beimischen. Unter den aktiv gemanagten Fonds gibt es genügend mit klarem Ansatz, sodass sich auch dort ebenfalls Gegenstücke finden und zusammenfügen lassen. Ich denke da sofort an Fondsmanager wie Ufuk Boydak von Loys und Michael Keppler von Keppler Asset Management, die sich in Interviews ganz bewusst als Gegenentwürfe zum Mainstream aufstellen. Ebenso infrage kommen Value-Spezialisten wie Matthias Ruddeck von Point Five Capital, Stefan Rehder von Value Intelligence Advisors und Peter Frech von Quantex. Um nur mal ein paar Namen zu nennen.

Am Ende müssen sich Anleger heute wahrscheinlich breiter aufstellen als ein Duellant in einem Western. Dann könnte die Sache glimpflich weitergehen. Zumindest, was die Aktien angeht.

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