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Interview Wie Peter Conzatti zu einem der bekanntesten Nebenwerte-Experten wurde

Peter Conzatti ist Mit-Geschäftsführer der Creating Alpha Capital aus Dachau. Er verantwortet den 2018 aufgelegten Creating Alpha Fonds, der zu mindestens 51 Prozent in deutsche Werte investiert, vornehmlich aus dem Nebenwerte-Segment.
Peter Conzatti ist Mit-Geschäftsführer der Creating Alpha Capital aus Dachau. Er verantwortet den 2018 aufgelegten Creating Alpha Fonds, der zu mindestens 51 Prozent in deutsche Werte investiert, vornehmlich aus dem Nebenwerte-Segment. | Foto: privat

DAS INVESTMENT: Herr Conzatti, Sie haben 2022 die Verantwortung für den Creating Alpha German Champions Fonds übernommen. Bei den Hamburger Investorentagen waren Sie auch im Auftrag der Amandea Vermögensverwaltung. Inwieweit hängt das zusammen?

Peter Conzatti: Um als unabhängiger Berater einen Fonds zu managen, brauchen Sie ein Haftungsdach. Das ist in meinem Fall die Amandea. Aber die Creating Alpha Capital GmbH ist eine eigenständige Firma, die den Fonds in Liechtenstein gelauncht hat. Ich bin dort Geschäftsführer.

Sie gelten als ausgewiesener Experte im Bereich Nebenwerte. Wie haben Sie es geschafft, sich diesen Ruf zu erarbeiten?

Conzatti: Ich habe relativ schnell in der Auseinandersetzung mit Unternehmen gemerkt, dass kleine Firmen viel flexibler und meistens schneller sind. Oft kamen von dort die Innovationen, die dann im Markt etabliert oder irgendwann übernommen und von größeren Unternehmen fortgeführt wurden. Und ich merkte, dass sich dann an der Börse dort viel mehr bewegt, auch wenn es natürlich in die falsche Richtung gehen kann. Das musste ich in verschiedenen Marktphasen zum Teil sehr schmerzhaft lernen.

Ich bin über ein Trainee-Programm bei der Baden-Württembergischen Bank damals mit dem Bereich Nebenwerte enger in Berührung gekommen. Und hatte dann 1996 Riesenglück, als ich den SMH-Fonds von Kurt Ochner übernehmen konnte. Da wurde ich voll ins kalte Wasser geworfen. Am Anfang war es ein Tag- und Nacht-Job. Aber nach zehn Jahren war es dann der beste deutsche Nebenwerte-Fonds, also hat es sich schon gelohnt.

Können Sie bei einem Zeithorizont von rund 30 Jahren ein Unternehmen nennen, von dem Sie sagen, da habe ich damals schon erkannt, was aus denen später mal werden könnte?

Conzatti: Da fiele mir SAP ein, auch wenn es in der Konsequenz vermessen wäre zu sagen, dass man es voraussah. Viele Leute wussten damals noch gar nicht, was ein Kürzel wie SAP überhaupt bedeutet. Aber es war spannend, neu und die sind sensationell gewachsen. Dass es einmal dermaßen riesige Dimensionen annimmt, hätte ich aber auch nicht erwartet. Andere Firmen, die mir damals schon aufgefallen sind, waren Hugo Boss oder Fresenius. Hugo Boss hat eine tolle Marke aufgebaut und die dann nach und nach internationalisiert. Davon war ich sehr überzeugt und hatte sie ewig lang im Portfolio. Und ich habe vermutet, dass Fresenius ein großer Profiteur des Trends sein wird, dass sich in vielen Ländern die Gesundheitsversorgung ständig verbessert und technologischer wird.

 

Ist nur die Performance für ihren Ruf unter anderen Marktteilnehmern verantwortlich oder gibt es da noch mehr?

Conzatti: Worauf ich fast ein bisschen stolzer bin als nur die Performance, ist, dass ich es eigentlich immer geschafft habe, die großen Krisen, wie den Einbruch am Neuen Markt, 9/11 oder die Finanzkrise ab 2008, relativ gut durchzustehen oder teilweise zu umschiffen. Zum Beispiel setzte ich beim Neuen Markt weniger auf die scheinbaren Gewinner, bei denen man aber nicht so genau wusste, wie die fundamentalen Daten überhaupt im Zusammenhang mit den Kursen stehen.

Damals habe ich lieber WMF oder Sartorius gekauft. Bei diesen soliden Unternehmen konnte ich einigermaßen kalkulieren, was tatsächlich dahintersteckt. Wichtig ist, dass man die Performance macht mit entsprechend angepassten Risikokennziffern. Und ich glaube, das ist die eigentliche Leistung. Es gibt Investoren, die sind immer dann toll, wenn der Markt nach oben geht und sobald er nach unten dreht, werden sie verrissen. Das ist mir zum Glück nie passiert. 

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Nun ist das Fondsvolumen vom Creating Alpha Fonds mit circa 3,5 Millionen Euro relativ gering. Was können Sie da überhaupt bewegen?

Conzatti: Als ich ihn hauptverantwortlich übernommen habe, waren es zweieinhalb Millionen. Ich habe ein bisschen die Werbetrommel gerührt, jetzt sind wir eine Million weiter, aber das ist natürlich nicht Ende der Fahnenstange und kann nicht das Ziel sein. Ich musste mich einarbeiten und die ganzen Zertifizierungen und Zulassungsprozesse haben wirklich über ein Jahr gedauert. Nachdem ich gesehen habe, dass einige Konkurrenzprodukte schwach abschneiden, ist es nun langsam Zeit, die Kunden darauf aufmerksam zu machen, dass sie eine Alternative haben.

Allerdings hat man bei einem kleinen Publikumsfonds das Henne-Ei-Problem. Die institutionellen Anleger sagen zwar, dass sie es gut finden und gerne investieren würden. Aber bei der Größenordnung haben sie dann die ganzen hinderlichen Aufsichtskriterien. Ich hoffe, dass wir absehbar das ein oder andere Spezialfonds- oder Beratungsmandat generieren können.

Der Creating Alpha Fonds hat noch eine Besonderheit und das ist die soziale Komponente. Können Sie erläutern, wie das funktioniert?

Conzatti: Es war seinerzeit den beiden Erstgründern wichtig, eine soziale Komponente zu integrieren. 25 Prozent der Performance-Fee kommen vorab definierten sozialen Projekten zugute. Es ist Teil der DNA des Fonds. Das ist innovativ und liegt im Trend der Zeit. Es konnten schon zahlreiche Projekte dadurch unterstützt werden.

Welchen Ansatz verfolgen Sie, um neue Unternehmen zu finden?

Conzatti: Ich komme zum Teil aus der Soziologie und da spielen Trends immer eine zentrale Rolle. Es geht dabei um die Frage, wie sich Gesellschaften oder auch globale Bewegungen entwickeln. Das war immer auch ein Hintergrund für meine Aktienselektion. Wichtig ist, dass man bei den richtigen Trends wie Digitalisierung, Dekarbonisierung, Alterung der Bevölkerung etc. mit dabei ist. Außerdem ist mir gutes Management wichtig, Personen, die begeistern können und eine Mission haben.

 

Würden Sie sagen, trotz der aktuell schwierigen Marktphase, dass es sich weiter lohnt auf Small- und Mid-Caps zu setzen?

Conzatti: Ja, es kann immer mal 10 bis 15 Prozent runtergehen, aber größer schätze ich die Gefahr im Moment nicht ein. Ansonsten ist es immer ein müßiges Thema, wann man einsteigen soll. Sie müssen irgendwann die Grundsatzentscheidung treffen, ob sie investiert sein wollen oder nicht. Das Beste ist, seinen Fuß im Markt zu haben und dann im Sinne des Cost-Average-Effekts immer wieder nachzukaufen. Zum Beispiel Sto. Die haben uns vorgerechnet, wie viele Milliarden Quadratmeter gedämmt werden müssen. Allein in Deutschland haben wir einen Altbestand von knapp 35 Millionen Häusern. Sie sind Weltmarktführer in diesem Segment. Auch wenn Sto jetzt mal ein Halbjahr etwas schwächer abschneidet, gehören sie zu den Kaufkandidaten.

Also keine negative Stimmung, von der derzeit so viel reden?

Conzatti: Natürlich gibt es immer Chancen und Risiken. Aber wir denken: Im deutschen Nebenwertemarkt gibt es nach wie vor viele starke Firmen. Dass die Leute so jammern und alles schlecht reden, passt dazu nicht. Das mag in Deutschland für Einzelbereiche stimmen, zum Beispiel in der Automobilindustrie mit der Elektromobilität, weil da andere schneller waren und es vorläufig besser umgesetzt haben. Oder auch bei der Solarindustrie, bei der wir Mitte der Nullerjahre Weltmarktführer waren und die heute in der Bedeutungslosigkeit verschwunden ist. Das ist nicht schön, aber es gibt ähnlich viele positive Entwicklungen. 

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