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Robert Greil im Gespräch Wie sich Anleger und Investoren für 2022 aufstellen sollten

Robert Greil von Merck Finck
Robert Greil von Merck Finck: „Die Notenbankenpolitik bleibt expansiv ausgerichtet.“ | Foto: Merck Finck

Das Investment: Herr Greil, wie lief das Jahr 2021 aus Ihrer Sicht?

Robert Greil: Das Jahr 2021 war für Kapitalanleger ein sehr erfolgreiches Jahr. Gerade die Aktienmärkte konnten deutlich zulegen. Diese erfreuliche Entwicklung der Kapitalmärkte führte unter anderem dazu, dass wir in unserer Vermögensverwaltung ein sehr positives Ergebnis verzeichnen können.

Welche Trends haben die Entwicklungen an den Märkten beschleunigt?

Greil: Die Märkte haben aus unserer Sicht vorwiegend vom Dreiklang aus konjunkturellen, monetären und politischen Zyklus profitiert, der in Summe die negativen Effekte der Pandemie für die Kapitalmärkte klar überlagert hat. Der im Jahresverlauf überwiegend noch frühzyklische Konjunkturtrend konnte die Wachstumsdellen dank starker Unterstützung vonseiten der Notenbanken wie auch der Fiskalpolitik einwandfrei verkraften – die Weltwirtschaft bleibt weiterhin auf Wachstumskurs.

Wie wird die Notenbankpolitik 2022 aussehen?

Greil: Wir rechnen mit vorsichtigen Bremsmanövern bei hoher Flexibilität hinsichtlich der Inflations- und Pandemietrends. Die Fed wird angesichts der guten US-Konjunktur und zu erwartender Normalisierungstendenzen in Sachen Inflation ihre Reduzierung der Anleihekäufe im ersten Jahr wohl wie geplant fortsetzten und frühestens im zweiten Halbjahr eine erste Leitzinserhöhung ins Auge fassen.

Und die EZB dürfte im Rahmen eines wesentlich konservativeren Tapering-Prozesses flexibel agieren, wobei eine erste Leitzinserhöhung frühestens 2023, aus unserer Sicht eher erst danach wahrscheinlich ist. Sprich: Die Notenbankenpolitik bleibt expansiv ausgerichtet, wenn auch etwas weniger als noch in diesem Jahr.

Welchen Einfluss wird Corona 2022 auf die Kapitalmärkte nehmen?

Greil: Letztlich ist mit fortschreitenden Impfquoten, auch aufgrund der aktuell wieder für Ungeimpfte verschärften Maßnahmen, mit weiter steigenden Impfquoten und damit mit einem Abflauen der Pandemie-Effekte zu rechnen. Allerdings hängt dies natürlich von vielen Unsicherheiten, etwa hinsichtlich der Gefahr neuer Virusmutationen, ab. Unterm Strich werden Politik wie Notenbanken auch weiterhin stützend agieren, sollte sich die Lage in einzelnen Regionen verschärfen – also sozusagen die Konjunktur boostern. Gerade hinsichtlich der Liquiditätsschwemme würde das die Börsen weiterhin unterstützen.

Wie stellen Sie sich als professioneller Investor für das nächste Jahr auf?

Greil: Wir bleiben auf dieser Basis Risiko-orientiert aufgestellt, wir gewichten also weiterhin Aktien über und Anleihen unter. Auf der Aktienseite bleiben die USA unsere favorisierte Region. Zudem halten wir primär qualitativ hochwertige Wachstumsaktien, am besten mit signifikanter Preissetzungsmacht, für aussichtsreich.

Auf der Anleiheseite setzen wir für 2022 unter anderem auf asiatische Hochzinsanleihen. Zudem sind alternative Anlagen, wie etwa reale Vermögenswerte, wichtig. Gold bleibt für uns dabei ein wichtiger Diversifikator in den Portfolios.

Zu welcher Strategie raten Sie Privatanlegern?

Greil: Grundsätzlich gilt es, Geld diversifiziert anzulegen. Das Umfeld bleibt auf Basis niedriger Zinsen –bei etwas steileren Renditekurven – Aktien-freundlich. Die Qualität von Assets wird mit dem Fortschreiten des Renditezyklus wichtiger. Zudem sollten Anleger bei allen Investmententscheidungen ihre Nachhaltigkeitsbrille aufsetzen und disruptive Entwicklungen im Auge haben. Diese werden sich aus der Pandemie heraus weiter beschleunigen, was den Fortschritt in Sachen Technologie und Gesundheit vorantreibt. Branchen und Unternehmen, die dadurch beschleunigte Disruptionstrends besonders für sich nutzen können, dürften zu den Gewinnern der kommenden Jahre zählen.




Über den Interviewten:
Robert Greil leitet als Chefstratege das Investment Management bei Merck Finck. Vor seiner Zeit bei der Privatbank war er tätig als Vorstandsassis­tent in einer Bank und als geschäftsführen­der Redakteur des Anlegermagazins „Börse Online“.

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